Debatten und Macht – Ein Spiel der Männer

20.06.2010: Wie Gesprächsverhalten patriarchalische Machtstrukturen aufbaut und erhält.

„Unsere Sprache ist sexistisch, und unser Sprachgebrauch ist sexistisch. Unsere Gesellschaft ist sexistisch, und wir sind sexistisch.“ schrieb Senta Trömel-Plötz, Feministin, Linguistin und Autorin in ihrem Buch „Gewalt durch Sprache – Wie Frauen in Gesprächen vergewaltigt werden“. Das war zwar 1984, ist heute aber noch genauso aktuell. Frauen werden immer noch unterdrückt, wenn auch meist subtiler.

Definitiv überwinden müssen wir die doppelten Standards

Hierarchien manifestieren sich vor allem durch Kommunikation. Dabei verläuft 90% unserer Kommunikation nonverbal. Der wichtigere Teil unserer Darstellung ist der Körper, der Gesichtsausdruck, die Stimme. Faktoren, die wir viel schwieriger kontrollieren können. Jemand der sich viel Raum und Zeit nimmt, lange laut redet, unterbricht und seine Gesten gut einsetzt, beansprucht Höherstatigkeit Wer sich zurücknimmt, ungefährlich und klein darstellt und dessen Gesten nur kleinen Raum einnehmen, signalisiert Niedrigstatigkeit. Dass ersteres, Dominanz-manifestierendes Rede-Habitus, eher Männern zuzuschreiben ist und letzteres den Frauen, passt in die klassische Rollenkonstruktion. Diese klassischen Muster sind, wenn auch pauschal klingend, auch bei der GJ wiederzuerkennen.

90 % unserer Kommunikation verläuft nonverbal

Was kann man tun? Marion Knaths, Kommunikationsberaterin und Zeit-Online Videostar, rät Frauen, die männlichen Spielregeln zu übernehmen. Als Feministin halte ich das für sehr problematisch. Weibliches Redeverhalten ist nicht mangelhaft, bloß weniger erfolgreich, wenn es um Macht geht. Aber gut, um intakte Beziehungen und respektvolles Verhalten zu pflegen. Das ist etwas, was wir viel mehr in die alltägliche Politik integrieren sollten. Die männlichen Spielregeln zu übernehmen, hieße vielmehr eine Aberkennung der „weiblichen“ Fähigkeiten.

Mein Fazit: Mir selbst nicht das Feuer nehmen. Nicht nur süß sein, sondern auch mal sauer. Dabei noch authentisch bleiben und sich selbst wohlfühlen, dann verkauft man sich und seine/ihre Argumente auch gut. Definitiv überwinden müssen wir die doppelten Standards. Wir gestehen Frauen nicht die selbe Aggressivität, Wut und Durchsetzungswillen zu, wie wir sie Männern zugestehen. Eine Frau, die mal lauter wird, wird gleich als hysterisch gebrandmarkt. Frauen sind doppelt sanktioniert von der Gesellschaft, wenn sie „weiblich“ kommunizieren werden sie nicht ernst genommen, wenn sie „männlich“ kommunizieren, wird das als geschlechts-nonkonformes Verhalten bestraft. Dabei müssen wir uns an die eigene Nase fassen, denn Frauen spielen bei der gesellschaftlichen Verhaltenspolizei genauso mit.Wie Sartre schon sagte „Halb Opfer, halb Mitschuldige, wie wir alle.“

Dimitra Kostimpas

Bemerkung: Dies ist eine gekürzte Version des Artikels. Die vollständige Version ist zu finden unter www.gj-bayern.de