Die Grüne Frauenkonferenz

Es gilt die Rollenbilder aufzubrechen!

19.04.2010: Ein Bericht von Franza Drechsel über die Bundesfrauenkonferenz der Grünen, die vom 17. bis 18. April in Bonn stattfand.

Wo ich hinsehe, treffen meine Blicke einzig Frauen: diskutierende Frauen auf dem Podium, rauchende Frauen auf dem Balkon, netzwerkende Frauen beim Buffet. Frauen, Frauen, Frauen. Mehr als 100 Frauen aus dem gesamten Bundesgebiet sind trotz widriger Umstände durch „die Wolke“ nach Bonn gereist um an der Bundesfrauenkonferenz der Grünen teilzunehmen. Nur der Getränkeservice und der Koch sind beide Männer. Und auch die Technik besteht aus Männern.

Warum die Techniker Männer sind, ist letztlich ein Grund, warum es die Konferenz überhaupt gibt: Noch immer werden viele Berufe eher von Männern (Technik) oder eher von Frauen (Erziehung) ausgeübt. Damit einhergehend werden die Berufe, in welchen verstärkt die Frauen arbeiten, oft schlechter bezahlt. Frauen arbeiten eher Teilzeit und sie sind häufiger als Männer befristet beschäftigt. Meistens trifft sie zudem die so genannte „Doppelte Vergesellschaftung“, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.Ähnliche Themen finden sich im Programm wieder. Dieses Wochenende soll über den Green New Deal gesprochen werden: Ist er auch ein guter Deal für Frauen? Wie können wir garantieren, dass er es wird?

Die alle zwei Jahre stattfindende Bundesfrauenkonferenz bietet einen Rahmen für Frauen, sich auszutauschen – Männer können zwar dazukommen, haben aber kein Rederecht. So sind drei Podien zum sozial gerechten Wirtschaften, gendergerechter Bildungspolitik und guter (Frauen)Arbeit mit hochkarätigen Frauen aus Wirtschaft, Journalismus, Gewerkschaften und Grünen besetzt. Zwei kurze Workshopphasen sollen darüber hinaus Platz lassen für mehr Partizipation. Letztlich aber ist das Thema zweitrangig – es geht vorrangig darum, sich ausführlich mit Frauenpolitik zu beschäftigen. Ein weites Feld, das in alle Bereiche ragt. Die Konferenz ist eine tolle Gelegenheit, grüne frauenpolitisch aktive Frauen kennen zu lernen und mit ihnen zu diskutieren, egal zu welchem Thema.

Fazit ist eigentlich, dass Rollenbilder weiter aufgebrochen werden müssen. Sie sind es, die den Kampf um Gleichberechtigung so schwer machen. Leider höre ich zu oft Formulierungen, in denen alle Männer über einen Kamm geschert werden und die damit allen Männern pauschal unterstellen, lieber arbeiten zu wollen, als Windel zu wechseln. Diese allgemeine Verteuflung der Männer und damit das explizite Nutzen von ‚männlichen’ Rollenbildern ist für mich kein Feminismus. Auch ich sehe, dass es eine Vielzahl von Männern gibt, die so denken. Und dass darum in jedem Podium oder Workshop eine Frau dazu aufruft, Rollenbilder endlich aufzubrechen. Doch: Rollenbilder brechen wir nur dann auf, wenn wir zugeben, dass es auch Männer gibt, die anders ticken. Es gilt, diese Männer in den Vordergrund zu rücken und sie als beispielhaft (wenngleich sicherlich nicht perfekt – genau wie Frauen auch nicht perfekt sind) darzustellen. Ähnlich wie beim Gendern müssen wir das Nichtbenannte benennen und so die Aufmerksamkeit auf das lenken, was wir wollen: Gendersensible Männer, die mit uns Frauen an einem Strang ziehen. Unser Kampf um wirkliche Gleichberechtigung und um die Abschaffung der Geschlechter ist noch lange nicht vorbei. Lasst uns nicht gegeneinander, sondern endlich gemeinsam kämpfen.