Kampf dem Faschismus!

23.05.2006: Neonazis in Hamm bedrohen ein Mitglied der Grünen Jugend. Der Landesverband NRW rief zu einer Soli-Demo am 21. Mai auf - und musste von Polizisten vor einer Gegendemo der Neonazis geschützt werden. Von Kathrin Henneberger

Die rechtextreme Szene in Hamm wächst. Kameradschaften, rechtsradikale Parteien und andere Gruppierungen arbeiten immer professioneller zusammen. Sie verteilen Flugblätter und veranstalten Demos und Kundgebungen. Allein im Jahr 2005 kam es zu 41 rechtsextremen, politisch motivierten Straftaten in Hamm. Während der Stadtrat, die Verwaltung und viele BürgerInnen untätig blieben, setze sich die Grüne Jugend Hamm aktiv gegen das Erstarken der rechtsradikalen Szene ein. Auf der Straße und durch die Medien versuchten sie, auf das Problem aufmerksam zu machen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Marco Grenz, Sprecher der Grünen Jugend Hamm, schrieb nach der letzten Nazi-Demo einen Leserbrief an die regionale Zeitung mit einem Aufruf an die BürgerInnen von Hamm, gemeinsam gegen Nazis zu demonstrieren.

Die Rechten reagierten aggressiv und beschimpften Marco als "Staatsfeind Nr. 1". Er wurde mit Name, Adresse und Foto auf eine Nazi-Homepage gestellt. Gleichzeitig erhielt er massive Drohungen. Marco wendete sich an den Landesvorstand der Grünen Jugend NRW, der sofort reagierte, sich solidarisierte und Hilfe anbot. Der Basisrat des Landesverbandes am 21. Mai 2006 wurde nach Hamm verlegt. Schwerpunktthema war Rechtsextremismus und nach der Sitzung gab es eine Kundgebung in der Stadt.

Anna Caelers, Sprecherin der Grünen Jugend NRW: "Wenn jemand bei seinem Engagement von der rechten Szene so massiv bedroht wird, können und dürfen wir nicht zusehen. Leider gewinnen die faschistischen Gruppen nicht nur in Hamm, sondern in vielen Teilen von NRW an Zulauf. Dem gilt es landesweit in allen Basisgruppen entgegenzutreten. Unser Land muss tolerant bleiben! Die Grüne Jugend NRW kämpft für eine weltoffene und tolerante Gesellschaft ohne Rassismus und Fremdenhass!"

Die Kundgebung in der Hammer Innenstadt wurde von zahlreichen Hammer Verbänden unterstützt, darunter die Junge Union, die Jusos, Verdi und das Bündnis "Hamm stellt sich quer". Und eine Hundertschaft Polizei stellte sich zwischen uns und die Nazis. Die hatten nämlich - als sie von der Kundgebung der Grünen Jugend gehört hatten, eine Gegendemo angemeldet. Über dem Treffen des GJ-Basisrates am Morgen hatte eine angespannte Stimmung gelegen. Eine Resolution mit dem Aufruf, im Kampf gegen rechts überparteiische Bündnisse zu schließen, war einstimmig verabschiedet worden. Auf der Kundgebung "für mehr Toleranz!" waren schließlich 80 Menschen. Viele Grüne-Jugend-Fahnen flatterten im Wind.

Die Neonazis hatten zur Gegendemo gegen diese Veranstaltung aufgerufen und waren mit 50 Personen vor Ort. Die Polizei trennte beide Gruppen voneinander. Marco Grenz übergab bei der Kundgebung dem Hammer Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU) die Resolution der Grünen Jugend sowie einen BürgerInnenantrag an den Rat, der von vielen Menschen unterschrieben worden war. Marco forderte die Stadt auf, endlich das Problem und die Gefahr von Rechts ernster zu nehmen. "Die Verwaltung und die Bündnisse müssen gemeinsam Projekte erarbeiten und Aufklärungsarbeit leisten, vor allen an den Schulen", sagte Marco. "Rechte Aussteiger müssen unterstützt werden. Vor allem aber muss die Stadt auch endlich finanzielle Mittel für die Aufklärungsarbeit gegen Rechts bereitstellen." Bis jetzt war die Grüne Jugend Hamm die einzige Hammer Organisation, die sich aktiv gegen die Neonazis gewehrt hat. Nach der gelungenen Kundgebung sagte Marco: "Ich bin froh über die landesweite Solidarität der Grünen Jugend und dass so viele Hammer Verbände mitgemacht haben. Das Gefühl, alleine da zu stehen, ist weg. Wir werden jetzt endlich mehr von den Medien wahrgenommen. Der Kampf gegen rechts wird sich fortsetzen und die Grüne Jugend Hamm wird weiterhin einer der treibenden Kräfte sein. Wir lassen uns nicht einschüchtern!"

Kathrin Henneberger ist Sprecherin der Grünen Jugend Köln und Koordinatorin des bundesweiten Fachforums Ökologie. Dieser Text erscheint in der kommenden Ausgabe der krass, der Mitgliederzeitung der Grünen Jugend NRW.

Siehe auch

Resolutionsvorschlag der Grünen Jugend Hamm

Die Rechtsextremismus-Broschüre der GRÜNEN JUGEND

Lesen gegen Rechts - unsere Info-Mappe

Bunte Beats gegen braune Bässe

Bildungsoffensive gegen Rechts der GRÜNEN JUGEND

Erlebnisbericht: Rassismus an Bahnhöfen

Beschluss der GRÜNEN JUGEND: Rassismus bekämpfen - Multikulturalität und Integration fördern!