Jugend gegen Nationalismus

22.02.2005: Vergangene Woche haben acht Mitglieder der GRÜNEN JUGEND an der Jugendbegegnung "Jugend gegen Nationalismus" in Oswiecim (Auschwitz) teilgenommen. Julia Seeliger berichtet.

„Packt Euch warme Kleidung ein!“ hatte Bundesgeschäftsführer Mirko Seffzig die TeilnehmerInnen der Begegnung „Jugend gegen Nationalismus“ noch gewarnt. Kalt würde es werden in Polen. Und er behält recht: Je weiter der Zug nach Polen hineinfährt, desto größer werden die Schneeberge, die uns entgegenleuchten. Direkt in Oswiecim (Auschwitz) sind wir untergebracht – am Bahnhof erwartet uns aber erst mal Schneematsch.

„Taxifahren ist günstig in Polen,“ auch das hatte Mirko uns mit auf den Weg gegeben. So packen wir die Situation am Schopfe und transportieren mit dem Taxi nicht nur unser Gepäck, sondern auch zwei Bierkisten für die bereits in der Begegnungsstätte wartenden ÖsterreicherInnen und PolInnen. Die Flaschen werden aber nicht sofort geöffnet, zuerst wartet eine Vorstellungsrunde.

Auf jedem Stuhl ist pikanterweise ein Kondom plaziert. Georg Prack von der Grün-Alternativen Jugend Wien witzelt: „Die sozialistische Jugend Österreich muss Alimente für ein Kind, das auf einem ihrer Seminare entstanden ist, zahlen. Dem wollen wir vorbeugen.“ Die Kondome – eher ein Scherz, eine Auflockerung für den Anfang der Jugendbegegnung? Das vermag niemand abschließend zu sagen: Über den Verbleib der Kondome ist nichts Offizielles bekannt.

Aber: Wer denkt denn da gleich immer nur an das eine. Die Fakten zur Jugendbegegnung: Acht Mitglieder der GRÜNEN JUGEND haben sich vom 12. bis zum 20. Februar 2005 in Oswiecim mit Leuten von der Grün-Alternativen Jugend Österreich und jungen Mitgliedern von Zieloni 2004 (die polnischen Grünen) getroffen, um sich über Nationalismus zu informieren und auszutauschen. Dazu gehörte auch ein Besuch im KZ Auschwitz, der niemand unbeeindruckt ließ.

Jede Gruppe organisierte darüber hinaus einen Workshop. Die ÖsterreicherInnen widmeten sich der „Rechten Ökobewegung“, Zieloni 2004 fokussierten auf Antisemitismus in Polen und die GRÜNE JUGEND berichtete über „Neonazis und rechte Parteien in Deutschland“. Die Workshops wurden erst vor Ort konzipiert, das verlangte allen Teilnehmenden eine Menge Eigenengagement ab und führte zu akutem Schlafmangel jeweils vor dem Workshoptag.

Schlafmangel mussten aber auch alle anderen hinnehmen. Ausufernde politische Diskussionen und internationale Kontaktpflege brauchen Zeit – jeden Abend wurde gefeiert und diskutiert. Am beliebtesten war die RaucherInnen-Ecke. Die günstigen polnischen Zigaretten wurden zum Allgemeingut. Der Nachteil: Eine Schachtel Zigaretten war unter diesen Bedingungen nach spätestens zwei Stunden leer, was niemand störte, da der Nachschub auf Grund des geringen Preises stets gesichert war.

Spaß und politische Bildung standen in einem wahrlich ausgeglichenen Verhältnis. Besonders spannend: Das Planspiel der Grün-Alternativen Jugend Österreich. Fünf Gruppen hatten jeweils eine Partei auf der Insel Taka-Tuka-Land zu repräsentieren. Die Fragestellung: Sollen unsere NachbarInnen auf Pepperland Pestizide beim Anbau von Baumwolle einsetzen? Die Konservativen – gleichzeitig die Regierung von Taka-Tuka-Land - machten sich schnell in der RaucherInnenecke breit und bestellten sich literweise Kaffee, während sich die anderen Gruppierungen in kleine Ecken irgendwo im Begegnungszentrum verdrücken mussten. Im Laufe der Diskussionsrunde – wie alle Diskussionen auch diese auf Englisch – machten die Konservativen mit der Wirtschaft und den Rechtsextremen einen Deal. Ein fast bedrohlich realer Abschluss des Planspiels.

Ein weiteres Highlight der Reise war zweifellos der Ausflug nach Krakau. Wüstes Schneetreiben machte die Stadtführung zwar fast unmöglich, viele trieb es danach in die Second-Hand-Läden der Stadt, wo für wenig Geld Kiloweise trendige Kleidung erworben wurde. Ein Abend in einer Gay-Disco schloss die Exkursion in die schöne Stadt ab.

Gerade auf dem Feld der Gleichstellungspolitik hat Polen noch Nachholbedarf. Rechte Parteien machen offen Stimmung gegen Schwule und Lesben, auch Frauenrechte werden in dem streng katholischen Land nicht gerade groß geschrieben: Abtreibung ist beispielsweise streng verboten. Wir starteten deswegen einen Feldversuch zum Erwerb der „Pille danach“: Erst nach vielen fruchtlosen Versuchen, das Präperat zu erwerben (Argumente: „Nein, ich kann ihnen das nicht verschreiben. Das kann ich moralisch nicht vertreten.“ oder ganz einfach „Der Doktor ist nicht da.“) gelang es, einem Internisten (!) das Rezept zu entlocken. Eine EU-Direktive zu Frauenrechten ist bitter notwendig.

Viel zu schnell war die spannende Reise nach Polen vorbei. Eine Woche war nicht zu kurz, um neue Freundschaften zu schließen, das machte den Abschied aber nicht leichter. Die Reise nach Polen hat sich gelohnt. Es gab eine Fülle an inhaltlichen Inputs, der Besuch des Lagers war für alle von uns bedrückend und beeindruckend. In Polen haben wir viele nette politische Leute kennen gelernt, wir haben ein Stückweit die politische Kultur in den PartnerInnenländern kennen gelernt. Und wir sind uns sicher: Es wird auf jeden Fall ein Nachtreffen geben.

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