Der Millenniumsgipfel
12.09.2005: Das Fachforum Europa & Internationales hat einige Infos und Links zur 60. Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 14.-16. September zusammengestellt.
1,2 Milliarden Menschen leben weltweit in extremer Armut. Das bedeutet, sie müssen von weniger als 1 Dollar pro Tag leben. Bis 2015 soll diese Zahl halbiert werden. So sieht es ein Beschluss vor, den die Staats- und Regierungschefs auf einer Versammlung der Vereinten Nationen im September 2000 in New York getroffen haben.
Soweit in Kürze. Doch der Millenniumsgipfel, wie er weithin genannt wird, hat nicht nur eine Messzahl formuliert, sondern des Weiteren acht Ziele gesetzt, die es auf dem Wege der Armutsbekämpfung zu erreichen gilt. Die Politik der Nationalstaaten soll sich in ihren Bemühungen der Entwicklungszusammenarbeit an diesen "Millenniumgoals" orientieren.
Die Ziele im Einzelnen sind:
- Bekämpfung von Armut und Hunger
- Sicherung der ökologischen Ressourcen
- Reduzierung von Kindersterblichkeit
- bessere Vorsorge für Mütter
- Kampf gegen Aids, Malaria und andere Krankheiten
- Grundschulbildung für alle Kinder
- Gleichstellung der Geschlechter und
- Verpflichtung zum Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft.
Auf der 60. Generalversammlung der Vereinten Nationen, die vom 14.-16. September 2005 stattfinden wird, treffen sich nun, fünf Jahre später die Staats- und Regierungschefs erneut, um eine Zwischenbilanz zu ziehen.
Die Diskussion darum, wie viel schon erreicht ist, und ob man sich auf dem richtigen Weg befindet, ist kontrovers. Zwei wichtigen Studien geben einen Überblick über dieses Thema. Die erste, der so genannte "Sachs-Report", ist eine Arbeit von 265 Entwicklungsexpertinnen unter der Leitung von Jeffrey Sachs. Eine konkrete Feststellung dieses Berichts: Sollen die Milleniumsziele bis 2015 noch erreicht werden, müssten die Gelder, die weltweit für Entwicklungszusammenarbeit ausgegeben werden bis 2006 verdoppelt und bis 2015 verdreifacht werden.
Der Bericht enthält des Weiteren die Forderung nach gezielterer und effektiverer Verwendung der Gelder. Außerdem enthält der Bericht viele konkrete Vorschläge, von Aids- Medikamentierung bis hin zu kostenlosem Schulessen. ("Investing in Development-A Practical Plan to Achieve the Millenium Development Goals", Seite online).
Die zweite Studie ist der jährliche Zwischenstandsbericht von UN-Generalsekretär Kofi Annan. In diesem Bericht fordert Annan von den Industrieländern einen konkreten Zeitplan zur Erreichung ihres Versprechens, 0,7 % des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben. (Info: In Deutschland sind es knapp 0,3 %). Der Generalsekretär fordert von den Industriestaaten weiterhin, endlich die Import- und Handelszölle gegenüber den 48 ärmsten Ländern dieser Welt aufzuheben. (PDF online)
Begleitend zum Milleniumsgipfel gibt es auch eine weltweite Kampagne von Nichtergierungsorganisationen, die unter dem Namen "Global Call to Action Against Poverty" im Vorfeld auf diese Problematik aufmerksam machen will. (Siehe: www.whiteband.org)
Die Kampagne tritt ein für gerechte Richtlinien und Regeln beim weltweiten Handel, u.a. für internationale Steuern wie die Tobin Tax (Siehe auch die TobinTax-Kampagne der GRÜNEN JUGEND), Schuldenerlass für die ärmsten Länder dieser Welt, mehr und verbesserte weltweite Hilfsleistung und sie richtet sich mit einem deutlichen Handlungsappell an die nationalen Regierungen.
Die zentralen Aktionen dieser Kampagne sind drei "White Band Days", an denen Menschen auf der ganzen Welt durch das Tragen eines weißen Armbandes diese Forderungen unterstützen können.
Wer sich weiter informieren möchte:
Aktuelle Informationen und Berichte während des Gipfels werden im Wiki des Fachforums Europa & Internationales verlinkt: es lohnt sich also immer mal reinzuschauen.
Auch das nächste Seminar des Fachforums FaFos wird sich mit dem Thema Vereinte Nationen beschäftigen. Termin: sehr wahrscheinlich am 25.-27. Nov 05 in Berlin, genaue Informationen gibt’s in den nächsten Tagen auf der Seite des Fachforums Europa & Internationales.


