Rechtsextreme Szene

21.07.2005: Rechtsextreme Vereinigungen und Verbände, Burschenschaften, Jugendarbeit und soziales Engagement in der rechten Szene und die Skinhead Szene, Kapitel 3 aus der Rechtsextremismusbroschüre

Zum Ende des Jahres 2004 waren in Deutschland 168 rechtsextremistische Organisationen und Personenzusammenschlüsse bekannt. Der Verfassungsschutz zählte über 40.700 Mitglieder, wovon 10.000 der gewaltbereiten Szene angehören. Die Zahl der Neonazis ist in der Bundesrepublik in 2004 um erschreckende 25 Prozent auf 3.800 (2003: 3000) angestiegen. Ebenfalls sind rechtsextremistische Gewalttaten mit 12.553 (2003: 11.576) um 2,2 Prozent und rechtsextreme Straf taten mit 12.051 (2003: 10.792) um 11,7 Prozent deutlich angestiegen. In den letzten Jahren kam es immer häufiger zu Verboten von rechtsextremen Vereinigungen, die in großer Zahl neben den Parteien existieren. Ihre Ziele laufen eigentlich immer auf das Unwort des Jahres 2000 hinaus: die Bildung „National befreiter Zonen", die als „No-Go-Areas" bezeichnet werden können, weil es gefährlich ist, diese als nicht rechtsextremer Mensch zu betreten.

Die Organisationen

Die „Wiking-Jugend"(WJ)

... war eine neonazistische Jugendorganisation, die 1950 durch Zusammenschluss verschiedener rechtsextremer Jugendgruppen gegründet wurde. Die WJ erzog „Pimpfe" und „Jungmädel" geistig und körperlich im Sinne der Hitler-Jugend. Die Organisation war streng mit 400 bis 500 Mitgliedern bei ihrem Verbot 1994 die stärkste neonazistische Jugendorganisation.

Die „Skinheads Sächsische Schweiz“ (SSS)

...gehören zu den bekanntesten rechtsextremen Vereinigungen. Sie wurde 1997 aus der Wiking-Jugend und NPD-FunktionärInnen gegründet. Als sie 2001 ebenso wie ihre Nachfolgeorganisation, der „Nationale Widerstand Pirna" (NWP), verboten wurde, zählte sie über 100 Mitglieder. Doch trotz der Verbote sind die Neonazis weiterhin aktiv.

„Blood and Honour" (deutsch: Blut und Ehre)

...ist ein Netzwerk von neonazisitischen Skinheads. Ihr Name hat eindeutigen NS-Bezug, da die Worte "Blut und Ehre" auf den Fahrtenmessern der Hitlerjugend eingraviert waren. Symbol von "Blood and Honour" ist die Triskele, eine Art dreiarmiges Hakenkreuz, das auch vom Ku-Klux-Klan benutzt wird. "Blood and Honour", ist vor allem in England und Skandinavien aktiv, hat aber auch in Deutschland AnhängerInnen. Im September 2000 wurde die deutsche Division verboten worden, ist aber unter dem neuem Namen "Division 28" weiterhin aktiv.

Die „Kameradschaft Süd – Aktionsbündnis Süddeutschland” (AS)

...sorgte vor allem durch Berichte im September 2003 für Angst vor braunem Terror. Damals plante die 25 – 50 Mitglieder große Neonazigruppe ein Sprengstoffattentat auf die Grundsteinlegung des jüdischen Kulturzentrums in München. 2005 wurde ihr Anführer, Martin Wiese, unter anderem wegen Rädelsführerschaft in einer terroristischen Vereinigung, zu sieben Jahren Haft verurteilt. Die drei Mitangeklagten erhielten jeweils mehrjährige Haftstrafen.

Anti-Antifa

Seit Mitte der achtziger Jahre versucht die rechtsextreme Szene eine “Anti-Antifa-Arbeit” zu organisieren. Ziel ist es, die persönlichen Daten von BürgerInnen, JournalistInnen, StaatsanwältInnen, WissenschaftlerInnn, LehrerInnen und PolitikerInnen, die sich aktiv gegen den Rechtsextremismus wenden, zu sammeln. Die Informationen werden in "Schwarzen Listen" in der Szene veröffentlicht. Anti-Antifa-AktivistInnen rekrutieren sich aus dem gewaltbereiten, ideologisch gefestigten Personenkreis des aktionsorientierten Rechtsextremismus. Seit Anfang 2002 zeigen sich neue Aktivitäten im Anti-Antifa-Bereich. Die erstmals Mitte 2002 in Erscheinung getretenen "Autonomen Nationalisten Berlin" (ANB) beziehen sich ausdrücklich auf die Anti-Antifa-Programmatik.

Alle diese Organisationen und Verbände haben eines gemeinsam: Enge Verbindungen zur NPD.

Rechtsextreme Symbole

strafbar nach §§ 86a, 86Abs. 1 Nr. 1, 2 und 4 Strafgesetzbuch - StGB –

  1. Hakenkreuz und Swastika–Kreuz – auch leicht verändert verboten
  2. Sigrune - (germanisches "S") Zeichen des Deutschen Jungvolkes (doppelte Sigrune war Zeichen der Waffen-SS)
  3. Wolfsangel - Zeichen für Wehrhaftigkeit, auch Zeichen der verbotenen Jungen Front
  4. Reichskriegsflagge mit Hakenkreuz
  5. Lodernde Flamme - Symbol von "Nationalen Sammlung" (NS), "NS" doppelt umrahmt

In § 86a Abs. 2 StGB, 2. Satz heißt es: "Den in Satz 1 genannten Kennzeichen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind.".

Burschenschaften

Die Bretter, an denen für sie geworben wird, hängen in allen Hochschulen. Manchmal treffen wir sie auch in Kneipen, mit Hütchen und Bändchen am Leib. Die Sprache ist von DANUBIA, FRANKONIA, TEUTONIA oder GERMANIA. Der Dachverband, dem die meisten Burschenschaften angehören, nennt sich „Deutsche Burschenschaft". Alle haben sie eines gemeinsam: Sie halten sich für eine Elite und zeichnen sich durch ihre extreme Frauen- , Homosexuellen-, und Fremdenfeindlichkeit aus. So hatten die Burschenschaften auch ihre feste Rolle während der Nazidiktatur, da sich ihr Elitedenken gut mit dem damaligen „arischen Prinzip" vereinbaren ließ. Nach der Naziherrschaft wurden die Burschenschaften von den Alliierten verboten und ihre Häuser beschlagnahmt. Zu eng waren damals die Verbindungen zur Naziszene. Über Altherrenbünde (ehemalige Burschenschaftler), kamen sie dann wieder zurück in die Hochschulen und somit die Gesellschaft.

Ihre extreme rechte Ausrichtung wird vor allem an einer Unterschriftenaktion der Burschenschaft GERMANIA Halle/Mainz deutlich, die bis 1977 für die Freilassung von Hitlerstellvertreter Rudolf Heß Unterschriften sammelte, oder beim Dachverband der Deutschen Burschenschaften in Österreich, der Heß ernsthaft für den Friedensnobelpreis vorschlug.

Die Burschenschaft Germania Hamburg

...schreibt auf ihrer Website zu den Voraussetzungen, um aufgenommen zu werden: "Die einzigen Voraussetzungen sind, daß Du deutscher männlicher Student bist und keinen Zivildienst geleistet hast. Warum? Es wäre unaufrichtig, wenn Du einen scharfen Mensurschläger in die Hand nämest, den Dienst an der Waffe aber verweigert hast." Mit folgendem Slogan wird bei GERMANIA gerne für Mitglieder geworden: "Bist Du hässlich oder fremd im Lande, bist Du von linksliberaler Gesinnung gepeinigt, hast Du den Wehrdienst verweigert oder eine Freundin, die weder schön noch still ist (...) dann bleib lieber zu Hause".

Jugendarbeit und soziales Engagement in der rechten Szene - Der Wolf im Schafspelz

Die rechtsextreme Szene versucht immer wieder, ihre hässliche Fratze zu verbergen, indem sie mit sozialem Engagement und Jugendarbeit zu glänzen versucht. Die Nazis gehen konkret auf Jugendliche zu. Vor allem über das Medium „Musik“ versuchen sie, junge Menschen für ihre Ideologie zu begeistern. Über die Texte erreichen diese auf dem einfachsten Weg die Köpfe der Jugendlichen und verbreiten so ihren Hass auf alle, die nicht in ihrem engen Weltbild Platz finden.

Ein Musterbeispiel dafür war die Aktion Schulhof, bei der eine Gratis-CD mit dem Titel "Anpassung ist Feigheit - Lieder aus dem Untergrund" verteilt wurde. Diese enthält 20 Lieder rechtsgerichteter Bands. Das Intro spricht Probleme in unserer Gesellschaft an – darunter Umweltzerstörung, Globalisierung und Jugendarbeitslosigkeit. Damit wird versucht, die HörerInnen zu überzeugen, dass eine Politik jenseits der Parteiendemokratie nötig ist. Unterlegt ist das gesamte Intro mit ruhiger, eingängiger Orchestermusik. Es fallen Formulierungen wie:

  • 1. "Es ist schön, dass Ihr euch Zeit nehmt, um diese CD anzuhören"
  • 2. "Ihr müsst nichts bezahlen, und Ihr geht keinerlei Verpflichtungen ein"

Die Schulhof-CD wurde im August 2004 verboten. Beim zweiten Versuch hatten sie jedoch mehr Erfolg. Mit der CD „NPD-Sachsen - Wahltag ist Zahltag“ und brachten sie im Landtagswahlkampf 25.000 Stück in Umlauf. Für die Bundestagswahl 2005 plant die NPD, die „Aktion Schulhof“ zu wiederholen, um mit Musik-CDs erneut Hass auf Schulhöfen zu säen. Ein weiteres Beispiel ist die rechtsextreme SchülerInnenzeitung „Der Rebell", mit der gezielt SchülerInnen angesprochen werden sollen. Weiter bietet die NPD Hausaufgabenhilfe an, veranstaltet Kinderfeste mit Bratwurst und Cola, organisiert Nachbarschaftshilfe, indem sie älteren Menschen bzw. allein stehenden Müttern hilft, außerdem engagiert sie sich in der Jugendarbeit. In der Regel bemühen sie sich um Jugendclubs und die Leitung. Räume haben sie doch meistens nicht. Zu finden sind NPD-Kader auch als Fußballtrainer für Kinder und Jugendsportgruppen oder als Leiter für die dörfliche Jugendfeuerwehr. Die Propaganda gibt es selbstverständlich kostenlos dazu.

Link- und Literaturtipps zum weiterlesen!

www.im.nrw.de/sch/doks/vs/Schulhofaktion.pdf
Mehr Informationen zur „Aktion Schulhof“ im Buch: JUSOS Bayern (Hrsg.), "Für Freiheit, Ehre, Vaterland – Burschenschaften und Verbindungen in Geschichte und Gegenwart"

Das „Bündnis für Demokratie und Toleranz“ sammelt vorbildliche zivilgesellschaftliche Aktivitäten, die sich gegen Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung und Ausgrenzung einsetzen. Außerdem vergibt es jährlich mit bis zu 5000 Euro dotierte Preise. Der Wettbewerb will dazu beitragen, dass gelungene Konzepte "Schule machen". Auf der Internetseite des Bündnisses finden sich mehr als 400 „vorbildliche Projekte“. Ausgezeichnet wurde beispielsweise „Jumawa“: Die Jugendlichen aus Sebnitz schafften es, der in Sebnitz sehr aktiven Naziszene eine Alternativkultur entgegenzusetzen. Auch die Initiative "Zusammen gegen Rechts im Internet" ergatterte Preise.

www.buendnistoleranz.de

Skinhead Szene

Die Skinhead-Bewegung entstand Ende der sechziger Jahre in Großbritannien als eine Antwort der Jugend der unteren Schichten auf die großen sozialen Probleme des Vereinigten Königreichs zur damaligen Zeit. Diese Jugendbewegung war völlig unpolitisch und auch keineswegs rassistisch eingestellt. Ihr ursprünglicher Musikstil war der Ska, der auch von jamaikanischen Einwanderern interpretiert wurde - ein Zeichen für die Toleranz dieser Skinheads. Anfang der 70er Jahre startete die britische National Front (NF) eine Kampagne, die gezielt gegen MigrantInnen (zu dieser Zeit damals vor allem aus Pakistan) gerichtet war, die angeblich eine Bedrohung für die englische Unterschicht darstellten. Diese politische Beeinflussung wurde auch durch die Musik NF-naher Bands weiter vorangetrieben. Die englische Skinhead-Bewegung schwappte Ende der siebziger Jahre auch nach Deutschland über. Neben den Nazi-Skins und den rassistischen White-Power- und Hammer-Skins gibt es auch andere Gruppierungen. Oi!-Skins sind völlig unpolitische Skins, die jedoch rechte Gruppierungen wie Boneskins oder White-Power-Skins nicht als Teil der Skinhead-Bewegung ansehen. SHARP (Skinheads Against Racial Prejudice)-Skins sind eine antifaschistische Gruppierung, die für Toleranz und Gleichberechtigung kämpft und keineswegs aufgrund ihrer Kleidung oder ihres Auftretens mit rechten Skin-Gruppierungen verwechselt werden will.

Roddy Moreno, der Sänger der Band 'The Oppressed', soll gesagt haben: "Kein Skin kann Rassist sein, weil er sonst seine schwarzen Wurzeln verleugnet." Am linken Rand gibt es auch sogenannte Redskins, die zumeist anarchistisch, kommunistisch oder anarcho-syndikalistisch eingestellt sind, und oft auch Mitglieder politisch linker Parteien sind.

Die Kampagne Good Night White Pride...versucht die Unterwanderung der Hardcore - Szene durch Neonazis zu verhindern, indem sie über die Inhalte der Hardcore Bewegung aufklärt und zur weiteren Vernetzung der Szene beiträgt.


Das ist eins von 7 Kapiteln aus der Rechtsextremismusbroschüre der GRÜNEN JUGEND.