Zahl der Neonazis steigt

06.01.2005: In Deutschland gibt es immer mehr Neonazis. Wie der Tagesspiegel meldet, ist deren Zahl in den vergangenen beiden Jahren von 2.600 auf 3.800 gestiegen.

Die Zahl der Neonazis in Deutschland ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen, berichtet der Tagesspiegel. Es sei eine Zunahme um 800 auf nun 3800 zu verzeichnen, sagten Sicherheitsexperten dem Blatt. Damit hat sich die Ausbreitung des braunen Milieus beschleunigt: Im Jahr 2002 stellten die Behörden 2600 Neonazis fest, 2003 waren es dann 3000. Von dem aktuellen Zuwachs auf 3800 sind besonders Berlin und Brandenburg betroffen. In Berlin stieg die Zahl der Neonazis auf 950 (2003: 750), in Brandenburg auf 300 (220). Die Verfestigung der Neonazi-Szene, auch ideologisch, sei vor allem ein Problem des Ostens und Berlins, hieß es in Sicherheitskreisen.

Das Wachstum der Szene hat sich jedoch nicht in einer Zunahme der Neonazi-Kameradschaften niedergeschlagen. Bundesweit gibt es weiter etwa 160, deren Attraktivität offenbar durch große Aufmärsche und andere Provokationen wächst. Im Westen hätten die Kameradschaften eher "Freizeitcharakter mit rechtsextremem Touch", so ein Experte.

Auch das Potenzial der subkulturell geprägten und sonstigen gewaltbereiten Rechtsextremisten, also vor allem Skinheads, blieb mit 10 000 Personen unverändert hoch. Es sei besorgniserregend, dass zunehmend junge Ersttäter diejenigen Skinheads ersetzten, die nach zwei Jahren ohne größere Auffälligkeiten aus der Statistik herausgenommen werden, hieß es in Sicherheitskreisen. Außerdem sei zu beobachten, dass Neonazis und rechte Skinheads "Mischszenen" bilden.

Die NPD stagniert trotz ihres Wahlerfolgs in Sachsen und der Allianz mit Neonazis bei 5000 Mitgliedern. DVU und "Republikaner" verloren je 500 Anhänger. Die mit der NPD verbündete DVU zählt nun 11000 Mitglieder, bei den Reps sind es 7500. Die Zahl der rechten Straftaten ist noch unklar. Es zeichne sich, so Experten, ein Rückgang der Gewaltdelikte ab.