PerspektivenTage - Wie weiter nach Heiligendamm?
14.01.2008: Vom 17. bis 20. Januar finden in Berlin die PerspektivenTage statt, ein Vernetzungstreffen aller an der Vorbereitung zum G8-Gipfel im vergangenen Jahr beteiligten Initiativen und Organisationen, um die Zukunft des entstandenen Bündnisses zu forcieren.
Bunt wird es zugehen im Gebäude des Neuen Deutschland, wenn ab Donnerstag vier Tage lang unterschiedlichste globalisierungskritische Spektren noch einmal Bilanz ziehen und einen gemeinsamen Ausblick für ein langfristiges Bündnis gegen die Klüngelrunde der G8 diskutieren. Friedensinitiativen wie IFIAS oder BIFA werden ebenso vertreten sein wie sozialistische Organisationen (Avanti, Solids, etc.) und Kräfte aus der Umweltbewegung. Sie hatten sich vor zwei Jahren allmählich zusammengefunden, um die Proteste in Rostock gegen das Treffen in Heiligendamm zu organisieren. Schon unmittelbar nach dem Gipfel hatte die Camp AG den Vorschlag gemacht, "ein großes mehrtägiges strömungsübergreifendes Debattier-, Strategie- und Netzwerktreffen" im kommenden Jahr abzuhalten, welches keinesfalls als Konferenz, sondern als "ein Mix aus vorbereiteten Inputs, Workshops, Plenen, offenen Diskussionsprozessen in Kleingruppen, klaren Strukturen und inhaltlicher Freiheit" verstanden werden darf, wie es im Aufruf vom Dezember 2007 heißt.
In Bewegung bleiben
Workshop-Titel wie "NGOs und radikale Linke: Ein schwieriges Verhältnis" und "Zusammen raufen? - Bilanz nach Heiligendamm" machen deutlich, dass auch selbstkritische Reflexionen der Zusammenarbeit im vergangenen Jahr offen gelegt werden müssen. Umweltschutzverbände und kommunistische Gruppen zusammenzubringen, ist nicht immer einfach, aber Grundlagen gemeinsamer Positionen und Formen der Zusammenarbeit zu finden, ist das Ziel des internationalen Treffens. Letztlich alle Beteiligten es sich zur Aufgabe gemacht, für eine friedlichere, sozial gerechtere, auf Nachhaltigkeit und Generationenverantwortung bedachte Welt zu kämpfen. Die aus den Anti-G8-Protesten hervorgegangene Allianz langfristig zu binden, soll als Chance betrachtet werden, diesen Visionen wieder ein Stück näher zu kommen. Und so werden bereits in der Auftaktdiskussion am Donnerstagabend Attac, Antifa, Erlassjahr und andere den Ablauf der Juni-Proteste resümieren, Erfahrungen und Meinungen austauschen, um insgesamt erste Lehren für die Zukunft ziehen zu können.
In den folgenden Tagen werden überall auf dem Gelände Workshops, Vorträge, Open-Space-Diskussionen und Filmvorführungen stattfinden, ob nun zu Organisationsstrategien ("Mehr Geschlossenheit versus Organisierung von unten"), Themenschwerpunkten ("Bilanz Migration und G8") oder Aktionseinheiten ("Perspektiven des Zivilen Ungehorsam"): Es lohnt sich, dabei zu sein!
Ein Blick auf die Parteien in der G8-Kampagne
Interessant für (jung-)grüne und SympathisantInnen dürfte v. a. eine "Rückblick"-Veranstaltung,die sich mit dem Aspekt der Zusammenarbeit sozialer Bewegungen und politischer Parteien im Rahmen des G8-Protestes auseinandersetzt, am Freitagvormittag sein. Paula Riester, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND, und Katja Kipping, Bundestagsabgeordnete von DIE LINKE, diskutieren mit anderen Gästen das etwas schwierige Verhältnis dieser zwei politischen Formen zivilen Engagements. Sowohl die LINKE als auch BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hatten sich - zusammen mit ihren Jugendverbänden - im vergangenen Juni nicht nur an Kundgebungen und Demonstrationen, sondern auch an dem parallel verlaufenden Alternativgipfel in Rostock beteiligt. Landesverbände der beiden Parteien hatten lokale Organisationsbüros im Vorfeld finanziell und logistisch unterstützt.
Warum die Zusammenarbeit sich aber nach wie vor als kompliziert und (notwendig) umstritten herausstellt, wie die Erfahrungen im letzten Jahr aussahen, wie man gegenseitig Misstrauen abbauen könnte, soll auf dieser Veranstaltung einer Betrachtung unterzogen werden.
Mehr Informationen zu den PerspektivenTagen erhaltet ihr hier.


