In Kopenhagen wird unsere Geschichte entschieden.

31.07.2009: Bericht aus dem internationalen Klimacamp in Kopenhagen.

Heiß brennt die Sonne auf die grüne Parkfläche, auf dem das Klimacamp, am Rand von Kopenhagen die Zelte aufgeschlagen hat. Es ist Nachmittag und ich döse unter einem großen Ginkobaum im Halbschatten. Meine Lider öffnen sich, als Blätter rauschem. Genau über mir bewegt sich etwas in der großen Krone. Ein Gesicht lacht zu mir herab. Ich lache zurück und döse in meiner Siesta weiter vor mich hin. An Überraschungen habe ich mich hier gewöhnt. Auch an Menschen, die auf Bäume klettern, um ein paar leckere Ginkoblätter als Zusatz für den VoKü Salat zu pflücken. „Ökos“, „Hippies“, „ Weltenbummler“ könnte mensch die Klimacamper schimpfen. Die sich mit von der Sonne erwärmten Wasser duschen, den Müll akribisch trennen, abends stundenlang Gitarre spielen, wilde Kräuter sammeln gehen, vegan VoKü kochen und stets mit containern für frisches Gemüse sorgen. Willkommen im internationalen Klimacamp, das vom 11.-20. in Kopenhagen stattfand.

Über hundert Menschen kamen zusammen, aus Süden, Norden, Westen und Osten, um gemeinsam Klimaschutz zu leben- anders zu leben. Und gemeinsam für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Stundenlang philosophieren sie in verschiedenen Workshops über Klimagerechtigkeit, die Verantwortung der Industrieländer, unsere Verantwortung als junge Generation, die Legitimation der Konferenz. Unsere Erwartungen, Forderungen, Hoffnungen. Und wer wir überhabt sind. Der bunte Mix kommt aus verschiedenen Ländern, Szenen, Organisationen und freien AktivistInnen. Sind wir ein Teil einer großen Jugend-Klimabewegung? Und gibt es die überhaupt?

Die Jugend ist schuld...weil sie sich nicht geschlossen aufbäumt, gegen die drohende Klimakatastrophe. Die Jugend ist naiv..., wenn sie sich doch wehrt uns radikale Forderungen stellt. Die Jugend ist zu brav..., wenn sie doch nichts macht. Die Jugend hat den Bogen überspannt..., wenn es dann doch zu Besetzungen und dergleichen kommt. Viele „Alte“ sagen, sie verständen nicht, dass wir keinen Aufstand machen. Die „Jugend“ fragt, warum nach 15 Jahren internationalen Klimaverhandlungen erst kleine Minischritte zu erahnen sind.

Fakt ist, der Klimawandel betrifft am härtesten Menschen in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Also jenen, die die Temperaturerhöhung am wenigsten zu verantworten haben. Und Fakt ist, das die ganze Wucht der Veränderung in den nächsten Jahrzehnten besonders die jetzige heranwachsende Generation treffen wird. Deswegen ist Klimawandel auch die zentrale Frage nach sozialer globaler Gerechtigkeit.

„The one solution, no pollution“ rufen die KlimacamperInnen. Schrill trillern die Pfeifen, Nervig quietschen die Klingeln der Fahrräder, die sich am Samstag durch Kopenhagen schlängeln. Eine Fahrraddemo legt den Verkehr lahm. Ein Vorgeschmack auf die Proteste im Dezember? Irritiert schauen die Mitarbeiter des Energieministeriums, als sich Särge vor ihrer Pforte stapeln. Und vielleicht Angst in dem ein oder anderem Gesicht, als die Türen des Energieministeriums mit Ketten verschlossen wird. “Ihr kommt hier nicht eher raus bis ihr wirklich etwas für Klimaschutz leistet“ Ein Vorgeschmack, wenn jugendliche Ernst machen und auf ihr Recht auf radikalen Klimaschutz pochen. Wenn tausende die Konferenz einschließen und laut der Ruf erschallt „climate justice now- Klimagerechtigkeit jetzt“ Denn es gibt sie, junge Menschen die aufstehen und die Welt verändern wollen. Und ihnen ist es egal wenn gleichaltrige oder ältere Generation sie als naiv abstempeln. Die KlimacamperInnen sind gekommen um zu verändern.

Mehr Bilder vom Klimacamp könnt ihr hier finden

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