GRÜNE JUGEND beim March of the Living

29.05.2005: Eine Delegation der GRÜNEN JUGEND nahm vom 04. bis 07. Mai 2005 am diesjährigen "March of the Living" (MOL) teil.

Der March of the Living (MOL) wird seit 1988 jedes Jahr anlässlich des Holocaust-Gedenktages in Israel durchgeführt. Überlebende der Shoa, deren Kinder und Enkel und andere jüdische und nicht-jüdische Menschen kommen aus der ganzen Welt zusammen, um am Ort der Vernichtung der Toten zu gedenken, um sie zu trauern und ein Zeichen zu setzen, dass etwas wie der Holocaust nie wieder geschehen darf.

Zum ersten Mal seit Bestehen des MOL nahmen dieses Jahr auch deutsche und österreichische Delegationen teil. Die GRÜNE JUGEND war Teil einer vom Deutschen Bundesjugendring (DBJR) organisierten Delegation, die insgesamt aus 120 jungen Menschen aus so unterschiedlichen Organisationen wie z.B. amnesty international oder der evangelischen Jugend Dekanat Vogelsberg bestand (siehe auch Fotogalerie)

Gedenkveranstaltung

Den Auftakt zur Gedenkveranstaltung bildete ein einstündiger Schweigemarsch vom Stammlager Auschwitz nach Birkenau. Dieses Jahr nahmen daran etwa 18.000 Menschen teil, so viele wie nie zuvor. Auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers, inmitten der Baracken, fand dann nach einigem Warten die offizielle Gedenkveranstaltung statt. Geladene Vortragende waren unter anderem der Literaturnobelpreisträger Eli Wiesel, der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon und der ehemalige israelische Oberrabbiner Meir Lau. In den Reden wurde nochmals deutlich, wie wichtig die Existenz des Staates Israel für jüdische Menschen gerade nach dem Holocaust ist. Die Atmosphäre auf der Veranstaltung schwankte zwischen (Über-)Lebensfreude, tiefer Trauer um die Toten und einem starken Gefühl der Zusammengehörigkeit zwischen den Teilnehmenden.

Rahmenprogramm

Die Gedenkveranstaltung war eingebettet in ein mehrtägiges Rahmenprogramm, durch das unter anderem die jahrhundertlange jüdische Geschichte in Polen vermittelt werden sollte. Ziel dieses Programms ist, Bildungs- und Erinnerungsarbeit an den Orten des Geschehens und durch Begegnungen mit Zeitzeugen zu leisten. Es beinhaltete Führungen durch Wrocław (ehemaliges Breslau) und Krakau und die Besichtigung der Konzentrationslager Auschwitz und Birkenau. So besichtigten wir in Wrocław und in Krakau jeweils den jüdischen Friedhof, so wie mehrere Synagogen und hatten die Gelegenheit zum Austausch mit Mitgliedern der heutigen jüdischen Gemeinden. In Wrocław gibt es noch bzw. wieder ca. 400, in Krakau ca. 80 Gemeindemitglieder, die größtenteils ursprünglich nicht aus den jeweiligen Städten stammen, sondern hauptsächlich aus der ehemaligen Sowjetunion. Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Programms war, dass jede Gruppe jeweils von einem Zeitzeugen der Shoa begleitet wurde. In unserem Fall war dies Dani Schwarz aus Israel, dessen deutsche Großmutter in Auschwitz ermordet wurde.

DBJR-Veranstaltung

Am 06. Mai hatten die teilnehmenden Mitgliedsorganisationen des DBJR die Möglichkeit, ihre Projekte im Bereich Erinnerungsarbeit bzw. Aufarbeitung des Holocaust vorzustellen. Dabei hatte die Delegation der Grünen Jugend Gelegenheit, über verschiedene Projekte im Rahmen der von ihr ins Leben gerufenen Bildungsoffensive gegen Rechts zu informieren sowie über die im Februar diesen Jahres durchgeführten trilateralen Fahrt nach Auschwitz (Grüne Jugend Österreich, Polen und Deutschland) zum Thema Nationalismus. Die Veranstaltung fand im Cafe einer polnischen Studierendenvereinigung statt. Zu Gast war unter anderem Dr. David Machlis (Internationaler Direktor und Vize-Präsident von MOL), der uns über Geschichte und Hintergrund vom MOL berichtete. Außerdem war der Vorsitzende des israelischen Jugendrings (CYMI), Yaniv Sagee, anwesend, der uns in seinem Vortrag über Erinnerungsarbeit in Israel informierte.

Obwohl wegen des straffen Programms teilweise sehr wenig Zeit für die Verarbeitung der vielen Eindrücke blieb, war die Teilnahme am "March of the Living" für uns eine sehr bewegende und besondere Erfahrung. Wir hoffen, dass auch in Zukunft viele (junge) Menschen aus Deutschland die Gelegenheit haben werden, an dieser Form des Gedenkens und der Geschichtsaufarbeitung teilzuhaben.

Miriam Kapinus und Judith Vogel

Siehe auch

Fotogalerie, aufgenommen von den GRÜNE-JUGEND-TeilnehmerInnen am MOL