Kathrin Henneberger während ihrer Rede

"Gemeinsam sind wir stark, vieles zu erreichen!"

26.05.2008: Kathrin Henneberger ist die neue Sprecherin der GRÜNEN JUGEND. In ihrer Bewerbungsrede ging sie stark auf ökologische und soziale Dilemmas ein, die es als Junggrüne zu bekämpfen gilt.

Unser Leben ist abhängig von den funktionierenden Ökosystemen der Erde. Doch scheint dieses Bewusstsein bei vielen Menschen vollkommen verloren gegangen zu sein.
Quantitatives Wachstum, Wachstum, Wachstum ... Konsum, Konsum, Konsum ... und wenn’s ein Problem gibt, wird’s der Markt schon richten!Traurigerweise wird die Bedeutung der Umweltverschmutzung erst dann für viele Menschen verständlich, wenn der Natur ein finanzieller Wert gegeben wird. Erst nach dem Stern-Report, der die wirtschaftlichen Schäden des Klimawandels beleuchtet hat, schreckten viele PolitikerInnen und die Industrie hoch. Der Spiegel versucht in seinem Leitartikel von letzter Woche, der Biodiversität einen ökonomischen Wert zu geben. Z. B. sei ein Hektar intakter Mangrovenwälder vor den Küsten 2200 Dollar wert.
Können wir uns das Ausmaß des Artensterbens also nur vorstellen, wenn wir uns veranschaulichen, wie viel Geld dies kostet?
Können verloren gegangene Tier- und Pflanzenarten, sowie die Zerstörung von Nahrungsketten und Ökosystemen überhaupt einen finanziellen Wert zugeordnet bekommen?

Eins ist klar: Erst wenn das Wirtschaftswachstum in sich zusammen bricht, wird darüber nachgedacht, dass die Brandrodungen der Regenwälder vielleicht doch nicht richtig waren. Aber dann ist es bereits zu spät. Der GRÜNEN JUGEND sollte es um mehr, als nur um bedrohte Geldbeutel gehen. Es geht um bedrohtes Leben. Es geht schlicht um das Überleben des Lebens auf der Erde. Es geht darum, wie wir leben und wie wir andere leben lassen. Denn die derzeitige Lebensweise von Menschen sprengt die Aufnahmekapazitäten der Ökosysteme. Die Armen, die dafür am wenigsten verantwortlich sind, leiden als erstes und am schlimmsten. Holland wird höhere Deiche bauen, Bangladesch mit dem steigenden Meeresspiegelanstieg und stärkeren Stürmen untergehen. Und damit werden Millionen Menschen zu Klimaflüchtlingen.

Auch in Afrika werden viele Menschen vor der Wüstenbildung fliehen müssen. Sie stranden an den Küsten Europas. Kommen sie lebend bei uns an, werden sie wieder abgeschoben oder in Lagern gehalten. Meist unter menschenunwürdigen Bedingungen. Deshalb ist für mich Umweltpolitik eine klare Frage der globalen wie lokalen sozialen Gerechtigkeit. Sozial- und Umweltpolitik lassen sich nicht von einander trennen.
Nur mit einer gerechten Verteilung von Wohlstand und Ressourcen lässt sich auch Umweltverschmutzungen vermindern. Der Hunger auf der Welt wird weiter ansteigen. Unruhen sind schon jetzt die Folge. Und während wir hier in Deutschland kaum etwas davon mitbekommen, können sich Menschen im Burkina Faso und Kamerun nicht einmal mehr ihre Grundnahrungsmittel leisten. Laut der UNO bräuchten wir 10 Milliarden Doller jährlich um das Hungerproblem lösen. Der Irakkrieg hat bisher rund drei Billionen Dollar verschlungen.

Statt Unsummen in den Irakkrieg zu verpulvern, sollte das Geld die Sicherstellung von Ernährung der Weltbevölkerung, den Zugang zu sauberem Trinkwasser und den Zugang zu Bildung ermöglichen! Auch die Gentechnik wird von den großen Konzernen Monsanto und Co als Wundermittel gegen den Hunger verkauft. Dabei kann nur eine hohe Sortenvielfalt an regional angepassten Pflanzen den Hunger stillen, nicht aber patentierte einheitliche gentechnisch veränderte Sorten - die auch mehr Pestizide benötigen. Wir müssen uns klar gegen Gentechnik für forst- und landwirtschaftliche Zwecke einsetzen. Ich werde auch in diesem Sommer nicht davor zurückschrecken, Felder in Deutschland von gentechnikverändertem Mais zu befreien! Die zentrale Aufgabe ist es, für mehr Klimaschutz zu streiten.

Genauso, wie wir die Felder befreien, müssen wir die Kohlekraftwerke besetzen und gemeinsam mit andren Verbänden für eine Klimaschutzrevolution streiten. Die Atomlobby benutzt den Klimawandel um die Atomkraft wieder salonfähig zu machen. Auch hier müssen wir wachsam ihre Argumente, Atomkraft sei sauber und sicher, widerlegen, und auf den Castortransporten ordentlich Stacheln zeigen. Aber nicht nur in der Ökologiepolitik möchte ich mich für euch einbringen:

Jeder achte Mensch ist in Deutschland von Armut bedroht. Die Schere zwischen Reich und Arm geht immer weiter auseinander. Unsere Gesellschaft braucht neue Denkansätze, wollen wir das Problem lösen. Ich bin dafür, jedem Menschen das gleiche Recht auf Existenz und Teilhabe zuzugestehen. Als Jugendpartei stehen wir besonders in der Verantwortung, die Interessen junger Menschen zu vertreten und Missstände aufzuzeigen.

Statt des 4-gliedrigen Schulsystems brauchen wir eine Schule der Vielfalt für alle. Eine Schule, in der Demokratie nicht nur gelehrt sondern gelebt wird; in der alle SchülerInnen sich individuell nach ihren Stärken frei entfalten können. Das deutsche Bildungssystem benachteiligt heute besonders Kinder mit sozial schwachem oder Migrationshintergrund. Das muss ein Ende haben! Jeder Mensch hat das Grundrecht auf freie Bildung und auf Chancengleichheit! Innerhalb der GRÜNEN JUGEND möchte ich, dass wir weiterhin offen und basisdemokratisch über Inhalte diskutieren. Ich sehe die zentrale Aufgabe der Sprecherin darin, als Sprachrohr zu fungieren. Unsere inhaltlichen Positionen und Forderungen nach außen zu transportieren. Sich einzumischen in die Tagespolitik und ordentlich Stacheln zu zeigen! Gegenüber Bündnis 90/ die GRÜNEN werde ich kritisch und konstruktiv GRÜNE-JUGEND-Positionen vertreten.

Am wichtigsten ist es, uns inhaltlich einzubringen und bei Projekten, wie z. B dem Klimabonus, ordentlich GRÜNE JUGEND Ideen mit ins grüne Programm zu schreiben. Mir ist es wichtig, als Sprecherin engen Kontakt zu Basisgruppen, Landesverbänden und Fachforen zu halten. Die GRÜNE JUGEND habe ich als einen unhierarchischen und transparenten Verband kennen gelernt. Hier ist jeder willkommen, der mit für eine bessere Welt streiten möchte. Gemeinsam sind wir stark, vieles zu erreichen! Ich möchte mit euch zusammen mit aller Kraft, die wir aufbringen können, für eine sozial gerechte, tolerante, ökologische, friedliche, partizipatorische und freie Gesellschaft streiten.

Hiefür bitte ich um eure Stimme und euer Vertrauen.