X und Y - Nur zwei Chromosomen?
20.06.2010: Frauenquote und Queer sein: Geht das überhaupt?
Die Frauenquote anzuzweifeln, wagt in der GRÜNEN JUGEND kaum jemand mehr. Nach immer wieder angestoßenen Debatten ist für uns klar: Die Frauenquote ist ein berechtigtes Instrument, um die männerdominierte Politik- und Wirtschaftswelt zu überwinden und Frauen zum Wichtigsein zu ermutigen. Dass ohne Frauenquote Männer ihr Revier gnadenlos verteidigen, zeigt nicht zuletzt der Frauenanteil derer Parteien, die die Frauenquote verschmähen: In der FDP sind es 25 %, in der CDU sind gerade mal 21 % der Abgeordneten weiblichen Geschlechts. In den großen Kapitalgesellschaften sind 21 % der ChefInnen Frauen. Dass die Frauenquote da Abhilfe schafft, ist also nicht zu verachten.
Aber Achtung: Auf unseren letzten Bundeskongressen kam da eine Theorie auf, die das alles ins Wanken bringen könnte. Die Queer Theory. Plötzlich kommen Zweifel: Ist der scheinbare Er neben mir mit Bart und kurzen Haaren, der so tief spricht, wirklich ein Mann? Und: Was mache ich mit biologischen Frauen, die sich als Männer fühlen oder umgekehrt? Wer darf dann die Marke Frau einstecken und auf den Frauenplatz kandidieren? Gibt es überhaupt „Frauen“?
Nach der Queer Theory sind Geschlechter gesellschaftlich und sozial konstruiert. Die Merkmale, die Frauen bzw. Männern zugeschrieben werden, sind nicht biologisch bestimmt, sondern Folge der gesellschaftlichen Zuordnung. Hängen wir uns also das Schild Queer um den Hals, gibt es kein berüchtigtes Alpha-Männchen und kein ängstliches Mädchen mehr - können wir da überhaupt noch die Frauenquote als legitimes Instrument benützen?
Ich sage: Ja! Und das gerade eben, weil die Geschlechter in unserer Gesellschaft noch klar bestimmt sind, ihnen momentan klare Eigenschaften zugeschrieben werden und die Frauen seit noch nicht allzu langer Zeit rechtlich gleichgestellt sind. Erst Anfang des letzten Jahrhunderts wurde Frauen überhaupt das Wahlrecht und der Unibesuch zugestanden. 1948 waren Frauen dann offiziell gleichberechtigt, trotzdem durfte der Mann über das Arbeitsrecht seiner Ehefrau entscheiden. Erst 1978 wurde dieser Paragraph abgeschafft. Noch unsere Generation wurde also von Eltern erzogen, bei denen das Geschlecht eine große Rolle gespielt hat. Die Jungen wurden als starke Männer und die Frauen als Haushaltsfrauen erzogen und die Geschlechter sind momentan gesellschaftlich einfach real.
Gibt es überhaupt „Frauen“?
Wegen der langen Benachteiligung sind die Frauen schlechter gestellt und brauchen also einen Extraschub nach vorne! Und: Solange es in der Gesellschaft noch ein klares Geschlechterdenken gibt, ist die Frauenquote auch berechtigt! Wir können diese Diskussion in die Gesellschaft tragen und vielleicht wird die Frauenquote dann auch irgendwann nicht mehr nötig sein.
Bleibt noch mein bärtiger Sitznachbar. Als die Frauenplätze gewählt werden, wird SIE aufgerufen (Achtung, Zukunft). Moment mal. Ja! Der scheinbare Mann ist in Wirklichkeit eine Frau und sollte als solche auch ein Recht auf einen Frauenplatz bekommen. Denn handeln wir nach dem Geschlechterdenken, sollten wir trotzdem nach den sozialen und nicht den rein biologischen Geschlechtern gehen.
Gwendolyn Buttersack
'' Bild:
lustiges Kloschild: www.flickr.com/photos/davezilla/24186312/
"Mann" in pink: www.flickr.com/photos/jasperswardrobe/3744307529/
Quotas??? Vorschläge von Lisa: * * Der scheinbare Mann ist in Wirklichkeit eine Frau.