Beschluss zu grüner und roter Gentechnik
31.08.2003: Beschlossen auf dem Bundesausschuss am 31.08.2003 in Würzburg.
Die Gentechnik im Bereich der Landwirtschaft (grüne Gentechnik) und der Medizin (rote G.) wird von ihren BefürworterInnen gerne als "Schlüsseltechnologie" oder "Zukunftstechnologie" bezeichnet. Das Synonym "modern" für Technologie, Wachstum und Beschleunigung trübt den Blick für die Risiken. Deren Erfassung ist für die Bewertung einer Technologie ebenso wichtig wie die Erfassung ihrer Chancen.
Modern kann nur eine Politik sein, die sich am Leitbild der Nachhaltigkeit orientiert. Die GRÜNE JUGEND will eine Politik, die ökonomische, ökologische und soziale Ziele verbindet.
Nachaltige Politik muss verhindern, dass Entscheidungen, die heute getroffen werden, unabsehbare, irreversible Folgen für die Zukunft mit sich bringen. Gemessen am Naturverbrauch bzw. -zerstörung und der Belastung für nachfolgende Generationen, ist die Gentechnik eine Risikotechnologie und keine Zukunftstechnologie. Die Kluft zwischen dem, was uns möglich ist zu tun, und dem, was uns möglich ist über die Folgen unseres Tuns zu wissen wird unüberschaubar. Wenn Gentechnik einmal in die freie Natur gelangt, ist sie nicht mehr rückholbar. Außerdem bedroht sie die Vielfalt der Menschen, Pflanzen und Tiere. Die Gentechnologie ist und bleibt eine für Mensch und Natur mit unkalkulierbaren Risiken behaftete Technologie; eine nachhaltige Politik muss also versuchen den Einsatz von Gentechnik zurückzudrängen.
Das mit der Gentechnik verbundene Menschenbild gefährdet insbesonders die Menschenwürde und das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Maßnahmen der roten Gentechnik zur Selektion oder Klassifizierung von Menschen nach ihrem Erbgut oder der Aussonderung von Behinderungen werden von der GRÜNEN JUGEND entschieden verurteilt. Das genetisch manipulierte Traumkind aus dem Katalog oder die Einstellung von ArbeitnehmerInnen nach ihrer genetischen Leistungsbilanz darf es nicht geben. Im Bereich der roten Gentechnik sind indes einige medizinische Fortschritte bei der Diagnose anzuerkennen.
Jede Person muss zumindest selbst entscheiden können, ob sie gentechnisch veränderte Organismen konsumieren will oder nicht. Dabei muss die Politik den BürgerInnen einen umfassenden Wissensstand sowie direkte Mitbestimmung gewährleisten. Dieser Grundsatz wird zunehmend gefährdet von Geheimhaltungsstrategien, die allein den Profitinteressen der Multi-Konzerne dienen.
Grüne Gentechnik - Risikotechnologie mit leeren Versprechungen
Der Einsatz der Gentechnik in der Landwirtschaft soll umweltschonende Anbaumethoden ermöglichen, Erträge steigern, Produktionskosten senken und den Hunger in der Welt besiegen, so die Versprechungen der Gentechnikindustrie. Durch gentechnische Eingriffe in pflanzliches und tierisches Erbgut werden Eigenschaften und Inhaltsstoffe von Pflanzen verändert und den Bedürfnissen einer industrialisierten Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung angepasst. Risiken, die durch die Schaffung neuer, vermehrungsfähiger Organismen entstehen, werden als rein spekulativ abgetan, die Genmanipulation sei sicher wie die herkömmliche Züchtung. Als Beleg für die Risikolosigkeit werden die weltweit über 6000 Freilandversuche angeführt, die jedoch fast ausschließlich ohne begleitende Risikoforschung durchgeführt wurden. Einige dieser "spekulativen" Risiken sind jedoch bereits Realität geworden. Die Lebensmittelerzeugung ist eines der wichtigsten Anwendungsgebiete der Gentechnik. Genmanipulierte Lebensmittel verstärken die Tendenz der Entfremdung unserer Ernährung von der Natur. Lebensmittel werden durch die Gentechnik immer industrialisierter, uniformierter und ungesünder. In Deutschland lehnen drei von vier Personen den Verzehr von genmanipuliertem Obst und Gemüse kategorisch ab. Und auch in der gesamten EU sind es mehr als 70% der Bevölkerung, die Gentechnik ablehnen. Die Versorgung mit Gentechnikfreier Nahrung muss gewährleistet sein.
Grüne Gentechnik gefährdet die Natur und Umwelt
Der Großteil der gentechnisch veränderten Pflanzen soll gegen Herbizide (Unkrautvernichtungsmittel)immun gemacht werden, um bei der Anwendung von Unkrautvernichtungsmitteln die Pflanzen nicht zu schädigen bzw. um angeblich den Verbrauch von Herbiziden zu minimieren. Doch einige Beispiele belegen bereits, dass auch das Unkraut Resistenzen gegen das Herbizid entwickeln kann, so dass noch mehr Herbizide gebraucht werden. Durch den großflächigen Einsatz großer Mengen von Herbiziden sind negative Auswirkungen auf das Grundwasser zu erwarten, zudem wenig über den Abbau von Herbiziden im Boden bekannt ist. Auch Krankheitsresistenzen und Insektenresistenzen sollen mit Hilfe der Gentechnik in Kulturpflanzen vermittelt werden. Es treten aber auch hier eine ganze Menge von Problemen auf: Ein besonderes Risiko der Freisetzung virusresistenter Pflanzen besteht in der Entstehung neuer Virusarten, die Kultur- und Wildpflanzen schädigen können. Zudem können sich die Viren einen neuen Wirtskreis erschließen und dort veränderte Symptome hervorrufen. Umfassende Erkenntnisse fehlen auch hier, schädliche Auswirkungen auf den Menschen konnten schon festgestellt werden. Eine mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwartende Resistenzbildung bei den zu bekämpfenden Schadinsekten und Unkraut sowie neue Virusarten können zu erheblichen volkswirtschaftlichen und ökologischen Schäden in der Landwirtschaft führen. Auch mögliche Auswirkungen auf Nützlinge, Bodenlebewesen sowie den Boden selbst sind nicht abschätzbar. Die GRÜNE JUGEND sieht durch den gezielten Einsatz von natürlichen Feinden gegen Schädlinge sowie durch den Erhalt der Sortenvielfalt umweltverträgliche Alternativen.
Zur Veränderung der Produktqualität werden auch völlig pflanzenfremde Gene in Nutzpflanzen übertragen zum Beispiel von Tieren. Auch bei einer gentechnischen Veränderung an Pflanzen, die nicht primär zur Nahrungserzeugung dienen, sind Auswirkungen auf deren "Lebensumfeld", zum Beispiel die Gesundheit der Wildtiere, zu beachten.
Dem Einsatz der Gentechnologie in der Forstwirtschaft werden ähnliche Möglichkeiten wie in der Landwirtschaft prognostiziert: Beschleunigung der Züchtung, verbesserte Vitalität und höhere Toleranz gegenüber Giften, Krankheiten und Schädlingen. Forstwirtschaft bedeutet die wirtschaftliche Nutzung des Ökosystem Wald, und diese lässt sich nicht nur auf Holzproduktion reduzieren. Auskreuzung des Gentechnisch manipulierten Erbgutes lässt sich kaum vermeiden. Deswegen muss mit negativen Auswirkungen auf das biologische Gleichgewicht und biologische Vielfalt gerechnet werden. Biodiversität ist ein schützenswertes Gut. Deshalb fordern wir ein generelles Verbot der Gentechnologie in der Forstwirtschaft. Außerdem ist ein natürlicher Mischwald mit Sorten aus dem jeweiligen Herkunftsgebiet der besste Schutz vor Schädlingsbefall und hat eine höhere Wertleistung als Monokulturen. Gentechnik (giftresistente Bäume) mit all ihren Gefahren ist keine Alternative zur Reduktion der Schadstoffemissionen. Die Auswirkungen auf die Bodenqualität sind auch nicht bekannt. Für Landwirte, die nach den Richtlinien des kontrollierten ökologischen Anbaus wirtschaften, können solche Auskreuzungen zu erheblichen Einbußen und Schäden führen, da auch gentechnikfreie Ware garantiert werden muss.
Die Gentechnologie greift mit ihrem ungeheueren Potential auch in Tiere ein. Das Vermischen der Erbsubstanz des Tieres mit fremden, genetischem Material, sei es vom Menschen, von anderen Tierarten, von Pflanzen oder Mikroorganismen lehnt die GRÜNE JUGEND ab. Denn die Tiere werden damit in die Kategorie von Maschinen gerückt, durch den technischen Eingriff ihrem Selbstzweck entfremdet sowie oft ganz neuen Leiden ausgesetzt. Schneller wachsende und futtereffizientere Tiere werden durch den Einbau artfremder Wachstumsgene produziert. So gibt es bereits Fische mit Menschen- oder Rattengenen und Geflügel, die das Wachstumshormon von Rindern bilden. Das unnatürlich schnelle Wachstum beeinträchtigt die Gesundheit der Tiere massiv.
Grüne Gentechnik bedroht VerbraucherInnenrechte
Die Auswirkungen genmanipulierter Lebensmittel können vor allem auf Kleinkinder und allergisch reagierende Menschen beträchtlich sein. Einige genmanipulierte Nahrungsmittel und Pflanzen können aufgrund der Gene, die neu in die Pflanze eingebaut wurden, Allergien oder Krankheiten auslösen. Mit der ungekennzeichneten Vermarktung kann das Einkaufen für AllergikerInnen zum Russisch-Roulette werden. Wissenschaftliche Studien belegen auch die Übertragung von Antibiotikaresistenzen im menschlichen Magen-Darm- Trakt auf dort angesiedelte Mikroorganismen. Beim Einsatz entsprechender Antibiotika in der Therapie gegen Krankheiten können dann resistente Erreger nicht mehr bekämpft werden. Diese Antibiotika entfallen dann dauerhaft als Therapeutika. Deshalb sind klare Kennzeichnungen für genetisch veränderte Nahrungsmittel unverzichtbar.
Die 2003 von der EU festgelegte Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ab 0,9% garantiert kein Gentechnikfreies Essen. Zwar ist diese Entscheidung eine positive Entwicklung für VerbraucherInnen - es gibt nun eine Kennzeichnungspflicht. Der Schwellenwert von 0,9% ist für die GRÜNE JUGEND nicht zu akzeptieren. Produkte, in denen Gentechnik nicht mehr direkt nachweisbar ist, die aber aus genmanipulierten Pflanzen hergestellt wurden, sind damit nicht erkennbar.
Das "de facto" Moratorium für kommerziellen Gentechnikanbau, das seit 1998 in der EU besteht droht nun aufgrund der Kennzeichnungspflicht zu fallen, obwohl die friedliche Koexistenz von Produktion und Warenströmen mit und ohne Gentechnik umstritten und nicht organisiert ist. Das widerspricht den VerbraucherInnenrechten und dem Recht auf Wahlfreiheit. Die GRÜNE JUGEND unterstützt die grüne Politik in ihren Bestrebungen nach EU-weiten Regelungen, die eine möglichst weitgehend friedliche Koexistenz garantieren müssen. Die getrennte Ernte und Vermarktung natürlicher und genmanipulierter Rohstoffe muss sicher gestellt werden. So muss der Abstand zwischen genmanipulierten und nicht gentechnisch veränderten Anbauflächen festgesetzt werden; wir plädieren für die Übernahme der österreichischen Norm von 4000 Metern. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Hanf aufgrund seiner Harzhaltigkeit als "Pollenfänger" zu nutzen. Dabei muss beim Haftungsrecht konsequent das VerursacherInnenprinzip gelten. Diejenigen, die Gentechnik einsetzen, haften für etwaige Schäden, z.B. bei ungewollten Auskreuzungen oder Absatzproblemen. Auch weitere Kosten wie Kontroll- und Nachweisuntersuchungen müssen von denjenigen getragen werden, welche die Gentechnik einführen bzw. anwenden wollen, nämlich von der Industrie und den Bauern/BäuerInnen, die Gentechnik einsetzen - bisher zahlen das die SteuerzahlerInnen.
Grüne Gentechnik schafft mehr Armut
Heute hungern weltweit über 815 Millionen Menschen. Das liegt indes nicht an der fehlenden Nahrungsmittelproduktion, sondern an der ungleichen Verteilung. Durch Bekämpfen un-gerechter Handelsbedingungen und einem Ausgleich der Zugangsbeschränkungen zu Land, Wasser oder Saatgut kann Hunger auf politischem Weg bekämpft werden. Die gegenwärtige Entwicklung in der Agrarindustrie schafft keine Gerechtigkeit, sondern ist Teil des Problems. Anstatt die landwirtschaftlichen Güter zu verteilen, gelangt die Kontrolle der Nahrungsmittel in die Hände einiger weniger multinationaler Agrarkonzerne. Dabei beraubt uniformes Saatgut den Bauern/ Bäuerinnen die Grundlage für ihre Existenz: die geneti-sche Vielfalt. Will man die Welternährung sichern, sind die sozialen und ökologischen Bedingungen einzubeziehen. Eine kurzfristige Steigerung der Erträge, die auf Kosten der Umwelt und der Menschen geht, ist der falsche Weg. Ein zerstörtes Ökosystem wird die nachfolgenden Generationen mit Sicherheit nicht ernähren können. In diesem Zusammenhang verurteilt die GRÜNE JUGEND die Äußerungen des US-Präsidenten Bush - die EU sei Schuld am Welthunger, weil sie keine Gentechnik wolle - als schlichtweg gelogen, wissenschaftlich unhaltbar und menschenverachtend.
Grüne Gentechnik macht abhängig
Die Gentechnik ist vor allem eine Rationalisierungstechnologie. In der Landwirtschaft wird sie einen nochmaligen Industrialisierungsschub einleiten und damit Arbeitsplätze vernichten. Vor allem kleinere Betriebe und Höfe werden betroffen sein. Die Landwirtschaft gelangt immer mehr in die Abhängigkeit der Chemiemultis, denen eine weitgehende Monopolisierung des Saatgut- und Pestizidmarktes gelungen ist. Das manipulierte Saatgut und das dazu passende Herbizid gibt es von einem Hersteller im "Doppelpack". Die Böden werden nun erst recht den Giftduschen ausgesetzt und die Landwirtschaft wird auch weiterhin am Tropf der Subventionierung hängen und fragwürdige Massenprodukte als Lebensmittel für einen übervollen Markt anbauen
Die GRÜNE JUGEND wendet sich entschieden gegen grüne Gentechnik. Für die GRÜNE JUGEND hat sich erwiesen, dass genmanipulierte Lebensmittel überflüssig, umweltschädigend und gefährlich sind. Sie decken keinen Bedarf, der nicht mit natürlichen Lebensmitteln schon zu decken wäre. Nahrung muss für den Menschen sicher sein. Sie darf keine, wie auch immer gearteten Risiken für Gesundheit und Leben bergen. Deshalb ist für uns die Wahlfreiheit zwischen Gentechnik und nicht gentechnisch veränderter Lebensmittel ein BürgerInnenrecht. Auch die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren muss geschützt werden. Wir fordern daher die Rückführung sowie das Verbot des Anbaus genmanipulierter Organismen sowie von transgenen Tierzüchtungen.
Erste Schritte dazu müssen sein:
- Aufrechterhaltung des "de facto" Moratoriums des kommerziellen Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen in der EU.
- Keine staatliche Unterstützung oder Förderung des Anbaus und der Forschung im landwirtschaftlichen Bereich. Im Gegenzug müssen alle umweltschonend und sozialverträglich hergestellten Produkte, die auf die Verwendung von Gentechnik verzichten, offensiv gefördert werden.
- Die Novellierung der Novel-Food-Verordnung: Der Grenzwert zur Kennzeichnung gentechnisch veränderter Produkte bei unabsichtlicher Verunreinigung muss auf 0,3% gesenkt werden. Bei Saatgut fordern wir einen Grenzwert von 0,1 %; dieser Nullnachweisgrenzwert ist in Österreich bereits gesetzlich verankert, muss auch für tierische Produkte wie Eier und Fleisch ausgeweitet werden, wenn das Futtermittel gentechnisch verändert wurde. Zusatzstoffe, Enzyme und Extraktionsmittel müssen zukünftig unter die Novel-Food-Verordnung fallen.
- Klärung und Verschärfung des Produkthaftungsrechts und Einführung einer umfassenden Haftung mit Versicherungspflicht gegenüber den Betreibern gentechnischer Anlagen und Freisetzungen für ökologische und gesundheitliche Schäden.
- Europäisch einheitliche Maßnahmen für eine möglichst friedliche Koexistenz.
- Genehmigungsverfahren für regionale Freisetzungen unter Beteiligung der Öffentlichkeit für jeden Standort. Des Weiteren sind unabhängige Kontrollen und deren Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
- Ein Verbot der Patentierung von Pflanzen und Tieren sowie deren Erbgut im Rahmen der notwendigen Novellierung der Patentierungsrichtlinie der EU.
- Deutliche Intensivierung der Maßnahmen gegen den Welthunger, zum Beispiel die Einführung eines globalen Null-Hunger-Programms nach brasilianischem Vorbild.
Die GRÜNE JUGEND appelliert an alle Bauern/ Bäuerinnen und VerbraucherInnen, sich weiterhin gegen grüne Gentechnik zu wehren. Denn nur dann können wir die Industrie zwingen, auf gentechnisch veränderte Produkte zu verzichten.
ROTE GENTECHNIK - viele Risiken, kaum Chancen
Die GRÜNE JUGEND stellt fest, dass Gesellschaft und Medizin für die menschheitsgeschichtlich völlig neuen Möglichkeiten im Bereich der Roten Gentechnik noch keine adäquaten ethischen und moralischen Normen entwickelt hat. Die begleitende Aufgabe der Politik ist nicht, Moralauffassungen vorzuschreiben, sondern die neuen Erkenntnisse der gesellschaftlichen Debatte zuzuführen und dort Grenzen zu setzen, wo Risiken unüberschaubar sind. Die GRÜNE JUGEND unterstützt die medizinische Genforschung in dem Vorhaben, Leben für kranke und alte Menschen möglich und erträglicher zu machen und Krankheiten wirksamer zu bekämpfen. Dort, wo die Forschung an Genen aber zu einer genetisch bedingten Auslese menschlichen Lebens führt, lehnen wir die Anwendung von Gentechnik in der Medizin ab. Jedes Leben ist gleich viel wert ! Bei der medizinischen Anwendung der Gentechnik geht es um Hoffnungen und Versprechen auf Therapien gegen Krankheiten und Leid. Insofern gestaltet sich eine Abwägung schwieriger als in der Landwirtschaft, wo es nur um Profitsteigerung geht. Die Risiken bei der Anwendung von roter Gentechnik sind grundsätzlich überschaubarer als die in der grünen Gentechnik. Um so wichtiger ist dennoch alternative Forschungs- und Heilungszweige weiterhin aufrecht zu erhalten.
Stammzellenforschung - Ethisch unbedenkliche Chancen nutzen !
Die neusten technischen Möglichkeiten bei der Forschung an adulten Stammzellen sind außerordentlich vielversprechend. Bei der Behandlung von Krankheiten, wie Parkinson, Alzheimer oder Leukämie verspricht die Reimplantation neuronaler, adulter Stammzellen einen aussichtsreichem Hilfsansatz. Darüber hinaus ermöglicht der Fortschritt bei der Verwendung adulter Stammzellen einen geringeren Bedarf an embryonalen Stammzellen. Zur Herstellung einer Stammzelllinie benötigt ein erfahrener Forscher mindestens dreißig Embryonen. Die GRÜNE JUGEND wendet sich entschieden gegen das "Verbrauchen" von Embryonen, um an embryonalen Stammzellen zu forschen. Deshalb begrüßen wir das im Stammzellengesetz enthaltene Verbot von embryonenverbrauchender Forschung und therapeutischen Klonens und drängen auf eine weltweite Verbotsregelung. Das bestehende Importverbot von embryonalen Stammzellen, die nach dem 1.1.2002 etabliert worden sind sehen wir aufgrund der inkonsequenten Fristenlösung kritisch. Zwar wäre ein umfassendes Verbot rechtlich und tatsächlich kaum aufrecht zu erhalten; die Erlaubnis bereits existierende embryonale Stammzellen einzuführen, löst trotz den engen Voraussetzungen des Gesetzes einen "Run" auf die Reserven aus. Die zu erwartende gesetzlichen Regelungen auf europäischer Ebene, die die Voraussetzungen und die Fristsetzung (22.6.2002) für die Einfuhr lockern, gehen in die falsche Richtung. Die GRÜNE JUGEND fordert alle ForscherInnen auf, von den ausreichend vorhandenen Alternativen zur Forschung an embryonalen Stammzelllinien Gebrauch zu machen. Politik und Staat sind gefordert, die Zwecke der Stammzellenforschung nachhaltig zu überwachen.
Reproduktives Klonen - für ein weltweites "Nein !"
Mit unserem Weltbild unvereinbar sind alle Formen des reproduktiven Klonens. Ziel dieser Wissenschaft ist es, möglichst alle biologischen Merkmale eines Tieres oder Menschen planbar zu machen. Da es weder eine ausreichende politische noch sonstige Notwendigkeit für das reproduktive Klonen gibt, verkommt die Forschung daran zum reinen Selbstzweck. Die GRÜNE JUGEND will verhindern, dass sämtliche Organismen und Menschen bewusst selektiert oder konstruiert werden. Diese Vielfalt und freie wie unvorhersehbare Entwicklungen der Natur sind nach unserer Auffassung unveräußerlich. Wir setzen uns für das auch von der Bundesregierung angestrengte weltweite Verbot reproduktiven Klonens ein.
Therapeutisches Klonen - wie lange wollen wir leben ?
Wissenschaftlich unterscheiden sich das reproduktive und das therapeutische Klonen nicht, der Klonvorgang wird lediglich beim therapeutischen Klonen unterbrochen. Bisher wurde auch noch keine Therapie mit dem Klonen entwickelt, so dass man auch von "Forschungsklonen" spricht. Das therapeutische Klonen in Deutschland ist zwar verboten, in anderen Ländern der Welt allerdings Praxis. Vorstellbar ist zukünftig - durch in tierisches oder menschliches Gewebe - eingesetzte Stammzellen, "Ersatzteillager" für Menschen zur Verfügung zu haben. Die GRÜNE JUGEND will, dass kranke Organe nach den Regeln der bisherigen medizinischen Heilkunst behandelt werden. Die verbrauchende Form der Stamm-zellenforschung lehnen wir ab. Sie steht in keinem Verhältnis zu den sich nach jetzigen Bedingungen bietenden realistischen Möglichkeiten. Zwar zeigt der blühende, illegale Organhandel einen Bedarf an Spendeorganen; dieser könnte jedoch durch großzügigere Organentnahmeregelungen abgefedert werden. Folgen einer Zulassung des therapeutischen Klonens wäre eine weitreichende Teilung der Menschen in solche, die genug Geld für ein frisches Organ haben und in jene, die das Geld nicht haben. Wir setzen uns deshalb auch für ein weltweites Verbot des therapeutischen Klonens ein.
Präimplantationsdiagnostik (PID) - Auf dem Weg in die Schöne Neue Welt ?
Im Rahmen der PID räumt die GRÜNE JUGEND der menschlichen Vielfalt mehr Gewicht ein, als der Forschungsfreiheit und einem abstrakten Wahlrecht der werdenden Eltern. Bei der PID werden Embryonen im Reagenzglas erzeugt und getestet. Im Falle eines krankhaften Befunds werden sie weggeworfen und nicht zur Schwangerschaft eingesetzt. Die GRÜNE JUGEND befürchtet, dass auch nach nicht-pathologischen, sondern möglicherweise nach kosmetischen Merkmalen ausgewählt werden wird. Es ist aber bereits das Recht des Reagenzglasembryos , dass Merkmale , die in ihm liegen und deswegen zu seiner Vernichtung führten, nicht bekannt gegeben werden dürfen. Die PID bedeutet Eugenik ohne Schwangerschaft und ebnet den Weg für die Akzeptanz menschlichen Klonens. Die GRÜNE JUGEND ist überzeugt davon, dass eine Gesellschaft nur libertär ist, wenn alle Menschen - gleichgültig welcher genetischen oder physischen Verfasstheit - in ihr leben können. Es gilt stattdessen viel mehr Energie darauf zu verwenden, Eltern und Kindern das Leben mit einer schweren Erkrankung oder einer Behinderung zu erleichtern. Eine Lockerung des PID-Verbotes wie es u.a. die FDP fordert, lehnen wir als menschenfeindlich ab !
Freiheit für die Codes
Gentests bergen die Gefahr, dass Personen nicht mehr wegen ihrer Fähigkeiten sondern aufgrund Ihrer genetischen Veranlagung eingeschätzt werden. Genetische Daten offenbaren intimste Informationen. Sie müssen aufgrund des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung effektivstem Datenschutz unterliegen. Versicherungen und ArbeitgeberInnen dürfen unter keinen Umständen die Gelegenheit haben, an die genetischen Daten der VertragspartnerInnen oder ArbeitnehmerInnen, auch nicht durch die Betroffenen selbst, zu gelangen oder sie so unter Druck zu setzen, dass sie sich quasi offenbaren müssen. Die GRÜNE JUGEND respektiert das Recht auf Wissen über die eigene genetische Veranlagung; ebenso sind aber die Menschen zu schützen, die kein Interesse an der Analyse ihrer Codes haben. Zwangsläufig sind durch Gentests aber auch Rückschlüsse auf Verwandte möglich. Wenn überhaupt können Gentests nur im ärztlichen Behandlungsauftrag ihre Erlaubnis finden. Die Ärztin/ der Arzt sichert die Schweigepflicht, die Gewährleistung einer umfassenden Aufklärung über Risiken und Nutzen des Tests. Das erlangte Wissen über die eigene genetische "Programmierung" kann soziale Beziehungen der Menschen und das Verständnis von einem "gelungenen" Leben massiv stören. Die GRÜNE JUGEND fordert daher eine restriktive Handhabung der Gendiagnostik.
Keine Patente auf Mensch und Tier
Die GRÜNE JUGEND lehnt Patente in der Gentechnik ab. Es darf nicht sein, dass Patente auf Klonen von Menschen und Organismen, Veränderungen des menschlichen Erbgutes oder die Gewinnung von Stammzellen vergeben werden. Wir wollen das Forschungsfreiheit auch den freien Zugang zu neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen umfasst. Jegliches Patent in der Gentechnik verhindert aber eine adäquate Risikofolgeabschätzung. Im Vordergrund steht das Profitinteresse der Wirtschaft namentlich unter dem Begriff des "geistigen Eigentums".