Rechte Kultur
21.07.2005: Musik, Konzerte und Kleidung von Rechtsextremisten, Kapitel 4 aus der Rechtsextremismusbroschüre
Musik / Konzerte
Musik ist ein wichtiges Medium für junge Menschen. Durch sie wird ein Millionenpublikum erreicht, Emotionen werden geweckt und Meinungen vertreten. Musik ist für alle erreichbar und "unkontrollierbar". Das ist gut so. Doch immer häufiger finden sich dadurch auch in den verschiedensten Genres Einflüsse von rechtem Gedankengut.
| Turn it Down - Strom aus für Nazimusik, Strom an für alternative Kultur! Ein Internetportal sagt speziell dem Rechtsrock den Kampf an:
www.turnitdown.de will ein Tummelplatz für alternative Musikkulturliebhaber und -liebhaberinnen werden und sucht engagierte Mitstreitende. |
Liedermacher
Balladenartige Stücke werden sowohl bei Aufmärschen und Kongressen als auch bei Kameradschaftsabenden gespielt. Durch sie gelingt es, Neonazis, die musikalisch größtenteils der Rechtsrockszene zuzuordnen sind, und alte Nazis, die traditionelle deutsche Volksmusik bevorzugen, in einem gemeinsamen "Kulturprogramm" zusammenzubringen.
Die emotional tümelnden Texte beschäftigen sich dabei häufig mit Kriegspathos und Familienidylle, aber man bedient sich zunehmend auch vorsätzlich aus dem "linken" Protestsong-Repertoire. Zu den bekanntesten Interpreten zählen Frank Rennicke, Annett Moeck und Michael Müller.
Neofolk
Diese "Neue Volksmusik" hat ihre Wurzeln in der Gothic- und DarkWave-Szene und entwickelte sich in der frühen achtziger Jahren. Sie bedient sich hauptsächlich akustischer Instrumente wie Gitarren, Flöten und Trommeln und ist zumeist eher ruhig und melancholisch. Die Texte beschäftigen sich vor allem mit Naturmystik, Heidentum oder einem romantisch verklärten Mittelalter. Allerdings werden auch Werke von DichterInnen wie Rainer Maria Rilke oder Novalis vertont. Konzerte werden geheimnisvoll inszeniert.
Das Ästhetische steht dabei im Mittelpunkt. Das Publikum gibt sich elitär und intellektuell. Die Szene gilt im Allgemeinen zwar als unpolitisch, jedoch ziehen die "nordischen" Happenings eben auch Neonazis an. So werden gerne germanische Symbole wie Runen verwendet. Die rechten Bands dieser Subkultur betonen vor allem die "natürliche Welt- und Völkerordnung" als politisches Ideal – "Ethnopluralismus" statt dem platten "Ausländer raus".
Skinheadrock / Oi
Der englische Ausruf "oi" bedeutet ursprünglich soviel wie "hey" oder "hallo du da". Teilweise wird er auch vom englischen "joy" (Freude, Spaß) abgeleitet. Oi ist eine schnörkellose und eingängige Richtung des Punkrocks und hat AnhängerInnen sowohl in der Skinhead- als auch in der Punkrockszene, die sich in erster Linie als unpolitisch verstehen. Die Werte der Skinheads wie Ehre, Stolz und Freundschaft sowie der Bezug zur Arbeiterklasse waren wie geschaffen als Anknüpfungspunkte für Neonazis, innerhalb der Szene als Naziskins oder Boneheads bezeichnet. Bands wie Störkraft, Böhse Onkelz, Noie Werte oder Volkstroi verknüpften Oi-Musik mit rechtem Gedankengut.
Black Metal
Black Metal ist die aggressivste Richtung des Heavy Metal mit Zentrum in den skandinavischen Ländern. Inhaltlich beschäftigt man sich mit antichristlichen und satanistischen Themen bis hin zum puren Hass auf die bestehende Ordnung und auch auf sich selbst.
Dies ist besonders auf die "Antilebenseinstellung" der AnhängerInnen zurückzuführen: Kein Leben sei wertvoll, nicht einmal das eigene. Ein Subgenre des Black Metal bildet der NS-Black Metal, der sich klar zu seiner neonazistischen Einstellung bekennt. Diese Minderheit propagiert nicht nur Hass, sondern lebt ihn auch. Gewalttaten bis hin zu Mord an "Lebensunwürdigen" wurden auch in Deutschland von Szeneangehörigen bereits begangen. Die hauptsächlich männlichen Anhänger dieser Szene verherrlichen das Dritte Reich als Inkarnation des "Anti-Christlichen".
Gabber
Entstanden ist diese Musikrichtung, ein sehr schneller und brachialer Techno, Ende der achtziger Jahre in Rotterdam im Umfeld der dortigen Fußballszene. Da insbesondere die Rotterdamer Hooligans immer schon enge Kontakte hatten zu faschistischen Parteien und zudem im ständigen Konflikt mit dem Amsterdamer Fußballclub Ajax standen, der in rechten Kreisen als "jüdischer Hippieverein" verschrieen ist, fand diese Musikrichtung bei Neonazis großen Anklang. Auch in Frankfurt und im Ruhrgebiet gibt es viele rechte Anhänger dieser Musik.
Rechtsextreme ZahlencodesDie Zahlen stehen für die Position des jeweiligen Buchstaben im Alphabet:
|
Skinhead–Konzerte mit rechtsextremistischem Hintergrund
Wie in anderen jungen Subkulturen dienen auch in der rechtsextremistischen Skinheadszene Konzerte dazu, den Zusammenhalt innerhalb der Szene zu stärken, Kontakte zu knüpfen und Informationen auszutauschen. Die Zahl der Konzerte und ihrer BesucherInnen in der BRD variierte in den letzten Jahren. So erreichte sie mit 128 Konzerten mit bis zu 500 Besuchern 1998 ihren Höchststand, sank aber um das Jahr 2000 wieder auf ca. 80. Das hing auch damit zusammen, dass im September 2000 die deutsche Division der "Blood & Honour"-Organisation verboten wurde. Diese Organisation stellt ein wichtiges internationales Skinheadnetzwerk dar und versucht durch rechtsextremistische Musik, deren Vertrieb und vor allem durch Konzerte Jugendliche zu rekrutieren. Ehemalige "Blood & Honour" - AktivistInnen versuchen wieder Fuß zu fassen, aber auch die "Jungen Nationaldemokraten", also die Jugendorganisation der NPD, organisieren Konzerte oder stellen Räumlichkeiten zur Verfügung, um in der Skinheadszene für ihre Partei zu werben. Die Zahl der Konzerte orientiert sich natürlich auch an der lokalen Szene und hat ihren Schwerpunkt in Ostdeutschland. Da auf diesen Konzerten häufig Straftaten begangen werden, versuchen Polizei und Verfassungsschutz solche Veranstaltungen zu unterbinden.
Dadurch wird für Konzerte innerhalb der Szene nur sehr selten per Flyer oder auf Internetseiten geworben, sondern im Allgemeinen durch Mundpropaganda, insbesondere durch SMS. Zudem wird selten über den genauen Veranstaltungsort informiert, sondern es werden lediglich Treffpunkte vereinbart, von wo aus die KonzertbesucherInnen dann zum eigentlichen Ort geleitet werden. Oftmals werden die Örtlichkeiten auch unter falscher Angabe des eigentlichen Hintergrundes angemietet, so werden z.B. Konzerte als "Geburtstagsfeiern" deklariert.
Kleidung
Kleider machen Leute! In keiner anderen Szene spielt die Kleidung und die damit verbundenen Marke eine derart wichtige Rolle wie bei der rechtsextremen Alltagskultur. Dabei gibt es rechtsextreme Marken und solche, deren Markenname sinnentfremdet wurde, wie z.B. Fred Perry oder Lonsdale.
| Link- und Literaturtipps zum weiterlesen!
www.stop-thorsteinar.de.vu - Information zur Kleidermarke Thor Steinar www.rz-home.de/~dneitzer - Homepage von Dr. Lutz Neitzert, der sich unter anderem auch sehr intensiv mit der Rechten Kultur auseinandersetzt. Dornbusch, Christian / Raabe, Jan (Hrsg.) RechtsRock. Bestandsaufnahme und Gegenstrategien (Münster 2002); Speit, Andreas, Ästhetische Mobilmachung: Dark Wave- und Neofolkszene (Münster, 2002) |
Lonsdale
Der Name Lonsdale geht auf den fünften Graf von Lonsdale zurück, der vor rund hundert Jahren als erster Präsident des "National Sporting Club of England" den ersten mit Boxhandschuhen stattfindenden Boxkampf organisierte. Seit 1960 ist dieser Name Markenzeichen einer Bekleidungsmarke, die sich zunächst vor allem in der Boxsportszene etablierte. Zudem soll Lonsdale der Name eines legendären Boxvereins sein, dem damals viele Skinheads angehörten. Populär ist die Marke in der rechten Szene, da bei T-Shirts und Pullovern, getragen in der Kombination mit halb geöffneten (Bomber-)Jacken, nur die Buchstaben NSDA zu lesen sind. Mit der Kampagne "Lonsdale loves all colours" versucht das Unternehmen ein Zeichen gegen ihre rechte Kundschaft zu setzen.
Consdaple
Consdaple, engl. "Schutzmann", ist eine Kleidungsmarke der rechten Szene und wird über rechte Versandstellen vertrieben. Ihr Schriftzug orientiert sich an dem von Lonsdale, nur dass sich aus diesem absichtlich NSDAP herauslesen lässt. Zudem wird das Logo teilweise noch mit einem Adler versehen, der dem Adler aus dem Nationalsozialismus ähnelt.
Thor Steinar
Thor Steinar ist eine junge Bekleidungsmarke, die "anspruchsvolle" Freizeitkleidung herstellt und klar der rechten Szene zugeordnet werden kann. Ursprünglich bestand ihr Logo aus zwei Runen; der Tyr-Rune (Todesrune) und der Gibor-Rune (Wolfsangel). Erstere bezieht sich auf den nordischen Kriegsgott Tyr und wurde im 3. Reich als Abzeichen getragen. Ende 2004 wurde jedoch dieses Logo durch einen Gerichtsbeschluss verboten. Mittlerweile hat das Unternehmen sein Logo verändert.
Fred Perry
Fred Perry wurde 1909 in der Nähe von Manchester als Arbeiterkind geboren. Im Alter von 20 Jahren war er Tischtennisweltmeister, außerdem hat er als einziger englischer Tennisspieler Wimbledon drei Mal hintereinander gewonnen. Entgegen der Tradition wurde ihm dafür kein englischer Adelstitel verliehen. Dadurch avancierte er zu einer Kultfigur in der englischen Arbeiter- und Skinheadszene. Da es Perry missfiel, dass Wimbledonspieler üblicherweise in grünen Armeeshirts auf dem Rasen standen, ließ er eigens für sie weiße Polohemden anfertigen. Diese Hemden besaßen keinerlei Logo, so dass die beschenkten Spieler ihre Hemden als Dank an Perry und ihm zur Erinnerung mit einem Lorbeerkranz versahen, der bis heute das Firmenemblem ist.
Durch die Skinheadszene etablierte sich diese Marke auch in rechten Kreisen. Der Lorbeerkranz steht symbolisch für "Sieg", Rechte versehen ihn mitunter auch noch mit einer 88. (Achter Buchstabe des Alphabets: HH = Heil Hitler)
Dobermann Streetwar/Pitbull/Troublemaker
Diese drei Marken sind sowohl in der Hooliganals auch in der Neonaziszene verbreitet. Die Markennamen bringen bewusst Aggressivität zum Ausdruck.
Doc Martens
Ursprünglich wurden Doc Martens als Gesundheitsschuhe entwickelt. Später wurden sie von den Hafenarbeitern in den Londoner Docks getragen und gelangten so in die Skinheadszene. Sie sind besonders wegen ihrer harten Stahlkappe beliebt und gefürchtet. Mittlerweile greifen Neonazis jedoch immer häufiger auf Ranger Boots zurück, deren Sohle wesentlich härter ist und die sich durch eine abgenähte Stahlkappe auszeichnen.
New Balance
Die Lauf- und Sportschuhe von New Balance finden in der rechten Szene immer mehr AnhängerInnen. Ihr Emblem „N“ wird von ihnen neonazistisch "interpretiert". Zudem ermöglichen sie ein szenekompatibles, aber trotzdem ziviles und seriöses Auftreten.
Das ist eins von 7 Kapiteln aus der Rechtsextremismusbroschüre der GRÜNEN JUGEND.