Clara Herrmann

"Berlin grüner machen"

30.07.2011: Bereits seit 2006 ist Clara Herrmann (26) Abgeordnete des Berliner Ageordnetenhauses. Bei den Wahlen am 18.9. tritt die GJ-Kandidatin erneut auf Platz 11 der Landesliste an.

Liebe Clara, für die GRÜNE JUGEND warst du von 2004 bis 2006 als Sprecherin des Landesverbands Berlin aktiv, nun bist du bereits seit fünf Jahren Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus. Wie bist du zur Politik gekommen?

Ein Mensch, der Ungerechtigkeiten nicht unwidersprochen im Raum stehen lässt, war ich schon immer. Zwar waren weder meine Freunde noch meine Eltern parteipolitisch aktiv, selbst wenn wir Nachrichten gesehen haben und eine Tageszeitung im Abo hatten. Aber politisch zu sein, das bedeutet ja viel mehr: Ich war zum Beispiel Klassensprecherin und im Sportverein aktiv. Auch mit der Demokultur bin ich früh in Kontakt gekommen, als ich für Bildung auf die Straße gegangen bin.
Sicherlich ist der Schritt zur Parteipolitik noch ein ganz anderer. Für mich waren schon immer die Themen Umwelt, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit in allen Facetten von besonderer Bedeutung. Die Frage nach der politischen Farbe habe ich mir so direkt nicht gestellt. Es war für mich eher die Frage, ob ich mich bei den Grünen oder bei einer NGO engagiere. Schließlich habe ich 2002 über die Schule an einer Parlamentssimulation teilgenommen und dort Mitglieder der GRÜNEN JUGEND getroffen, war anschließend beim Aktiventreffen der GJ Berlin und Leute kennen gelernt, die für ähnliche Ideale, Ansichten streiten – und so bin ich zur GJ gekommen.

Welche Themen sind dir besonders wichtig?

Wie bereits angeklungen ist für mich das Leitmotiv ein allumfassender Gerechtigkeitsbegriff – nicht auf Kosten anderer leben: der Umwelt, anderer Menschen oder zukünftiger Generationen.

Was waren deine bisherigen Aufgaben als Abgeordnete?

Ich bin für die Fraktion Mitglied im Ausschuss für Bildung, Jugend und Familie; im Hauptausschuss (der kümmert sich um den Haushalt) und im Ausschuss für Verfassungsschutz.

Als jugendpolitische, haushaltspolitische Sprecherin und als Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus der Fraktion habe ich viele Aufgaben. Das geht von der „normalen“ Ausschussarbeit, in denen wir den rot-roten Senat kontrollieren und unsere grünen Konzepte und Ideen einbringen, z.B. unsere Initiative Wahlalter 16 oder ein Präventionsprogramm gegen Neonazis an Berliner Bildungseinrichtungen einzuführen, über das Stellen parlamentarischer Anfragen oder die klassische Plenarrede bis zu Aktionen vor Ort. Bei meiner Arbeit ist es mir wichtig, auch aus dem Abgeordnetenhaus raus zu kommen, mich mit Initiativen oder ExpertInnen zu treffen. Im Kampf gegen Rechts heißt das, nicht nur im Parlament, sondern auch auf der Straße konsequent gegen Menschenfeindlichkeit einzutreten und die Zivilgesellschaft zu stärken.

Wenn du am 18.9. erneut in das Berliner Abgeordnetenhaus gewählt wirst, was sind deine Ziele für die nächsten fünf Jahre?

Es wäre schön die nächsten fünf Jahre einer Regierungsfraktion anzugehören und Berlin grüner zu machen. Nachdem es diese Legislatur leider nicht geklappt hat mit dem Wahlalter 16 ist unter anderem das mein Ziel für die nächste Legislatur. Dann könnten 16- und 17jährige nämlich nicht nur an Landtagswahlen teilnehmen, sondern auch bei Volksentscheiden zur Urne gehen. Insgesamt geht es mir darum einen neuen Politikstil zu leben, in dem mehr Menschen einbezogen werden. Eben auch Gruppen die bisher gar nicht gefragt werden, insbesondere Kinder und Jugendliche. Und zwar keine Alibi-Beteiligungen, sondern echte Mitbestimmung. Ein Vorhaben ist die Einführung eines Jugendbudgets in jedem Bezirk. Über die Verwendung der Gelder können dann Kinder und Jugendliche selbst bestimmen.
Den Kampf gegen Rechtsextremismus und Rechtspopulismus kann nur eine aktive Zivilgesellschaft gewinnen, und die ist auf die Unterstützung der Politik angewiesen. Dabei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um einen transparenten Umgang mit Informationen zur rechtsextremen Szene. Denn nur wenn ich weiß, wie und wo die Nazis auftauchen, kann ich mich dagegen wehren. Insbesondere in Sachen Rechtspopulismus und wegen neuer Strategien der rechtsextremen Szene (Symbole, Kleidung, Musik usw.) braucht es mehr Aufklärung und Information, vom Jugendzentrum über die Schule bis zum Sportverein.
Eine große Baustelle wird der Berliner Haushalt sein. Berlin zahlt mehr an Zinsen als es für Hochschulen und Kitas zusammen ausgibt. Nachhaltig oder generationengerecht ist das nicht. Aber trotz knapper Ressourcen muss grüne Haushaltspolitik in Berlin Zukunftsinvestitionen in Bildung und Klimaschutz tätigen und darf nicht in blinden Einsparzwang verfallen. An der Stellschraube Hauhaltspolitik eine junggrüne-linke Perspektive einzubringen ist mir besonders wichtig.
Als Direktkandidatin in Friedrichshain liegen mir auch Themen wie keine Verlängerung der Autobahn A 100 durch den Kiez, eine soziale Mietenpolitik, die gegen extremen Mietsteigerungen und Verdrängung vorgeht, und eine Stadtentwicklungspolitik, die die Menschen vor Ort einbezieht und (alternative) Freiräume erhält bzw. ausbaut am Herzen. Es gibt also viel zu tun.

Abgesehen von der Politik, für welche Dinge interessierst du dich, was treibst du so in deiner Freizeit?

Gerade in einem Job wie diesem ist es für mich sehr wichtig, auch ein Leben außerhalb der Politik zu haben. Daher ist mir die Zeit für Treffen mit FreundInnen, zum Kaffee oder ins Kino, besonders wichtig. Einmal im Monat kommt unser generationenübergreifende Frauen-Literaturkreis zusammen. Bei leckerem Essen tauschen wir uns aus – gerade lesen wir vom aktuellem Nobelpreisträger Vargos Llosa „Das Paradies ist anderswo“. Leider bleibt mir kaum Zeit für sportliche Aktivitäten. Wenn ich sie dann doch finde reite ich gern durch die Uckermark und würde gern mehr Kicken, aber wie gesagt, dafür fehlt leider die Zeit.

Mehr über Clara erfahrt ihr auf ihrer Website