Jahresrückblick 2003

27.12.2003: Für die GRÜNE JUGEND war das Jahr 2003 ein Jahr, in dem sich einiges verändert hat - politisch und strukturell. Mit dem Irak-Krieg fand das Jahr einen unangenehmen Anfang. Doch es gab auch schöne Ereignisse: Wir starteten eine neue bundesweite Kampagne und erreichten BesucherInnenrekorde bei den Kongressen.

Im vergangenen Jahr hat die Welt viel gesehen und erlebt. Wir wollen euch nochmals eine kleine Erinnerung mit auf den Weg geben, wie das Jahr mit der und für die GRÜNE JUGEND war. Bunt - vielseitig - aufregend. Viel Spaß beim Lesen!

Eure Webredaktion.

Januar 2003 - ein Krieg steht bevor

Bereits im vorangegangenen Jahr 2002 war klar, dass ein Irak-Krieg für die US-Regierung selbstverständlich zu sein schien. Alles natürlich unter dem Deckmantel der sogenannten "Terrorbekämpfung". Sehr schnell bekundeten führende PolitikerInnen weltweit ihre Zweifel und ihren Unmut gegenüber eines solchen, wahrlich tollkühnen Vorhabens. Im UN Sicherheitsrat begannen heiße Debatten. Eine "Koalition der Willigen" versuchte ihre Interessen gegenüber den Kriegsgegnern Frankreich, Russland und auch Deutschland durchzusetzen. Das Veto-Recht der ständigen Mitglieder war der "Koalition" aus USA und England ein Dorn im Auge. Doch waren sie im Zweifel auch bereit, diesen Krieg ohne eine Zustimmung des Sicherheitsrates zu beginnen. Das Gewaltmonopol der UNO stand auf dem Spiel. Im Januar war es dann fast schon sicher, dass die US-Regierung auf die Entscheidung im UN-Sicherheitsrat keinen Wert legen würde. Es formierten sich diverse NGOs und Kampagnen. So riefen auch wir dazu auf, sich an der angekündigten zentralen Demonstration am 15. Februar sowie an der Sitzblockade vor der US Airbase in Frankfurt am Main, organisiert von "resist", zu beteiligen.

Ein weiteres Thema, das sich im laufe des Jahres noch zu einem "heißen Eisen" entwickeln sollte, war für uns schon im Januar die umstrittene Privatkopie. Wir wollten uns vor allem dafür einsetzen, dass PrivatkopiererInnen nicht kriminalisiert werden sollten.

Infos zum Januar:

Februar 2003 - eine neue Friedensbewegung formiert sich - weltweit!

Eingeleitet wurde der Februar für die GRÜNE JUGEND mit dem ersten Bundesausschuss des Jahres 2003 in Hannover. Hier planten wir die Jahreskampagne projectlifestyle zusammen mit den Delegierten aus allen Bundesländern und Fachforen und besprachen ein Zukunftspapier, das sich mit Struktur und Professionalisierung der GRÜNEN JUGEND befasste.

Wie schon erwähnt mobilisierte auch die GRÜNE JUGEND für die Demonstration am 15. Februar in Berlin. Weltweit gingen an diesem Tag etwa elf Millionen gegen den von George W. Bush angezettelten Krieg gegen den Irak auf die Straße. Es war die größte Friedensdemonstration in der Geschichte der Bundesrepublik. Der Protest war ungeheuer bunt und kreativ. Wir haben auch eine kleine Bildergalerie erstellt.

Zudem gab es im Februar in Nordrhein-Westfalen Vorstöße, komplette Internetseiten aufgrund ihrer Inhalte sperren zu lassen. Die GRÜNE JUGEND ist entschieden gegen Zensur und setzt statt dessen auf die Entwicklung von mehr Medienkompetenz und Selbstkontrolle. "Eltern muss die Möglichkeit nutzerInnenseitiger Filtersysteme näher gebracht werden An den Schulen muss durch die Lehrinhalte deutlich werden, dass es wichtig ist, Internet-Angebote genauso kritisch zu betrachten wie jede Zeitung," forderten wir.

Infos zum Februar:

März 2003 - In Münster wird ein Rekord gebrochen

Am 8. März begann der 20. Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND mit dem Titel "projectlifestyle - selbst_bewusst_leben" in Münster. Wir starteten mit 250 TeilnehmerInnen, was ein Rekord bedeutete. Der Kongress der stand diesmal unter dem Blickwinkel der VerbraucherInnen. In verschiedenen Workshops sind am Samstag in Münster ca. 200 Jugendliche den Möglichkeiten auf den Grund gegangen, wie mensch schon im Alltag Einfluss auf Politik und Wirtschaft nehmen zu kann. In den 5 Workshops diskutierten die Mitglieder der GRÜNEN JUGEND mit Katja Husen (Bundesvorstand Bündnis 90/ Die Grünen), Andreas Bogk (Vorstand Chaos Computer Club)und VertreterInnen von Attac über einem verantwortungsvollen Lebensstil. Auf der Mitgliederversammlung am Sonntag wurde ein neuer Bundesvorstand gewählt: Als Sprecherin wurde Ines Eichmüller die Nachfolgerin von Tina Gerts. Sprecher wurde wieder Benjamin von der Ahe. Als bisher komissarischer Schatzmeister bestätigt wurde Stephan Schilling. Politische Geschäftsführerin erneut Katrin Schmidberger. Als BeisitzerInnen kamen Ska Keller, Anne Spiegel, Hauke Diederich und Bene Lux in den Buvo.

"resist" machte mit der geplanten Sitzblockade vor der Frankfurter Rhein-Main-Airbase des US-Militärs ernst. Die GRÜNE JUGEND begrüßte den Ungehorsam ab dem 15. März. Auch Mitglieder der GRÜNEN JUGEND haben sich an den Aktionen vor Ort beteiligt. Das von Polizei und Ordnungsamt verhängte Verbot von Demonstration und Sitzblockade hinderte sie nicht daran, auch wenn es hinterher Ordnugsstrafen und Anzeigen teilweise leider nur so hagelte.

Infos zum März:

April 2003 - Privatkopie bald kriminell?

Was heute Gewissheit ist, machte der GRÜNEN JUGEND damals schon Sorgen. Bei der Reform des UrheberInnenrechtes waren die PolitikerInnen gerade dabei, ein weiteres Gesetz zu beschließen, was an der Realität vorbei ging. Statt auch die Interessen von VerbraucherInnen und KünstlerInnen/Kreativen zu vertreten, wurden fast ausschließlich und einseitig Wirtschaftsinteressen berücksichtigt. Doch ein rücksichtsloser maximaler Schutz der Interessen der Verwertungsindustrie schadet dem Wissensstandort Deutschland immens. Bei der Regelung der Privatkopie muss man sich fragen, ob eine bislang legale und weitverbreitete Praxis zukünftig kriminalisiert werden kann. Mit dieser Sorge standen wir nicht alleine da, auch andere NGOs setzten sich für die Privatkopie ein.

Die Vereinten Nationen veranstalteten eine Konferenz in Wien, auf der über die internationale Drogenpolitik diskutiert wurde. Die Konferenz wollte u.a. Halbzeitbilanz ziehen, in wieweit das Ziel "alle Mohn-, Koka- und Cannabispflanzen bis 2008 auszurotten oder deren Anbau deutlich zu reduzieren" umgesetzt wurde. Die GRÜNE JUGEND, die klar auf eine liberale Drogenpolitik setzt, ohne Kriminalisierung und Dämonisierung der KonsumentInnen, sprach sich dafür aus, dass Deutschland sich an die Seite der Staaten stellen solle, die mit einer effektiven Drogenprävention, geringen Drogentoten und humanen Betäubungsmittelgesetzen mehr Gerechtigkeit erreicht hätten.

Infos zum April:

Mai 2003 - Ein Zug fährt nach Evian

Der zweite Bundesausschuss des Jahres beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit der Agenda 2010, die im Mai schon längst in aller Munde war. Hierzu hatten wir Sybill Klotz aus der Berliner Senatsfraktion eingeladen, deren Schwerpunkt-Thema eben gerade soziale Fragen sind. Dort verabschiedeten wir auch einen Beschluss zur Agenda 2010.

Am 16. Mai 1993 schlossen sich BÜNDNIS 90 und DIE GRÜNEN zu einer Partei zusammen. Auch wir gratulierten zum Zehnjährigen und zum Erfolg, den die Partei in diesen zehn Jahren, sowohl als Oppositionspartei, als auch an der Regierung hatte verbuchen können.

Millionen gingen am ersten Samstag im Mai zum jährlich stattfindenden Million Marihuana March. Schon das vorangegangene Jahr gingen in über 200 Städten Menschen auf die Straße. Von Adelaide bis Zagreb fordern Menschen die Legalisierung von Cannabis.

Protestzug von Attac fuhr Ende Mai von Berlin nach Evian. Auch viele GRÜNE JUGEND-Mitglieder waren dabei. Lange hatten haben wir darum gebangt: Wird es den Protestzug geben können? Es sind genug Menschen dafür in die Presche gesprungen, haben gespendet, symbolische Tickets gekauft und die Kunde verbreitet. Auch die GRÜNE JUGEND hat stark für den Zug mobilisiert. Somit konnte er in Berlin Zoologischer Garten losfahren. Die Vorhut von etwa 1.000 Menschen, die von diesem Zug transportiert wurde, half beim Aufbau des "Intergalactic Village", das "Gipfel-HopperInnen" beherbergte.

Schon Tage vorher legten sich AktivistInnen aus ganz Europa ins Zeug: Radiosendungen, Gegengipfel, Demonstrationen und Kundgebungen waren vorbereitet. Der Gipfel selbst begann erst am Sonntag, den 1. Juni. Die Proteste stellten auf der Agenda der GlobalisierungskritikerInnen, UmweltschützerInnen und FriedensaktivistInnen einen wichtigen Meilenstein dar. Auch die GRÜNE JUGEND mobilisierte und war dabei.

Im Mai waren wirklich viele viele Ereignisse, wie zum Beispiel die Grüne Urabstimmung über die Trennung von Amt und Mandat, eine Debatte über Softwarepatente, der Girls Day und vieles mehr, die hier kaum Platz fänden. In der Artikelsammlung zu diesem Monat findet ihr allerdings Texte zu allen Themen, die euch interessieren:

Infos über den Mai:

Juni 2003 - Kampagnenstart beim Karneval der Kulturen

Im Juni war es endlich soweit: Nach langer Planung startete die neue Kampagne der GRÜNEN JUGEND. Da es nicht einfach irgendeine Kampagne ist, konnte der Verband sie auch nicht einfach irgendwie starten! Es ist eine Kampagne, die sich an alle und jeden richtet. Mit der jeder Mensch etwas anfangen kann, denn es geht um unser Leben. Welche Auswirkungen hat unser Leben auf andere? Wie vereine ich Nachhaltigkeit mit einem eigenen und fröhlichen Lebensstil? Wie beeinflusst die Weltpolitik mein Leben und habe ich es eigentlich noch selber in der Hand?

Alle diese Fragen sind Bestandteil von projectlifestyle. Und da es sowohl um Lebensfreude geht - deswegen übrigens auch die lebensfrohe Farbe orange als "Kampagnenfarbe" - als auch um eine politische Aussagekraft, war sofort klar, dass der Karneval der Kulturen in Berlin perfekt für den Auftakt geeignet wäre!

Eine Karotte mit Fischkopf als Zeichen gegen Gen-veränderte Lebensmittel. Zwei große orangene X als Zeichen für einen vernetzten globalen Widerstand gegen Konsumterror und Einheitsbrei, eine Erde, geteilt in zwei Hälften, die symbolisch zusammengebracht wurden. Und natürlich - nicht zu vergessen - viele bunte Menschen, die durch die lebensfrohe und -bejahende Farbe orange dem Karnevalszug den richtigen "Pepp" verliehen.

Von morgens um elf bis abends um fünf hielten die 50 wackeren Menschen in der prallen Sonne durch. Die GRÜNE JUGEND möchte deswegen allen nochmals einen besonderen Dank aussprechen, die extra aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Bayern... angereist sind! Sogar die Bundestagsabgeordneten Anna Lührmann und Hans-Christian Ströbele leisteten uns Gesellschaft!

In unserer Bildergalerie sind die schönsten Fotos vom Karneval der Kulturen - auch als eine Erinnerung an einen besonderen Tag.

Zusammen mit Hiltrud Breyer stellten wir im Juni außerdem unmissverständlich klar, dass der EURATOM-Vertrag in der neuen EU-Verfassung nichts zu suchen hat.

In einer gemeinsamen Erklärung zusammen mit dem Deutschen Bundesjugendring, der Zentralstelle KDV und den JuSos wurde die Forderung nach einer Abschaffung der Wehrpflicht bekräftigt. In seiner Erklärung, "Ende der Wehrpflicht - jetzt", fordert der DBJR von den Abgeordneten des Deutschen Bundestages und von der Bundesregierung Mut zu Reformen. Die GRÜNE JUGEND hat diese Erklärung mitunterzeichnet. Es ist seit Jahren das erklärte Ziel der GRÜNEN JUGEND, jegliche Zwangsdienste abzuschaffen und statt dessen die Förderung freiwilliger Jahre und freiwilligen Engagements stärker zu fördern.

Im Juni feierte übrigens das Design des Online-Auftritts der GRÜNEN JUGEND einjährigen Geburtstag. Und außerdem begann noch eine andere Kampagne der GRÜNEN JUGEND: Die PatInnen-Kampagne.

Den Abschluss des Junis bildete der erste gemeinsame Kongress von attac, Greenpeace, dem BUND, der Heinrich Böll Stiftung und dem Wuppertal Institut, der Kongress "McPlanet.com" in der Berliner TU. Auch die GRÜNE JUGEND war dabei, mit eigenem Workshop zum "Kuhhandel" mit unserer Nahrung und der WTO und auch mit einem eigenen Stand. Dazu gibt es im Online-SPUNK ausführliche Berichte.

Weitere Infos zum Juni:

Juli 2003 - Berlusconis Ära als Ratspräsident beginnt

Kurz vor der politischen Sommerpause kam für viele Menschen nochmal ein "Knaller": Ausgerechnet Silvio Berlusconi, Italienischer Ministerpräsident, übernahm die Ratspräsidentschaft des europäischen Rates.

"Das Rechtssystem, das sich Berlusconi in Italien selbst erschaffen hat, die Macht über sämtliche Massenmedien und die Demontage unabhängiger Gerichte sind ein fundamentaler Angriff auf Demokratie und Rechtsstaat", so Benjamin von der Ahe, Sprecher der GRÜNEN JUGEND. - Zitat aus der Pressemitteilung der GRÜNEN JUGEND. Seither hat Berlusconi einen SPD-Abgeordneten beleidigt und ist jüngst weiter darum bemüht, sein Medienimperium und seine Sonderrechte - insbesondere seine Immunität - weiter auszureizen.

Ein nationaler Angriff auf die Grundrechte und den Rechtsstaat ist der Lauschangriff, den einige Landtags- und Bundestagsabgeordnete im Juli weiterzuplanen versuchten. Videotechnik und Privatpersonen als Spitzel - wie in den negativsten Orwell-Visionen und ähnlich wie zu Stasi-Zeiten - wurden plötzlich als Maßname zur Vebrechensbekämpfung diskutiert. Deutschland ist dabei übrigens schon jetzt das Land mit der meisten Telefonüberwachung weltweit.

Infos zum Juli:

August 2003 - Bedrohung für Menschheitserbe? Keine Hüfte für die Oma? Sommerlochpropaganda in Hülle und Fülle

Wie jedes Jahr fanden auch diesen Sommer in vielen europäischen Städten Christopher Street Days statt. Dabei setzen sich LesBiSchwule Menschen für Akzeptanz und Gleichberechtigung von Homosexuellen ein. Ganz anders will es der Vatikan, der Anfang August mit einem Hardcore-Papier Homosexuelle als Bedrohung für das gemeinsame Erbe der Menschheit titulierte und zum Mitleid für diese Menschen aufrief. Die GRÜNE JUGEND rief dazu auf, gegen diese menschenverachtende Propaganda zu rebellieren - Katrin Schmidberger trat aus Protest gar aus der katholischen Kirche aus. Innerhalb der GRÜNEN JUGEND begann eine Kontroverse über die Schärfe des Angriffs des Bundesvorstands auf den Vatikan - doch einig waren sich alle in einem Punkt: So nicht - Herr Ratzmann.

Eine weitere harte Sommerloch-Meldung kam ebenfalls aus konservativen Löchern: JU-Vorsitzender Philipp Mißfelder forderte, Hüftgelenke ab einem bestimmten Alter nicht mehr von den Krankenkassen bezahlen zu lassen. Die GRÜNE JUGEND dazu: "Die Folgeprobleme des demographischen Wandels können nicht über einen Kampf der Generationen gelöst werden. Wer wie Mißfelder soziale Gerechtigkeit gegen Generationengerechtigkeit ausspielt, handelt nicht im Interesse der jungen Generation." Statt dessen sei es sinnvoll, endlich ernsthaft über die Einführung einer BürgerInnenversicherung zu diskutieren.

Anfang August fand das alljährliche Sommercamp der GRÜNEN JUGEND statt. Diesmal an einem neuen Ort: im hessischen Witzenhausen. Dort, auf der alternativen Jugendburg Ludwigstein kamen etwa 30 junge Menschen zusammen und bei Rekordtemperaturen eine entspannte Woche mit politischem Programm zu erleben.

Weitere Infos über den August:

September 2003 - WTO-Minister Treffen sich in Cancun

Zunächst einmal war da Cancun. Dort fand im September diesen Jahres die WTO-MinisterInnen-Konferenz statt. Da unsere Kampagne projectlifestyle - selbst_bewusst_leben auch die Auswirkungen der Globalisierung zum Thema hat - sowohl die positiven, als auch die negativen - war dieses Ereignis etwas, auf das auch wir gespannt unser Augenmerk lenkten. Würden - wie so oft - die Industrienationen ihre undemokratischen Spielchen mit den Entwicklungsländern spielen? Wie weiter mit den EU-Agrarsubventionen? Die Liberalisierung der nationalen Märkte und ihre Integration in den weltweiten Poker mit den Aktien- und Devisen-Märkten waren bisher meist die einhellige Politik der WTO gewesen. Seit 20 Jahren führt diese Politik nicht zu einer stabilen Weltwirtschaft, sondern lediglich zu einer immer größeren Spaltung in Arm und Reich.

Doch diese Konferenz scheiterte. Zur Überraschung aller! Richtig freuen konnte sich darüber dennoch niemand. Das Scheitern, ausgelöst durch den neuen Zusammenhalt der Entwicklungsländer, verhinderte zwar eine drastische Verschlechterung für diese, aber leider konnten sich die Zustände auch nicht verbessern lassen. Umweltorganisationen und NGOs aus aller Welt deuteten das Scheitern der Konferenz als Zeichen des Unwillens der Industrienationen, über Alternativen, die es gab, die auf dem Tisch lagen, nachzudenken. Es geht wohl kaum mehr um einen stabilen Welthandel und darum, allen Menschen einen gewissen Lebensstandard zuzugestehen, sondern nur noch um Besitzstandswahrung und Vergrößern des Reichtums von wenigen. Die EU spielte bei den Verhandlungen leider keine besonders positive Rolle. Nun erwarten wir neue Konzepte und ein Zugehen der Industrienationen auf die ärmeren Länder. Ob dieses Umdenken machbar ist, wird sich dann bei der nächsten WTO-Konferenz zeigen. Bis dahin gilt es, die Menschen aufzuklären und ihnen zu zeigen, welche Repressionen, welche Fatalen Auswirkungen unser Handeln hier in Europa auf Menschen in anderen Ländern der Welt haben kann. Das ist es, was wir mit unserer Kampagne projectlifestyle erreichen wollen.

Im EU-Parlament wurde über die Patentierbarkeit von Software entschieden. Vor lag eine Richtlinie, die jegliche Software-Patente erlauben sollte. Doch was vordergründig dazu dienen soll, Erfindungen zu schützen, wird von Großunternehmen - wie bspw. Microsoft - missbraucht, um kleine, mittelständische (Konkurrenz-)Betriebe in die Knie zu zwingen.

So soll auch der Fortschrittsbalken, der noch anzeigt, wie viel Prozent einer Datei noch (herunter) zu laden sind, patentiert werden. Das irrwitzige Patentrecht des TRIPs, ein Abkommen, das auch aus dem Hause WTO kommt, sorgt dafür, dass die 28-Stunden-Woche, der Basmati-Reis und nun vielleicht auch noch das sogenannte "GIF-Format" patentiert werden sollen (was bedeuten würde, dass es auf dieser Homepage leider keinen animierten Banner mehr gäbe, ohne dass wir für ihre Produktion mit einem X-beliebigen Bildbearbeitungsprogramm Patentgebühren zahlen!) - und dies ist nur ein geringer Teil der bizarren Aufzählung. Stellt euch vor, Beethoven hätte ein Patent auf die Musikform "Präludium" angemeldet? Wie viel weniger weit wären wir dann in der Musikgeschichte gekommen - wie viel weniger Genies würde es noch geben, da sich der Rest die Patentgebühren nicht leisten kann?

Ein spannendes Thema, das noch keine abschließende Richtlinie auf EU-Ebene hat, da die vorgeschlagene so ersteinmal nicht angenommen wurde. Doch der Kampf der Großkonzerne wird weiter gehen und auch wir werden dabei bleiben.

Und übrigens: "Benjamin von der Ahe hat am Wochenende bei der Regionalkonferenz der grünen Landesverbände Niedersachsen und Bremen ein Votum für die grüne Europaliste erhalten." meldete die GRÜNE JUGEND Niedersachsen am 29.09.2003

Was daraus wurde erfahrt ihr später...

Weitere News aus dem September:

Oktober 2003 - Neuer Rekord in Leipzig und GRÜNE JUGEND mischt bei Attac weiter mit

Gleich am Anfang der Monats machte sich die GRÜNE JUGEND daran, den Rekord von Kongress im Münster zu knacken. In Leipzig kamen über 300 Jugendliche in das Robert-Schumann-Gymnasium, wo der Kongress "selbst_bewusst_streben", der GRÜNEN JUGEND stattfand. Unser Themenschwerpunkt bei diesem Kongress war Bildung. Als Gäste begrüßten wir die GEW-Vorsitzende Eva-Maria Stange und die Fraktionsvorsitzende der GAL Hamburg, Christa Goetsch. Am Sonntag morgen verabschiedete die Mitgliederversammlung das Bildungspolitische Grundsatzprogramm der GRÜNEN JUGEND.

Auf der Mitgliederversammlung trat Benjamin von Ahe als Sprecher der GRÜNEN JUGEND nach nunmehr fast drei Jahren Vorstandsarbeit zurück. Sein Nachfolger wurde Benedikt Lux, der davor Beisitzer im Bundesvorstand war. Der von ihm hinterlassene freie Platz wurde durch Malte Spitz besetzt, der aus der SPUNK-Redaktion kam. Diese erhielt mit Benni Hammer einen neuen Koordinator. Soviel zum Personellen.

Mit Hartz IV kam im Oktober ein Vorstoß der Bundesregierung in Richtung weniger sozial, mehr Eigenverantwortung der einzelnen BürgerInnen. Doch niemand störte sich an der entstehenden Gerechtigkeitslücke für die 16-25-Jährigen: Erfüllt jemand unter 25 Jahren die ohnehin engen Zumutbarkeitskriterien nicht, bleibt ihm nur noch der Anspruch auf das Wohngeld. So dürfe das nicht laufen, entrüstete sich Bene Lux und kritisierte den zugleich hohen Mangel an Ausbildungsplätzen. Dies sei eine Doppelbelastung junger Menschen.

Mehr Infos zum Oktober:

November 2003 - Wir stellen uns quer

Wie letztes Jahr veranstaltete die GRÜNE JUGEND auch in diesem Jahr wieder ein Camp im Wendland - pünktlich zu den Castor-Transporten. Aus ganz Deutschland waren etwa 30 Jugendliche gekommen um sich quer zu stellen. Auch hier ist wieder eine schöne [Bildergalerie] entstanden. Wieder einmal konnten wir zeigen, dass auf unserem Mist kein "Atomkonsens" wie dieser gewachsen wäre, dass wir die Atomlobby nicht weiter subventionieren wollen, dass Atomkraft gefährlich ist und wir zudem keinen Polizeistaat wollen. Im vergangenen Jahr waren bis auf 2 alle TeilnehmerInnen des GRÜNE JUGEND-Camps gegen jedes Grundrecht eingeknastet worden, wie SchwerstverbrecherInnen! Und auch dieses Jahr war am Tag X wieder Gewaltbereitschaft und Überreaktion von Seiten der Polizei zu beobachten - ein Mitglied der GRÜNEN JUGEND wurde gar mit einem Schlagstock auf den Kopf geschlagen und einen Hügel hinuntergeschubst.

Wir haben es einfach satt! Die Atomlobby lässt sich vom Staat die teuren Transporte zahlen, die Versicherungssumme, auf die jedes Atomkraftwerk versichert sein muss ist ein Witz und wenn jeder Kernkraftwerksbesitzer tatsächlich so viel zahlen müsste, wie ein Kernkraftwerk ökologisch und ökonomisch kostet - dann gäbe es die Schrott-Dinger nicht mehr. Statt dessen verpesten sie Gewässer mit Radioaktivität und bedrohen die Zukunft der Menschheit - denn ein Endlager für den Müll gibt es bisher nicht und wird es wohl kaum jemals geben.

Zusammen mit den Menschen im Wendland, wo Gorleben schleichend zum Endlagerstandort manifestiert werden soll, stellen wir uns auch im Jahr 2004 wieder quer und hoffen, dass diesmal noch mehr Menschen an unserer Seite stehen!

BDK in Dresden

Und nun war es so weit: Die Bundesdelegiertenkonferenz von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN startete in Dresden. Das Herz Europas hier es, sei die Messehalle am Rande der Stadt, denn hier werde die Zukunft Europas visionär in einem Wahlprogramm und mit einer Liste für die Europawahl mitgeschrieben.

Die GRÜNE JUGEND war in heller Aufregung, ihr Kandidat Benjamin von der Ahe, 27, wollte auf Platz zehn dieser Liste und das wollte auch der gesamte Verband. Leider schien dies den Delegierten nicht so sehr am Herzen zu liegen und so wählten sie Benjamin leider erst auf Platz 14, nachdem er auf Platz 12 knapp gegen Milan Horacek gescheitert war. Der Tscheche war einer der Favoriten des Spitzenkandidaten Daniel Cohn-Bendit, weswegen dieser die Werbetrommel für Milan und gegen den Kandidaten der Jugend schürte.

Doch was solls, dass diese BDK insgesamt für die GRÜNE JUGEND mehr als erfolgreich war lässt sich dennoch nicht bestreiten. Auf unsere Forderung nach Platz erhielten wir so viel positives Feedback, wie wir es uns nicht hätten träumen lassen, wir waren präsent und kreativ, als Joschka via Video-Leinwand zu den Delegierten sprach und in etlichen Redebeiträgen trugen Menschen aus der GRÜNEN JUGEND konstruktiv zur Debatte bei.

Wir werden so einen guten Wahlkampf machen, dass es auch Platz 14 noch in das Parlament schaffen wird!

Beim europäischen Sozialforum in Paris wurde übrigens geheiratet: Ska aus dem Bundesvorstand ehelichte Boris, der als Migrant keine andere Wahl hat, als zu heiraten, da er sonst aus der "Fortress Europe" abgeschoben werden würde.

Diese Aktion im Rahmen der Migration Campaign der FYEG sorgte für schöne Bilder und viel Aufsehen. Mehr unter www.gruene-jugend.de/ueberuns/galerie

Dort findet ihr noch weitere Bildergalerien aus diesem Jahr.

Und zum Abschluss die Krönung!

Dezember 2003 - Auseinandersetzungen um soziale Reformen und globale Veränderungen bilden den Abschluss für ein turbulentes Jahr

Am Anfang war das Wort: Gerhard Schröder stellte seine Agenda 2010 vor, er machte sie zum Aufhänger all seines zukünftigen politischen Handelns - mit ihr sollte er stehen oder fallen. Die CDU/CSU-Mehrheit im Bundesrat führte zu einem, wie die BürgerInnen dieses Landes finden, "miesen Kompromiss" der nichts halbes und nichts ganzes mehr ist. Doch schwer hat es der, der es wirklich allen recht machen will. Wie die GRÜNE JUGEND den gesamten Prozess mit der "sozialen" Agenda begleitet hat und wie sie den Kompromiss im Vermittlungsausschuss bewertet könnt ihr in unserem Special "Agenda 2010" nachlesen.

StudentInnen aller Länder vereinigt euch!

Gerade habe ich die neuste Meldung im Radio gehört: Berliner StudentInnen besetzen weiterhin öffentliche Gebäude - die Weihnachtspause ist damit offiziell beendet.

Wir hoffen, dass die StudentInnen aus dem ganzen Bundesgebiet weiterhin für ihr Recht auf Bildung kämpfen, denn:

Geist ist Geil!

Auch zu den Studentenprotesten haben wir ein Special auf unserer Seite eingerichet, dass ihr euch gerne zu Gemüte führen dürft.

Gesamtüberblick

Hier findet ihr alle Pressemitteilungen, die in diesem Jahr von der GRÜNEN JUGEND herausgegeben wurden.

Hier alle Nachrichten von unserer Homepage.

Und jetzt lehnt euch zurück und freut euch auf das nächste aufregende Jahr mit der GRÜNEN JUGEND!

Guten Rutsch!