Liebe statt Schläge zum V-Day!
14.02.2006: Rote Herzchen zum Valentinstag? Nichts da: Wir erinnern heute an Gewalt gegen Frauen. Gewalt, die zu 95 Prozent in den eigenen vier Wänden stattfindet. Der Schläger ist meist der eigene Partner oder Vater. Zwei triftige Gründe, warum häusliche Gewalt nicht länger ein Tabuthema bleiben darf!
Jährlich finden zum Valentinstag zahlreiche Veranstaltungen zum Thema Gewalt statt. Ausgerufen wurden dieser V-Tag (der Buchstabe V steht dabei für "Vagina, Violence against women and Victory") von Eve Ensler, der Autorin des Buches Vagina Monologe. Bei diesen Veranstaltungen können Frauen jeden Alters, die schon einmal Gewalt selbst erlebt haben, auf die Bühne gehen und stellvertretend für ihre Vagina das erzählen, was ihre Vagina erzählen würde, wenn sie reden könnte.
Der Erlös dieser Veranstaltungen geht in Gewaltschutzprojekte auf der ganzen Welt. Die GRÜNE JUGEND unterstützt diese Veranstaltungen und wünscht sich gleichzeitig einen immer stärker werdenden Zulauf!
Viele Frauen leiden dazu nicht nur unter physischer Gewalt, sondern auch unter physischer (Schläge, Misshandlung) und struktureller Gewalt (Armut, Repression, finanzielle Abhängigkeit, Diskriminierung). Diese Umstände müssen unter anderem durch ein verändertes Selbstverständnis der Geschlechter beseitigt werden.
An Schulen muss deshalb ein neues Pflichtfach eingeführt werden, indem soziale Kompetenzen vermittelt werden. Gelehrt werden sollen, Grenzen zu erkennen und zu respektieren. Dazu muss die Schule Hinweise auf Beratungsstellen geben.
Des weiteren fordert die GRÜNE JUGEND die Fortbildung von Lehrkräften, um das neue Unterrichtsfach problemlos halten zu können. Erzieherische Stellen in Kindergärten und Schulen müssen geschlechter paritätische besetzt werden.
Das 2001 von der rot- grünen Bundesregierung verabschiedete Gewaltschutzgesetz (GewSchG) brachte viele Verbesserungen für Gewaltopfer, besonders im häuslichen Bereich. Das Prinzip "wer schlägt, der geht" wurde im gesetzlichen Rahmen umgesetzt.
Ein Problem sind hierbei jedoch die teilweise langen Verfahrenszeiten bei denen es zu zeitlichen "Lücken" in der Wohnungszuweisung kommt, in denen die Klägerin/der Kläger nicht vor der Gewalt geschützt ist. Hier fordert die GRÜNE JUGEND eine Nachbesserung im Gewaltschutzgesetz.
Ein weiteres Problem ist, dass Verstöße gegen die vom Gericht verhängten Abstandsvorschriften zu selten sanktioniert werden, obwohl dies das GewSchG ausdrücklich vorsieht. Auch hier bedarf es extrem an Handelsbedarf. Auch im Bereich der Eilverfahren scheinen selbst die AnwältInnen noch zu unkundig zu sein.
Dennoch darf mensch nicht vergessen, dass das GewSchG nur ein kleines Instrument ist und es weiterhin privater und staatlicher Initiativen und eines Bewusstseinswandels bedarf, um Gewalt entgegenzutreten.
Nach unserer Einschätzung ist für die betroffenen Frauen mehr Beratung und Unterstützung notwendig. Aus diesem Grund fordert die GRÜNE JUGEND den Ausbau der vorhandenen Stellen. Gleichzeitig verlangen wir die Einrichtung von Gewaltpräventions- und -therapieprojekten, die speziell für Männer mit staatlicher Unterstützung angeboten werden sollen.
Die immer noch vorherrschende finanzielle Abhängigkeit vieler Frauen von ihrem Partner zwingt diese oft dazu allein aus finanziellen Gründen weiter die Gewalt zu ertragen. Deshalb fordern wir dieser Abhängigkeit entgegenzuwirken und sowohl das EhegattInnensplitting als auch die Anrechnung des PartnerInneneinkommens auf Sozialleistungen abzuschaffen.
Gleichzeitig nutzen wir den heutigen Tag, um auch in der GRÜNEN JUGEND nochmal aufzurufen:
Frauen, bildet Banden!
Wir wollen zeigen, dass uns die Stärkung junger Frauen enorm wichtig ist. Dazu haben wir einen Pool eingerichtet, damit es ab jetzt immer auf einen Blick alle Beschlüsse, Konzepte und Material zum Thema Geschlechtergerechtigkeit, Frauenförderung und Gender auf einen Blick gibt. Langfristiges Ziel ist es dabei, gleichzeitig der Öffentlichkeit zu zeigen, dass eine kräftige Frauenförderung weiterhin nötig ist, um eine völlige Gleichberechtigung zu erreichen. Dabei wollen wir natürlich auch versuchen viele neue weibliche Mitglieder zu werben. Jedoch darf mensch nicht vergessen auch die Rechte von Lesben und Bisexuellen zu stärken und die gesellschaftliche Diskriminierung ihnen gegenüber abzuschaffen.
Vollkommen neu ist in diesem Pool das "Frauen, bildet Banden!"-Konzept.
Wir wollen euch mit diesem Konzept eine Reihe an Aktionsideen liefern, um das Thema Geschlechtergerechtigkeit wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken und den Frauenanteil in Regionalgruppen zu erhöhen. Gerade auch zu Zeiten von Landtags- und Kommunalwahlkämpfen, von denen in nächster Zeit ja einige anstehen, soll dieses Konzept eine Hilfe sein.