Les Jeunes Verts

Die grünen Mäuse machen sich in Frankreich breit

04.05.2008: Ein Artikel von Daniel Schade und Michael Kömm über die jungen Grünen in Frankreich.

Überblick über die Jeunes Verts

In Frankreich sind es keine jungen grünen Igel, die die Politik aufmischen, sondern die Mäuse (les souris). Dementsprechend ist man hier in Frankreich nicht wie bei uns jung, grün und stachelig, sondern jung, grün und lebhaft.

Aktuell gibt es rund 200 Mitglieder in der Grünen Jugend Frankreichs oder übersetzt "Les Jeunes Verts". Das sind zwar um einige weniger als die Grüne Jugend hat, aber für Frankreich ist das nicht schlecht, zumal man in allen größeren Städten wie Nantes, Toulouse, Lyon, Lille und Paris vertreten ist. Insgesamt gibt es 14 Ortsgruppen, die man sogar sehr stylisch mit Übersichtskarte auf der Webseite betrachten kann. Zudem gibt es noch eine Hochschulgruppe an der politikwissenschaftlichen Universität SciencePo Paris. Diese Gruppen sind aufgrund der begrenzten Mitgliederzahl mehr oder weniger aktiv, was auch das Fehlen von Jungen Grünen auf dem Land - große Teile Frankreichs sind sehr rural - erklärt.

Die Ziele der Jeunes Verts sind den unseren recht ähnlich: so stehen sie unter anderem ein für eine ökologische Revolution, für mehr Autonomie und Mitbestimmung bei der Arbeit, für die Legalisierung von weichen Drogen, für die Autonomie der Bildung (aber gegen deren Privatisierung), für ein europäisches Referendum zum EU Grundlagenvertrag und gegen Gentechnik.

Es gab in den 90er Jahren bereits einmal einen junggrünen Verband namens "Ecolo-J les jeunes Verts européens" (übersetzt etwa Ecolo-J die jungen europäischen Grünen), der sich kurz darauf und nach dem Zusammenschluss mit anderen Organisationen den peppigen Namen "Chiche !" gab. Das wiederum bedeutet etwa so viel wie "Die Wette gilt!". Im Jahr 2001 hat sich hiervon dann das sogenannte Forum der Jungen Grünen aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen hinsichtlich der politischen Arbeit abgespalten. Der heutige Name Les Jeunes Verts - la Souris Verte (Die jungen Grünen - die grüne Maus) wurde schließlich 2004 beschlossen.
Les Jeunes Verts sind wie die Grüne Jugend Mitglied der Federation of Young European Greens (FYEG). In diesem Jahr sind sie zum ersten Mal GastgeberInnen eines FYEG-Seminars, nämlich des Wintercamps, das Mitte März 2008 in Nantes stattfand (die Grüne Jugend Deutschland hatte dieses Mal leider zu spät Plätze für TeilnehmerInnen zugeteilt bekommen, weil es logistische Komplikationen gab und unsere Anmeldung nicht ankam). Das Thema dieses Wintercamps war Energie in Europa.

Zuvor haben zudem in ganz Frankreich die Kommunal- und Départementalwahlen stattgefunden, bei der sich die Jeunes Verts aktiv im Wahlkampf beteiligt und in einigen Städten auch jungen KandidatInnen zu erfolgversprechenden Listenplätzen verholfen hat. Dabei traten sie sowohl auf Listen der Grünen, aber auch auf Listen der Union de la gauche und der Ecologistes an. Als Jugendverband an sich ist man wie bei uns von der Partei unabhängig.

Die Aktionen der Jeunes Verts

Trotz der Tatsache, dass les Jeunes Verts bei weitem nicht so viele Mitglieder haben wie die GRÜNE JUGEND, sind sie in aktionistischer Hinsicht doch ziemlich aktiv:

Aktion der Jeunes Verts in Paris

Ähnlich wie unsere Grüne Jugend Aktion "Think Big - drive Small" bzw. Autowechsel-Jetzt! wurden in Paris nun schon mehrere Safaris organisiert, bei denen Grüne Jugend AktivistInnen verkleidet als wilde Tiere durch die Straße ziehen und auf die Nutzlosigkeit von großen Autos in Innenstädten protestieren (insbesondere von Autos mit Vierradantrieb oder sog. 4x4). Die Jagd auf diese Autos endet dann z.B. mit der Plakatierung jener mit Info-Flyern, Aufklebern und Absperrband. Von der letzten Aktion wurde dazu auch ein kurzes Video online gestellt. Ähnliche Aktionen fanden auch in anderen Städten statt, wobei auch hier meist sehr gut per Flickr oder Dailymotion berichtet wird.

Zum Thema Slow Food und biologische Ernährung gab es auch schon Aktionen, z.B. das kostenlose Verteilen von Bio-Äpfeln vor McDonalds Filialen oder das Angebot biologischen Mittagsessens vor Unimensen.

Des Weiteren beteiligt sich die Grüne Jugend in den sozialen Bewegungen, so etwa letzten Herbst an den Blockaden und Demonstrationen gegen eine Öffnung der Universitäten gegenüber Unternehmen. Dazu gehört auch die Beteiligung in diversen Netzwerken für die Rechte der Sans-Papiers (wie die illegalisierten Menschen in Frankreich genannt werden), gegen Nuklearenergie und Genfood. Bei letzterem nahmen zum Beispiel Mitglieder der Jeunes Verts an frankreichweiten Hungerstreiks teil.

Viele der Aktionen dokumentiert die Pariser Ortsgruppe per Video und stellt diese dann auf einer Internetplattform online. Auch wenn mensch vielleicht kein französisch versteht sind die Bilder oft selbst aussagekräftig genug, so dass mensch da durchaus gelegentlich mal nachsehen kann, welche Aktionen wieder filmisch festgehalten wurden.

Weitere junggrüne Verbände in Frankreich

Es gibt auch noch einige unabhängige Souris Verts (= die Grünen Mäuse), die sich aus unterschiedlichen Gruppen nicht der Föderation der Jeunes Verts angeschlossen haben - ein Beispiel hierfür ist etwa die lokale Gruppe in Rennes.

Neben den Jeunes Verts gibt es heute noch das zuvor bereits erwähnte "Chiche !", das bis vor kurzem noch Mitglied bei FYEG war. Sie bezeichnen sich selbst als Jugendbewegung der politischen Ökologie, und werden dabei heute von keiner Partei unterstützt. Vor der Abspaltung der Jeunes Verts war Chiche! aufgrund der starken Bewegungen in der grün-alternativen Szene in Frankreich zeitweise gleichzeitig Jugendbewegung der Verts als auch einer anderen Partei, der Alternatifs. Chiche! selber ist heute wie die Jeues Verts föderal organisiert, und ist mit Ortsgruppen vor allen Dingen in größeren Universitätsstädten wie etwa Lille, Rennes, Toulouse, Bordeaux, und natürlich Paris anwesend.

Die Autoren mit einigen AktivistInnen vor einem McDonalds

Zudem gibt es in Frankreich noch andere ökologische-alternative Jugendbewegungen, die mehr oder weniger stark organisiert sind. Ein Beispiel sind etwa die Alternatceurs, die aus der katholischen Landjugendbewegung entstanden sind und sehr aktionsorientiert arbeiten. Die Zusammenarbeit mit Chiche! und den Jeunes Verts untereinander ist von Stadt zu Stadt unterschiedlich, und häufig auch sehr personenbezogen. In Lille etwa wurden gemeinsam Aktionen des Clan du Neon durchgeführt, wobei nachts sämtliche Neonreklamen der Innenstädte abgeschaltet werden. Ein anderes Beispiel ist die Velorution, wo durch eine möglichst große Anzahl von FahrradfahrerInnen an einer Stelle versucht wird, das Verkehrsverhalten in den Innenstädten zum Positiven hin zu beeinflussen.

Mehr Fotos z.B. bei Flickr.