Jugendliche fordern: Deutschland atomwaffenfrei machen
27.10.2006: Mit einem offenen Brief wenden sich 45 Jugendliche von verschiedensten Organisationen aus ganz Deutschland an die Bundesregierung und fordern den Abzug der hier stationierten Atomwaffen.
Unter Ausschluss der Öffentlichkeit entwickelte die Bundesregierung das neue Weißbuch der Bundeswehr, in dem die Verteidigungspolitik der nächsten Jahre festgeschrieben wird. Am 25. Oktober wurde es vom Kabinett verabschiedet und danach im Bundestag diskutiert. Da im verabschiedeten Entwurf weder das Ende der nuklearen Teilhabe der NATO noch der Stationierung von Atomwaffen in Deutschland ankündigt wurde, haben 45 Jugendliche von verschiedensten Initiativen aus ganz Deutschland einen offenen Brief an die Bundesregierung geschrieben. Hierin erklären sie, dass das Festhalten an der nuklearen Teilhabe Deutschlands nicht nur ein Relikt aus dem Kalten Krieg ist, sondern auch in den aktuellen Konflikten um die Weiterverbreitung der Atomwaffen etwa in Nordkorea und Iran eine Gefahr darstellt und die deutsche Position und Glaubwürdigkeit schwächt.
Sie fordern, dass die völkerrechtswidrigen Atomwaffen aus Deutschland abgezogen werden - als ersten Schritt hin zu einer Änderung der NATO-Politik, einer atomwaffenfreien Zone Europa, und letztendlich einer atomwaffenfreien Welt. Die Jugendlichen machen unmissverständlich deutlich, dass sie nicht gewillt sind, ein Erbe von fast 30.000 Atomwaffen weltweit anzutreten.
Tobias Bollinger, 21, Initiator des Briefes und aktiv beim europäischen Jugendnetzwerk für atomare Abrüstung und der Friedenswerkstatt Mutlangen, freut sich über die zahlreichen Unterschriften: "Zum ersten Mal seit Ende des Kalten Krieges wird das Thema Atomwaffen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen verschiedenster Hintergründe in die deutsche Öffentlichkeit gebracht." Die jungen Leute aus Organisationen und Initiativen im Bereich des Naturschutzes, der Globalisierungskritik, Jugendparteien, Pfadfindern, religiöser Gemeinden, Kunst, Friedensarbeit etc. spiegeln wider, was bereits in einer Forsa-Umfrage von 2004 festgestellt wurde: 93 Prozent der Bundesbürger sind der Meinung, dass Atomwaffen völkerrechtswidrig sind und nicht produziert oder gehortet werden dürfen. Und 89 Prozent verlangen einen sofortigen Abzug aller Atomwaffen aus dem Bundesgebiet. Eine Politikänderung diesbezüglich, die auch bei der NATO-Strategie-Tagung in Riga im November und während der EU-Präsidentschaft von Kanzlerin Merkel 2007 forciert werden könnte, dürfte also viele Wählerstimmen hinter sich haben - und ist zudem ein Schritt hin zu einer atomwaffenfreien Welt für die nächsten Generationen.
Links:
Aktion BAN ALL NUKES
Aktion Atomwaffenfrei bis 2020


