Anschlag auf Grüne Jugend Brandenburg

06.01.2005: Mit Luftgewehren schossen Unbekannte am Wochenende auf die Mitgliederversammlung der Grünen Jugend Brandenburg. Mehrere Scheiben wurden beschädigt, niemand wurde verletzt. Die Polizei ermittelt, der Hintergrund der Tat ist noch unklar.

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben Unbekannte ein abgelegenes Haus beschossen, in dem die Grüne Jugend Brandenburg ihre Mitgliederversammlung abhielt. "Es gab irgendwann zwischen 23 und 24 Uhr die ersten Schüsse", so Christian Hahn, 22, der vor Ort dabei war. Arne Schaller, der am Wochenende zum Sprecher der Grünen Jugend Brandenburg gewählt wurde: "Wir saßen bei einer Diskussion zusammen und dachten erst, dass jemand mit Steinen an die Fenster wirft. Dann merkten wir, dass offenbar gezielt auf die erleuchteten Scheiben geschossen wurde."

Die Mitglieder tagten vom 14. bis 16. Januar in Rüdersdorf östlich von Berlin. Direkt um das Atelierhaus mit der Adresse Grüne Kehle 1 liegen Wiesen und Wald, zu dem Gebäude führt nur ein schmaler Weg, der nachts schwer zu erkennen ist.

Die Anwesenden gingen zu diesem Zeitpunkt immer noch davon aus, dass Jugendliche ihnen einen Streich spielen wollten. Drei Aktive liefen vor die Tür, konnten aber niemanden erkennen - und die Schüsse hörten für ein paar Minuten auf.

Gegen Mitternacht ging dann die erste Scheibe zu Bruch, erinnert sich Christian Hahn. Da aber keine Kugel zu sehen war, gingen die insgesamt rund 20 Aktiven nach wie vor von Steinen aus. Christian Hahn: "Es wurde besonders dann geschossen, wenn sich jemand am Fenster zeigte." Gegen 1 Uhr dann wurden die Schüsse intensiver, bald darauf wurde schnell hintereinander geschossen. Insgesamt gingen sieben Scheiben zu Bruch, eine davon wurde völlig zerstört. Die Teilnehmer löschten das Licht, flüchteten in den Flur oder einen der anderen Räume und riefen die Polizei.

Nach einer halben Stunde waren die Beamten da - PolizistInnenen der Landeseinsatzeinheit (LESE) Cottbus, die gerade zufällig auf dem Rückweg von einer Schulung in Königs Wusterhausen waren. Und so standen vor dem Tagungshaus gleich zwei Mannschaftswagen und noch ein paar kleinere Autos. Die TäterInnen waren jedoch schon geflüchtet und nicht mehr auffindbar.

Gegen drei Uhr traf dann in dem Haus ein Beamter der Kriminalpolizei ein. Er nahm die Personaldaten der Teilnehmer auf und teilte mit, es würden Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen. Um 5:40 Uhr kam die Spurensicherung, gegen 6 Uhr konnten die TeilnehmerInnen in die Betten und versuchen zu schlafen.

Seit Montag ist der Staatsschutz eingeschaltet. Fünf Polizeibeamte ermitteln wegen Verdachts der versuchten Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Joachim Gessinger, der Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Brandenburg, verurteilte den Anschlag und forderte Aufklärung: "Die Schüsse sind kein Bagatelldelikt. Nach meiner Auffassung ist hier weit mehr zu Bruch gegangen als einige Fensterscheiben. Es geht einmal mehr um Gewalt gegen Personen." Unabhängig davon, ob diese Gewalt politisch motiviert ist, sei es nicht hinzunehmen, dass Jugendliche durch derartige Anschläge eingeschüchtert werden. Gessinger: "Wer will, dass sich die Jugend in diesem Land politisch engagiert, muss für ein offenes und gewaltfreies Klima einsetzen."

Sowohl die TäterInnen als auch das Motiv der Tat liegen derzeit noch völlig im Dunkeln. Auf der Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend Brandenburg ging in einer Strukturdebatte um die Zukunft des Verbandes, außerdem wurde der Vorstand neu gewählt. Es war bundesweit das erste Mal, dass eine Veranstaltung der GRÜNEN JUGEND mit Gewalt angegriffen wurde.