Lila Nazibus mit Wagner-Musik
29.03.2005: Am 19. März demonstrierten 200 Neonazis in Würzburg. An dem bunten Protest gegen den Aufmarsch beteiligte sich auch die Grüne Jugend - hier ein Bericht:
Am Samstag, den 19. März, nahmen 200 Neonazis die Bombardierung Würzburgs vor 60 Jahren zum Anlass, um einen "Trauermarsch" abzuhalten. Die NPD Unterfranken rief unter dem Motto "Kein Vergeben! Kein Vergessen!" zum Zug durch die Innenstadt Würzburgs auf. Der folgende Bericht soll einen Überblick über den Verlauf dieses Tages geben:
Die ersten VertreterInnen der Grünen Jugend Main-Tauber, die aus dem nördlichen Baden-Württemberg angereist waren, trafen um 13:30 Uhr am Würzburger Hauptbahnhof ein und machten sich sogleich auf den Weg zum Geschwister-Scholl-Platz - dem Ausgangspunkt der Demo des Antifaschistischen Bündnisses in Würzburg. Auf dem Weg dorthin begegnete man den sich sammelnden DemonstrantInnen, die dem Aufruf der Kirchen gefolgt waren. Von der Katholischen Jungen Gemeinde bis hin zu Burschenschaften (!) waren dort Personen jeglichen Alters vertreten, die mit zahlreichen "Würzburg Bunt statt Braun"-Buttons ausgestattet waren.
Die TeilnehmerInnen der Antifa-Demo, die nach Leibesvisitationen der Polizei gegen 11 Uhr begann, waren bunt gemischt - viele SchülerInnen und StudentInnen, aber auch ältere Frauen und Männer. Trotz guter Stimmung waren Sprechchöre oder Transparente eher Mangelware. Auf dem Vorplatz des Mainfrankentheaters wurde die Demo bereits gegen 12 Uhr aufgelöst.
Um 13 Uhr ging es dann mit einer Kundgebung des Würzburger Friedensbündnisses weiter, die von Reden, der Punkband Rejected Youth und einer Gesangsgruppe der IG Metall begleitet wurde. Die Grüne Jugend Main-Tauber, deren Demo-Fraktion inzwischen durch weitere anreisende Mitglieder verstärkt wurde, entschloss kurz vor Ende des Konzerts zum Bahnhof zu ziehen, der als Sammel- und Startpunkt der NPD Demo angekündigt worden war. Der Bahnhof jedoch wurde massiv von der Polizei abgeschirmt, die auch zahlreiche "Platzverweise" an die vielen jugendlichen DemonstrantInnen verteilte. Dank des starken Aufgebots der Polizei war kein Durchkommen für die Antifaschistischen. Diese Tatsache sorgte dafür, dass sich die GegendemonstrantInnen teilweise über die Stadt verteilten um sich einen guten Platz an der NPD-Demoroute, die vom Bahnhof über den Röntgenring, die Koelikestraße, die Juliuspromenade, den Kranenkai, die Friedsbrücke und die Luitpoldstraße bis hin zum Neunerplatz verlief, zu sichern.
An den verschiedenen Abschnitten entlang der Route war jedoch erst einmal Warten angesagt, da die Polizei den Demozug der Faschisten nicht wie geplant um 15:00 Uhr losziehen lies, sondern erst um 16:30 Uhr. Mit traurigen Gesichtern und ein bisschen "Traueratmosphäre", die durch Wagner-Musik geschaffen werden sollte, folgte die NPD schweigend ihrem hell-leuchtenden und pinken Lautsprecherwagen. Alles andere als schweigend verhielten sich hingegen die AntifaschistInnen, die an beiden Seiten den "Trauerzuges" mitverfolgten, um ihren Ärger und ihre Wut über den Aufmarsch der Nazis (es waren ca. 200 Rechte da) durch Rufe und Pfiffe Luft zu machen. Zum Zug der Nazis zählten nicht nur die typischen Glatzköpfe, Skinheads und Opas zu den "Trauernden", sondern erschreckenderweise waren auch sehr viele junge Leute anwesend. Ebenso war der Frauenanteil verhältnismäßig hoch.
Während der Demonstration waren Nazis und GegendemonstrantInnen stets durch eine Reihe von PolizistInnen voneinander getrennt. Bis auf kleine Zwischenfälle, wie zum Beispiel einige kreative Wurfgeschosse, wie Bananen, Äpfel oder Eier, die auf die Nazis flogen, verlief die Demo größtenteils friedlich.
An der Friedensbrücke verhinderte die Polizei jedoch den Weiterzug der GegendemonstrantInnen, so dass die Nazis nicht weiter an ihrem geschichtsrevisionistischen Zug gehindert wurden und alleine über die Friedensbrücke ziehen konnten. Jedoch hatten sie keine lange Verschnaufpause, da auf der anderen Seite der Brücke wieder einige hundert GegendemonstratInnen mit Pfiffen, Sprechchören und Transparenten auf sie warteten. Die Abschlusskundgebung der Nazis am Neunerplatz konnte nicht verhindert oder gestört werden, da die Polizei auch hier kurzerhand die Straße für die AntifaschistInnen sperrte und die Nazis von ihnen unbehelligt ließ. Wie jedoch später in den Zeitungen zu lesen war, musste während der Rede eines NPD Funktionärs der anwesende Staatsanwalt wegen volksverhetzender Äußerungen einschreiten.
Während des Zugs der Nazis zurück vom Neunerplatz zum Bahnhof kam es an der Friedensbrücke erneut zu einer Einkesselung der Gegendemonstranten. Wiederum konnten die Nazis jedoch nur kurz unbehelligt durch Würzburg marschieren, denn auf der anderen Seite warteten einige hundert Antifaschistischen. Am Bahnhof angekommen, wurde die NPD-Demo schließlich aufgelöst und die NPD-AnhängerInnen verschwanden fluchtartig zu ihren Zügen.
Dieser Bericht erschien zuerst auf der Webseite der Grünen Jugend Main-Tauber