Sprengt den Wissenskäfig!
23.05.2008: Am Abend wird der Bundeskongress in Bonn feierlich eröffnet. Zur Einstimmung fand am Nachmittag eine Aktion gegen Biopiraterie vor dem Veranstaltungshotel der COP 9 statt.
Organisiert wurde die Aktion von der BUKO-Kampagne gegen Biopiraterie, der Attac AG Wissensallmende Münster und vom Netzwerk Freies Wissen. Im Mittelpunkt standen zwei finstere Biopiraten, die es auf eine große von Rezepturen absehen hatten: auf kleinen Zettelchen wurde zum Beispiel erklärt, wie Johanneskraut gegen nervöse Unruhe und Schlafbeschwerden wirkt oder wie Knoblauch gegen Blutjochdruck eingesetzt werden kann.
Diese Rezepte wurden von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern an uns geschickt - sie stehen beispielhaft für traditionelles Wissen und die freie Verarbeitung einheimischer Ressourcen. In vielen Dritte-Welt-Ländern wurden solche Daten immer wieder von westlichen Pharma- und Lebensmittelunternehmen für Patentanmeldungen missbraucht. Das Wissen von indigenen Naturvölkern wurde förmlich gekapert und in Besitz genommen; plötzlich wurden hohe Preise für die Nutzung spezifischer Rezepturen fällig. An dem, was vorher frei verfügbar war, bereicherte sich fortan eine kleine Elite von Industriestaatlern. Die Aktion "Keine Patente auf Leben" richtet sich ganz klar gegen diese verabscheuungswürdige Praxis.
Kahrin Henneberger, Beisitzerin im Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND, erklärt dazu: "BäuerInnen dürfen ihr natürliches Recht, Pflanzensamen untereinander frei zu tauschen und Nachbau zu betreiben nicht einbüßen. Denn dieses Recht ist elementar, um die Anpassungsfähigkeit und Vielfalt von Kulturpflanzen auch in Zukunft zu sichern. Schon seit den Anfängen der menschlichen Zivilisation wird Saatgut von BäuerInnen untereinander getauscht, wodurch eine Vielfalt an Sorten entstanden ist. Jede dieser Sorten ist für ganz bestimmte Bedingungen geeignet. Mit Hilfe des Patentrechts erlangen die Konzerne mehr und mehr Kontrolle über das Saatgut, was zu einem dramatischen Rückgang der Sortenvielfalt führt."
Erstaunt reagierten PassantInnen und Sicherheitskräfte auf den Wissenskäfig, ein Drahtgestell, das die Isolierung und Gefangennahme von tradierten Rezepten durch skrupellose Konzerne symbolisieren soll: darin fanden sich entsprechend Copyright- und Paragraphenzeichen oder Notenschlüssel in verschiedenen Farben. Ebenso machte ein drei Meter langes Patentmonster als Sinnbild solcher Biopiraten starken Eindruck auf seine BetrachterInnen.


