Kein Veranstaltungszentrum für Nazis in Delmenhorst!

22.08.2006: Seit mehr als einem Jahr steht im niedersächsischen Delmenhorst das Hotel am Stadtpark leer. Ende Juli wurde bekannt, dass es einen Interessenten gibt: den Hamburger Neo-Nazi-Anwalt und rechtsradikalen Multifunktionär Jürgen Rieger. Der bot für die Immobilie angeblich 3,4 Millionen Euro - obwohl sie nach Schätzungen nur einen Wert von etwa 1,7 Millionen Euro hat. - Von Andreas Doser.

Es wird befürchtet, dass Rieger in Delmenhorst ein Naziveranstaltungszentrum - nicht zuletzt für NPD-Parteitage - errichten könnte. In der Bevölkerung der 80.000 EinwohnerInnen zählenden Stadt Delmenhorst regt sich Widerstand gegen die Pläne der Neo-Nazis. So hat sich unter anderem eine Antifa-Gruppe ([R]AID) gegründet, sowie einige überparteiliche Initiativen. Außerdem wurden bereits 800.000 Euro Spendengelder gesammelt, damit die Stadt Delmenhorst ihr Vorkaufsrecht an der Immobilie nutzen kann und die Rechten gar nicht erst zum Zuge kommen. Um die Kampagne gegen den Verkauf der Immobilie an den Rassisten Rieger zu unterstützen, werden auch mehrere Konzerte veranstaltet.

Aber war alles vielleicht nur ein Bluff?

Inzwischen kam allerdings der Verdacht auf, dass der Verkauf des Hotels nur ein großer Bluff sein könnte. So wird vermutet, dass der Besitzer und die Neo-Nazis gezielt Informationen über das Interesse Riegers an dem Hotel verbreitet haben könnten, um dessen Wert in die Höhe zu treiben und dann gemeinsam Kasse zu machen. Dass das Angebot des Rassisten Rieger doppelt so hoch ist wie der eigentliche Wert des Hotels, spricht für diese These. Zwar verfügt Riegers Wilhelm-Tietjen-Stiftung über große Summen Geld, die vermutlich von vermögenden toten Nazis stammen, aber ein Kauf des Hotels zu so einem überhöhten Preis ist doch eher unwahrscheinlich. Es ist also gut möglich, dass das Angebot Riegers nur dazu dienen sollte, das marode Gebäude der Stadt unterzujubeln. Am Ende könnten die Rechten die glücklichen GewinnerInnen sein - haben sie doch das große Geld gemacht. Diese Masche ist nicht ganz neu: Schon oft wurden Immobilien, an denen rechtsradikale Gruppen angeblich Interesse gezeigt hatten, überteuert verkauft.

Wie geht es weiter?

Ein möglicher Immobiliendeal muss natürlich weiterhin mit allen Mittel verhindert werden. Trotzdem stellt sich die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, einen Teil der Energie in eine langfristige antifaschistische Kampagne zu stecken, deren Zielsetzung nicht defensiv (also den Verkauf an Rieger zu verhindern), sondern offensiv ist. Die Bevölkerung ist durch die Ereignisse in Delmenhorst sensibilisiert worden, was doch einen günstigen Anlass bietet, gemeinsam und wirksam den Faschismus an sich zu bekämpfen! Dann wäre auch nach dem Ende der Verhandlungen um das Hotel eine Basis für ein Engagement gegen Rechts vorhanden.

Ein offensiver Antifaschismus ist natürlich nicht nur in Delmenhorst nötig, sondern immer und überall!

Andreas Doser, 18, ist Koordinator des Kommunalwahlkampfs der Grünen Jugend Niedersachsen und Sprecher der GJ Buchholz

Weiterführende Links:

Spendenaktion "Für Delmenhorst"

News zum Hotelverkauf

Infos zu den rechtsradikalen Aktivitäten auf dem Heisenhof bei Verden

Antifagruppe vor Ort

Infos über Jürgen Rieger