Regenwaldschutz der Zukunft?
07.05.2011: Der dritte Teil unserer Artikelserie zur Waldwoche 2011
In den internationalen Klimaverhandlungen ist seit dem Jahr 2005 die Rede von einem Mechanismus, der die Treibhausgasemissionen durch die Rodung oder Beschädigung von Wäldern freigesetzt werden, kontrollieren soll, in dem er die Erhaltung attraktiver macht. Es scheint einer der viel versprechendsten Versuche des Regenwaldschutzes auf internationaler Ebene bisher zu sein – doch mit sich bringt der Vorschlag viele Probleme und Vorbehalte, die in weiteren Ausgestaltung berücksichtigt werden müssen.
Diskutiert wird dieser Mechanismus unter dem Namen REDD bzw. REDD+. REDD bedeutet dabei reducing emissions from deforstation and forest degradation in developing countries, also Reduzieren von Emissionen durch Entwaldung und Walddegradierung in Entwicklungs- und Schwellenländern, und das + steht für den Ansatz in den Mechanismus sowohl Aufforstung sowie Walderhaltung miteinzuschließen. Dabei werden die Industrieländer für die Finanzierung des Mechanismus verantwortlich sein.
Obwohl seit 2005 im Gespräch gab es bis zu den Klimaverhandlungen in Cancun 2010 keinen Rahmen für REDD, über den sich die Staaten der Welt in den Klimaverhandlungen einigen konnten. In Cancun kam dann aber ein merklicher Fortschritt. Mit den Entscheidungen in Cancun konnte für einiges Sicherheit geschaffen werden, wie zum Beispiel einen festen Ablauf, an den sich alle REDD Projekte ab sofort halten müssen, oder noch viel wichtiger die Rechte Inigener Völker, die in den sogenannten REDD-Safeguards (REDD-Schutzvorkehrungen) festgeschrieben wurden. Das ist wichtig, da in vielen REDD Pilotprojekten um einen schnelleren Fortschritt zu erreichen, die Indigene Bevölkerung weitestgehend außenvorgelassen wird. Einige größere Probleme bei REDD bleiben aber weiterhin ungelöst, wie zum Beispiel die Walddefinition der Klimaverhandlungen, die auch für REDD gilt, und die Finanzierungsstruktur von REDD, die immer noch nicht geklärt ist.
Definition von Wald
Um über Wald reden zu können und damit auch politische Maßnahmen zu ergreifen, ist es wichtig eine gute Definition von Wald zu haben. Die Definition muss einiges umschließen. Wald ist nicht immer komplett mit Bäumen bedeckt, ein Wald kann ein Nutzwald sein, aber auch ein Urwald. Die Grenzen zwischen einem Wald und einer Savanne oder einer Baumplantage sind fließend. Bei der Definition von Wald der UNFCCC wurde sich an die Definition der FAO gehalten. Hiernach ist ein Wald ein Gebiet, dass zu mindestens 10% mit Baumkronen bedeckt ist. Das bedeutet ein Fußballfeld mit Bäumen in den Ecken und einem Baum in der Mitte gilt als Wald. Der Vorteil hieran ist, dass auch lichte Wälder zum Beispiel in Savannen erfasst werden.
Weiterhin gehören auch Wiederaufforstungen und Verjüngungen des Waldes zu der Definition. So flexibel diese Definition auch sein mag, sie birgt grundlegende Probleme. Es wird nicht zwischen einem Naturwald und einer Plantage unterschieden. Das kann die Rodung des Urwaldes eher noch beschleunigen als bremsen, da es auch für Rodungen und darauf folgende Wiederaufforstungen mit Monokulturen beispielsweise Geld für den Waldschutz geben kann (mit katastrophalen Folgen für die Wasserversorgung der Region, die Biodiversität und möglicherweise Menschen, die den Wald als ihre Heimat betrachtet haben). Außerdem wird der Grad der Degradierung nicht präzise erfasst. Eine Plantage ist kein intakter Wald, wird aber mit einem intakten Wald gleichgestellt. Hier gibt es also konkreten Handlungsbedarf. Hierfür muss die Definition zwischen verschiedenen Waldarten trennen. Ein Nutzwald muss anders behandelt werden, als ein wertvoller Urwald. Wenn das System von REDD zum Waldschutz beitragen soll, bedarf es hier auch einer wirklich guten Definition von Wald. Wald muss die Biodiversität fördern, außerdem muss der internationale Waldschutz die Rechte der Indigenen schützen. Nur so kann er als Lebensraum erhalten bleiben und als Kohlenstoffsenke funktionieren. Das World Ressources Institute macht hierzu den Vorschlag, Wald als Lebensraum anzusehen, indem alle Arten überleben können. Das ist ein guter Ansatz einer Definition. Trotzdem reicht dies nicht aus. Die wichtige Frage, die politisch geklärt werden muss ist, wie das Verhältnis von Nutz- und Naturwald aussehen soll. Das Wälder weiterhin genutzt werden steht außer Frage, REDD kann ein Schritt dahin sein, dass die Waldnutzung der Zukunft nachhaltiger und im Einklang mit dem Ökosystem geschieht.
REDD Finanzierung
Zur Finanzierung von REDD gibt es im Moment schon eine Vielzahl von Ansätzen. Die Weltbank hat allein schon zwei Fonds aufgesetzt, die insgesamt ca. 790 Mrd. Dollar fassen sollen. Einzelne Staaten wie Norwegen lassen auch über bilaterale Verträge Geld in REDD Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern fließen. Sogar Großkonzerne wie Shell beteiligen sich für die Verbesserung ihres Images an REDD Projekten in Indonesien. Ein nicht unwesentlicher Teil des in Kopenhagen versprochenen Geldes zur Schnellstart Finanzierung wurde von Deutschland in REDD- Fonds der Weltbank gegeben. Und das alles ohne, dass es je ein Übereinkommen über die Finanzierung von REDD auf internationaler Ebene gab. Aber warum wuchern REDD Projekte und Finanzierungsmöglichkeiten überall auf der Welt? Zuerst ist für alle schnell ersichtlich, dass die Verlust an Regenwald schwerwiegende Folgen für Klima und Umwelt hat. Eine Investition in die Reduzierung dieses Desasters ist also immer billiger als die Kosten zu tragen. Staaten, die über eine große Regenwaldfläche verfügen, möchten die Chance auch nicht verstreichen lassen dafür Geld zu beziehen und die Finanziers erhoffen sich durch schnelle Finanzierung eine Möglichkeit die Ausgestaltung von REDD zu beeinflussen. So träumen manche Akteure von einer Miteinbeziehung von REDD in einen Weltweiten Emissionshandel oder einem Nachfolgemodell des Clean Development Mechanisms, der den Industriestaaten durch Projekte in Entwicklungsländern erlaubt Teile ihrer Reduktionsziele zu erreichen. Das Ergebnis ist eine eher intransparente und durch die lokalen Projekte schwer durchschaubare Struktur. Doch gerade auf internationaler Ebene ist es wichtig transparenz zu wahren, um eine möglichst einfache Kontrolle zu gewährleisten, die bestimmte Standards einhalten muss. Deswegen muss der REDD Finanzierungsmechanismus Teil eines Klimawandelfinanzierungskonzepts sein, das auf dem Prinzip der Klimagerechtigkeit beruht. Von Ideen wie der Einbeziehung von REDD in einen globalen Emissionshandel sollte abgesehen werden. Zum einen, weil das Prinzip als solches zweifelhaft ist, weil es ein Gemeingut (Luft) zur Ware macht, zum andern, weil der Emissionshandel so wie alle Märkte einer hohen Volatilität unterworfen ist, sodass es sogar fraglich sein kann, ob sich eine langfristige nachhaltige Strategie zur Reduktion der Emissionen aus Entwaldung und Walddegradierung lohnt. Deswegen fordern wir einen Fond, der die Einlagen der Industrieländer und die Verwendung in den Schwellenländern transparent macht. Er muss der Klimakonferenz unterstellt sein und ihr Rechenschaft ablegen.