Castortransport verhindern - Sicherheit gewährleisten!
26.02.2004: Offener Brief an die Grünen MinisterInnen in der Landesregierung NRW, den Landesvorstand von Bündnis 90/Die Grünen NRW, die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen NRW, die NRW-Landesgruppe der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen
Liebe Freundinnen und Freunde!
Mit großem Unverständnis hat die GRÜNE JUGEND NRW die Planungen für einen Transport von 18 Castorbehältern des Typs MTR-2 aus dem sächsischen Rossendorf in das Transport-Behälter-Lager Ahaus verfolgt. Erstmals seit 1998 würden nun wieder Castoren nach Ahaus rollen - und selten erschien ein solcher Transport sinnloser und überflüssiger! Die Überführung von 951 abgebrannten Brennelementen quer durch die Bundesrepublik beinhaltet für die Bevölkerung ein unkalkulierbares Risiko - besonders dann, wenn die Castoren, wie nun überlegt wird, nicht per Zug, sondern über 600 km Autobahn transportiert würden.
Castorbehälter halten bei Feuertests Temperaturen von 800 Grad Celsius bis zu 30 Minuten lang aus. Bei der Verbrennung von Benzin oder Propangas aber kann eine Hitze von bis zu 2000 Grad erreicht werden!
Bedenklich ist vor allem die Begründung der Genehmigung dieser Transporte. Da die Lagerdauer in Ahaus auf maximal 40 Jahre beschränkt ist, wird für die Castoren in absehbarer Zeit ein anderer Aufbewahrungsort gefunden werden müssen. Die Errichtung eines Endlagers scheint aber noch auf lange Sicht nicht wahrscheinlich, so dass man vermuten muss, dass die Castoren nach Ablauf der Lagerzeit wieder nach Rossendorf zurück gebracht werden müssten. Außerdem sind die Lagerhallen in Ahaus und Rossendorf nahezu baugleich, so dass von einem großen Sicherheitsgewinn in diesem Falle nicht die Rede sein kann.
Wir bezweifeln außerdem, dass das Transportbehälterlager Ahaus als Aufbewahrungsort dieser Castoren überhaupt geeignet ist. Es erscheint sehr unwahrscheinlich, dass minimale Veränderungen der Sicherheitsvorkehrungen wie das Zuschweißen von Lüftungsklappen oder die Installation eines neuen Überwachungssystems einen enorm größeren Schutz gewährleisten können. Gerade gegen terroristische Anschläge wie Flugzeugabstürze ist das Zwischenlager Ahaus nämlich in keinster Weise geschützt.
Wir unterstützen daher ausdrücklich den Widerstand der Bürgerinitiative Ahaus und unserer junggrünen Ortsgruppen im Münsterland. Die zu erwartenden - und gerechtfertigten! - Proteste stellen das Land NRW vor eine enorme Sicherheitsherausforderung. Der NRW-Innenminister zweifelt mittlerweile öffentlich an, dass die nötige Sicherheit für einen solchen Transport überhaupt gewährleistet werden kann.
Die GRÜNE JUGEND NRW fordert deshalb die Landesregierung von NRW, Vorstand und Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen NRW und die grüne Bundestagsfraktion auf, diese Transporte zu verhindern und sich für die Entwicklung eines neuen Entsorgungsplan für die Brennelemente aus Rossendorf einzusetzen.
Mit junggrünen Grüßen,
für die GRÜNE JUGEND NRW:
- Katharina Dröge, Landesvorstandssprecherin
- Sven Lehmann, Landesvorstandssprecher
- Julia Seeliger, Beisitzerin im Landesvorstand