Straight edge
15.11.2009: Das Leben genießen ohne Drogen
Straight Edge ist eine Jugendbewegung, die Anfang der achtziger Jahre als Antwort auf die Punk-Kultur entstand. Im Gegensatz zu den Punks, die einen selbstzerstörerischen Lebensstil pflegten und dadurch gegen die damalige Gesellschaft und ihren bürgerlichen Individualismus protestierten, entschied sich die Straight-Edge-Bewegung bewusst für einen gewalt- und drogenfreien Lebensstil, der auch ohne „schnellen“ Sex auskommt. Aus der Punk-Szene entwickelte sich damals der Hardcore-Punk, innerhalb dessen sich der „positive hardcore“ herausbildete. Hier ging es inhaltlich hauptsächlich um eine positive Einstellung gegenüber anderen Menschen und deren Ideen, für Werte wie Freundschaft und Ehrlichkeit sowie gegen Gewalt, Rassismus und für die Förderung von Frauen, die in der Punk-Szene unterrepräsentiert waren. Wichtige Bands für diese Entwicklung waren „Minor Threat“ (die Band mit der alles begann), „7 Seconds“ sowie „Good Clean Fun“. Von dieser Szene wurde auch die „Do-it-yourself“-Bewegung (DIY) stark geprägt, das heißt die Konzerte sowie die Entstehung und der Vertrieb der Musik liefen fast ausschließlich selbstorganisiert. Nach der Wiederwahl Ronald Reagans in den USA 1984 verloren viele in der Straight-Edge-Szene ihre Hoffnung und somit auch ihre Motivation, weshalb viele Bands sich auflösten oder personell und stilistisch veränderten. Die neu entstandenen Bands waren szeneorientierter, gleichzeitig aber weniger politisch, die Szene entwickelte sich weiter in Richtung Vegetarismus und Veganismus als logische Schlussfolgerung der Ablehnung von Gewalt. Mitte der 90er wurden viele Bands mit extremen Interpretationen des Straight Edge populär, bis hin zu Gewaltanwendung und Intoleranz. Diese bezeichneten sich als „Hardliner“. Sie vertraten ein biozentristisches Weltbild (also eines, das allem „Lebendigen“ einen ethischen Eigenwert zuordnet) und sprachen im Namen der ausgebeuteten Natur, der Rechte von Tieren und gegen die korrupte und destruktive heutige menschliche Gesellschaft. Diese Strömung war teilweise Homosexuellen gegenüber feindlich eingestellt, ebenfalls gab es Texte, die zu Gewalt gegen Raucher_innen und sonstigen Drogenkonsument_innen aufriefen. Es gab auch christliche Straight-Edge-Bands, die einen religiös begründeten Sexismus aufwiesen. Mittlerweile gibt es auch eine Straight-Edge-Bewegung innerhalb der Neonazi-Szene, die viele Elemente der „Hardliner_innen“ aufgenommen hat. Dass diese sich gegen Homosexualität und sogenannte „Mischehen“ stellt, ist im Kern der nationalen Ideologie logisch, Vegetarismus spielt dort selbstverständlich keine Rolle.
Juliane Seibert