Rechte Musik und rechte Symbole

02.03.2005: Mit welcher Musik versuchen Rechtsradikale, Jugendliche zu werben? An welchen Symbolen kann man sie erkennen? Ein Artikel von Spunk-Redakteurin Iris Weible.

Die Musik von Rechtsextremen hat sich inzwischen in vielen Sparten breit gemacht und ist oftmals nicht mehr einfach zuzuordnen und zu erkennen. Denn auch die Rechtsextremen haben zwischenzeitlich erkannt, dass über Musik Jugendliche gut erreicht werden und je mehr verschiedene Musikstile abgedeckt werden, desto mehr Menschen können mit rechtem Gedankengut erreicht werden. Hier gilt es also, umso aufmerksamer zu sein! Dieser Artikel über rechte Lebensstile basiert auf einem Seminar in Wertheim (Main-Tauber-Kreis) zum Thema Rechtsradikalismus und dort einem Workshop von Musiksoziologe Dr. Lutz Neitzert.

Entstehung der Skinheads

Die ersten Skinheads gab es Ende der 1960er Jahre begeben in England unter Bergwerks- und Hafenarbeitern. Diese Jugendlichen waren vom Alter her gerade eine Generation nach den Hippes/ Blumenkindern und fühlten sich denen von der Art her (Arbeiter versus lockeres Leben) nicht zugehörig. Deshalb wollten sie sich auch äusserlich unterscheiden, was ja allein schon durch die Arbeitskleidung gegeben war.

So ergab sich schnell das Bild des "rude boy”, des hart körperlich-arbeitenden Jugendlichen, die auch ganz bewusst durch ihre Äußerlichkeit abschrecken wollten. Statt Rastas gab es kahlgeschorene Köpfe (ist ja bei der Arbeit auch viel praktischer), statt bunter Kleidung Baumwollhemden und Jeans. Die Einwanderer, die dann als Gastarbeiter halfen, imponierten durch ihre Art des "harten Kerls” und so wurden deren Lebensstile schnell übernommen. Angefangen von der Kleidung (daher eben die Baumwollhemden) bis hin zur Musik. Da es sich hier auch um jamaikanische Gastarbeiter handelte, ist nun eher zu verstehen, warum die Hymnen der ersten Skinheads starke Ska und Reggae-Einflüsse haben.

Ganz wichtig ist hier aber zu erklären, dass die ersten Skinheads nicht politisch waren. Sie bildeten eher eine gesellschaftliche Gruppe. Erst nach und nach bildete sich aus den Skinheads eine zweite Gruppe heraus, die sich auch politisch betätigte. Erst innerhalb dieser Gruppierung änderte sich dann auch die Musik, weg vom Ska, mehr Rock-Einflüsse waren zu erkennen. Es ist also wichtig, innerhalb der Skinhead-Szene zwischen diesen beiden Gruppierungen zu unterscheiden. Deshalb gibt es auch die Vereinigung der Sharps. SHARP= SkinHeads Against Racial Prejudice (Skinheads gegen Rassen-Vorurteile) Sharps sind also diejenigen Skinheads, die sich nicht politisch betätigen bzw. nicht politisch rechts sind.

Kleidung: Lonsdale und Consdaple

Eine bekannte Kleider-Marke unter Rechtsradikalen ist "Lonsdale”. Irgendwann entdeckte ein Journalist -wohlgemerkt, kein Rechtsradikaler- dass wenn die über dem Pulli getragene Jacke (klassischerweise die Bomberjacke) nur halb geöffnet ist, in der Mitte die Buchstabenkombination "nsda” zu sehen ist.

Von dieser zufälligen Entdeckung war es nicht weit, bis schlaue Rechte das Labels "Consdaple” gründeten. Dort passt es dann, bei halb geöffneter Jacke sind die Buchstaben "nsdap” zu sehen.

Springerstiefel und Docs

Als bekanntes Kleidungsstück in der rechtsextremen Szene werden immer sofort die Springerstiefel genannt. Hier muss aber aufgepasst werden, denn vor allem die Skins tragen eher die sogenannten Docs wo es sich hierbei im Speziellen um die 14-Loch Stiefel der Marke Doc Martens handelt. Doch wie sind denn diese "Docs” entstanden?

Entwickelt wurden sie von dem Arzt Dr. Märtens im Allgäu als Gesundheitsschuhe. Das neuartige daran waren die Luftpolster in der Sohle. Diese halfen vor allem arthritischen alten Damen, besser mit ihrem Leiden zurechtzukommen. Irgendwann kamen dann die Stahlkappen vorne rein und die Schuhe wurden von den englischen Hafenarbeitern angezogen. Und von hier aus ist der Weg ja bekannt, wie oben schon beschrieben.

Nochmal Kleidung: Fred Perry

Fred Perry, die Marke mit den Lorbeerblättern ist vor allem für ihre meist schlichten, dunkelfarbigen Polo-T-Shirts bekannt. Fred Perry war Arbeiter. Und er spielte Tennis. Er gewann als erste Person aus der Arbeiterschicht in Wimbledon und wurde so zum umjubelten Star in der Szene. Deshalb wurde auch seine Kleiderkollektion schnell zum Kult. Doch irgendwann zeigte sich mal wieder die Ironie des Schicksals: Fred Perry gab seine Homosexualität bekannt. Dadurch wurde natürlich sein Label auch unter den Homosexuellen bekannt. Trotzdem wird es weiterhin von vielen Rechtsextremen getragen (vielleicht aus Unwissenheit, vielleicht versuchen sie auch, sich das passend zurechtzulegen).

Wave-Gothic-Szene

Inzwischen eine sehr große Szene für rechte Musik ist im Bereich Wave/Gothic entstanden. Hier wird viel inszeniert. Es werden große Events gefeiert, die säuberlich geplant werden. Die Stimmung muss nachher passen. Die ganze Szene hat etwas mystisches an sich, die Naturverbundenheit wird zelebriert. Eine besondere Atmosphäre wird erzeugt. Events finden zum Beispiel im Wald statt, die Stätte ist entsprechend vorbereitet (Anordnung von Steinen, gedämpfte Beleuchtung, ...) Es ist fast wie im Theater und doch sind die Zuschauer mittendrin. Dazu dann die Musik.

Die Szene verdankt ihre Beliebtheit bestimmt auch dem Aspekt, dass hier kein offensichtlich rechtes Gedankengut (laut, gewalttätig) erkennbar ist sondern es durch die Naturverbundenheit eher sanft zugeht. Das rechte Gedankengut ist hier nur unterschwellig erkennbar. Außerdem ist es gerade für Frauen interessanter, denn im Vergleich zur normalen Nazi-Rolle der umsorgenden Mutter am heimischen Herd bieten sich hier viel abwechslungsreichere Rollenbilder wie das der weißen Frau oder der Hexe.

Fußball-Hooligans

Diese Szene entstand vor allem in den Niederlanden. Ganz besonders die Fans des Fußballvereins Feyenoord Rotterdam gelten als äußerst gewaltätig. So entwickelten sich aus der anfänglichen normalen Konkurrenz schnell rechts-politische Spannungen gegen den Haupt-Gegner Ajax Amsterdem, denn dieser galt schon immer als Hippie- und Juden-Club, wurde damals von jüdischen Kaufleuten ins Leben gerufen und finanziell unterstützt.

Als dazugehöriger Musikstil entwickelte sich dann der "Gabba”. Dieser lässt sich am ehesten als harter Techno beschreiben, mit brachialen Song und abgespielt in betäubender Lautstärke. Dieser ist wie gemacht, um die im Stadion eh schon aufgeheizte Stimmung ins Gewalttätige umschlagen zu lassen. Der Kleidungsstil der "Gabber” ähnelt dem der Skins: Kurzhaarschnitt, Pitbull-Bomberjacke und Lonsdale-Pullis, aber anstelle der Springerstiefel werden Nike-Turnschuhe getragen, dazu auch durchaus Trainingsanzüge von Kappa.

Noch ausführlichere Infos über noch viel mehr Musikstile und auch noch viel mehr Hintergrundwissen findet ihr auf der Website von Dr. Lutz Neitzert. Geht dort einfach auf den Unterpunkt "rechte Musik”. Die Homepage ist zwar leider nicht sehr übersichtlich gestaltet, dafür aber vollgepackt mit ausführlichen Details und tiefergehenden Infos.

Siehe auch

Bericht über die ganzen drei Tage des Seminars "Rassismus? Nein danke!"

Grüne Jugend Main-Tauber, Veranstalterin des Seminars