Mehr Bildung für eine bessere Zukunft!
07.10.2003: Bildungspolitisches Grundsatzpapier der GRÜNEN JUGEND Beschluss der 21. Mitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND am 05. Oktober 2003 in Leipzig
1. Bildung ist Menschenrecht
Bildung und Forschung sind die entscheidenden Grundlagen für den Zugang zur Wissensgesellschaft und die aktive gesellschaftliche, politische und ökonomische Teilhabe jedes einzelnen Menschen. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch mit seinen individuellen Interessen und Fähigkeiten.
Alle Menschen dieser Welt haben ein Recht auf Bildung - unabhängig von Geschlecht, Religion und Herkunft. Die Chancen auf Bildung bestimmen unsere Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben, auf Arbeit und auf eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft.
Die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen beinhaltet das Recht auf Bildung. Die GRÜNE JUGEND appelliert an die internationale Staatengemeinschaft, gegen die weltweite Ungleichheit beim Zugang zu Wissen vorzugehen. Wir leben heute in einer Wissensgesellschaft, in der Bildung und Wissen zum maßgeblichen Faktor für die Entwicklung einer Gesellschaft geworden sind. Eine gute Bildung zielt auf die Entfaltung der Potentiale und Selbstbestimmung aller Menschen ab.
Eine gerechte Verteilung von Bildungschancen steht für die GRÜNE JUGEND im Mittelpunkt der Bildungspolitik. Chancengleichheit und Zugangsgerechtigkeit sind Vorraussetzungen für eine erfolgreiche Bildungspolitik.
Qualitätswettbewerb durch mehr Autonomie bei LeistungserbringerInnen ist Bestandteil einer guten Bildung. Leistungsdruck, Selektion und Zwang hingegen lehnen wir ab. Die Vermittlung von sozialen Kompetenzen und eine bessere Anwendbarkeit von praktischem Wissen sind uns viel wichtiger als trockenes Faktenwissen.
Bildung ist ein dynamischer Prozess, der sich ständig verändert und weiterentwickelt. Lebenslanges Lernen ist für uns mehr als Weiterbildung und Fortbildung. Es ist die Chance, Lücken zu schließen, sich neues Wissen anzueignen oder sich beruflich neu zu orientieren.
Für mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen müssen jetzt mehr Investitionen in Bildung erfolgen. Denn mittel- und langfristig sind diese Investitionen auch für die wirtschaftliche Entwicklung und damit für den Abbau der Staatsverschuldung und die Sicherung der sozialen Sicherungssysteme Vorraussetzung. Hingegen wirken die aktuellen Sparmaßnahmen im Bildungssystem, um eine geringere Neuverschuldung zu erreichen, langfristig kontraproduktiv. Die GRÜNE JUGEND fordert daher eine Reform der nationalen und europäischen haushaltspolitischen Rahmenbedingungen, die Neuinvestitionen in Bildung, Forschung und Umwelt begünstigt.
Gute Bildung kostet Geld, doch schlechte Bildung kostet uns unsere Zukunft!
2. Vorschulische Bildung
Spätestens seit PISA sollte klar sein, dass eine Kindertagesstätte (KiTa) viel mehr ist als eine Betreuungseinrichtung. Ihre Bedeutung als Ort des spielenden Lernens und als erste Säule des Bildungssystems muss gestärkt werden. Kindertagesstätten brauchen einen umfassenden Bildungsauftrag.
Die GRÜNE JUGEND fordert daher den Ausbau der frühkindlichen Bildung, insbesondere im Bereich der Sprachförderung. Zwang und feste Stundenpläne sind aber vollkommen fehl am Platz. An das Lernen soll spielend und auf freiwilliger Basis herangeführt werden. Es sollte verbindliche Bildungspläne für die Kindertagesstätten geben, in denen Bildungsziele klar formuliert werden.
Spannende Spielzeuge, Bücher, Mal- und Bastelutensilien und Ausflüge sollen dem Entdeckungstrieb und der Experimentierfreude der Kinder gerecht werden. Neben Sprachentwicklung bilden Kreativität und Bewegung die beiden weiteren Schwerpunkte der Bildungsansätze in der KiTa. Für Kinder von MigrantInnen brauchen wir ausreichende Angebote der Sprachförderung - sowohl der mutter-sprachlichen als auch der deutschen Sprache. Ziel muss es sein, dass alle Kinder, wenn sie in die Schule kommen, dem Unterricht in deutscher Sprache folgen können.
Wir wollen endlich weg von Kindertagesstätten als Aufbewahrungsorte - hin zu Orten des Lebens, Spielens, individueller Förderung und sozialer Aktivitäten!
Die gesetzliche Garantie auf einen KiTa-Platz ist in der Realität leider noch nicht überall angekommen. Die GRÜNE JUGEND steht für einen beitragsfreien tatsächlich garantierten KiTa-Platz für alle Kinder von Geburt an.
Gleichzeitig müssen Krippenplätze und sonstige Formen der Betreuung für Kinder zwischen null und drei Jahren massiv ausgebaut werden, damit junge Eltern und insbesondere Frauen weiterhin ihren Beruf ausüben können. Hier steht der Staat in der Verantwortung, funktionierende Strukturen und ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um allen Eltern die Vereinbarung von Kindern und Berufstätigkeit zu ermöglichen. Wir wollen keine "Verwahrungsanstalt für Kinder", sondern sehen es als staatliche Pflicht, bestmögliche Betreuungsangebote und Teilzeitarbeit zu fördern.
Die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten müssen den Arbeitszeiten der Eltern angepasst werden und nicht umgekehrt. Die Zahl der alleinerziehenden Mütter und Väter ist in den letzten Jahren weiter angestiegen. Wir fordern, dass alleinerziehende Mütter und Väter die Möglichkeiten einer flexibleren Elternzeit erhalten. Für Eltern in dieser besonders schwierigen Situation bedarf es darüber hinaus spezieller Kinderbetreuungsangebote wie beispielsweise die Nachtbetreuung.
Um ihrem Bildungsauftrag nachkommen zu können, müssen die Kindertagesstätten personell besser ausgestattet werden. Die Ausbildung der ErzieherInnen soll an die Weiterentwicklung der Kindertagesstätten angepasst werden. Die Ausbildung muss reformiert werden, um den gewachsenen Anforderungen (Bildungsauftrag, interkulturelle Bildung etc.) angemessen entsprechen zu können. ErzieherInnen und LehrerInnen sollten eine gemeinsame pädagogische Grundausbildung haben. Wir wollen außerdem ein höheres Gehalt für die unterbezahlten ErzieherInnen.
Männer dürfen in der frühkindlichen Bildung keine "Exoten" mehr sein um veraltete Rollenklischees von der Frau als reine "Mutterfigur" entgegenwirken und zusätzliche männliche Vorbilder im Erziehungssektor zu fördern.
Die GRÜNE JUGEND fordert, dass KiTas und Schule endlich besser und verbindlicher kooperieren. ErzieherInnen und LehrerInnen sollten in regelmäßigem Kontakt zueinander stehen und den Übergang der Kinder von der Kindertagesstätte in die Schule erleichtern.
3. Bildung in der Schule
Junge Menschen verbringen einen beträchtlichen Teil ihrer Zeit in der Schule. Umso wichtiger, dass Schulen endlich aufhören, langweilige graue Betonklötze mit verstaubtem Bildungsauftrag zu sein!
Eine Schule für alle - Heterogenität als Chance
Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Sonderschule, Ganztagsschule, Gesamtschule... Kein Land der Welt hat so viele verschiedene Schulformen und setzt so sehr auf Selektion der SchülerInnen wie Deutschland! Die GRÜNE JUGEND spricht sich stattdessen aus für ein durchschaubares Bildungssystem, in dem alle SchülerInnen von der 1. bis zur 10. Klasse gemeinsam in eine Schule gehen. Wir brauchen flexible Schuleingangsphasen und Möglichkeiten eines Schulstarts für Kinder zwischen 5 und 7 Jahren.
Die soziale Selektivität des deutschen Schulsystems ist erschreckend groß. Gemeinsames Lernen von Kindern unterschiedlichen Entwicklungsstands und Alters und individuelle Förderung statt Auslese ist für uns das Bildungskonzept der Zukunft. Schule trägt eine Mitverantwortung für gesellschaftliche Entwicklungen. Die Vorurteile sozial Starker und sozial Schwacher gegeneinander werden vor allem durch die frühe Soziale Selektion aufgrund der Dreigliedrigkeit verursacht. Die gegenseitige Akzeptanz in der Gesellschaft lässt sich nur durch eine längere gemeinsame Schulzeit schaffen. Es ist wichtig, schon im Kindes- und Jugendalter zu lernen, dass leistungsschwächere nicht schlechtere Menschen sind.
Geistig und körperlich behinderte Kinder sollen soweit wie möglich in die Lerngruppen integriert werden. Heterogenität muss endlich als Chance begriffen werden: Wir wollen ein gemeinsames Lernen von Schwächeren und Begabteren in heterogenen Lerngruppen. Die Größe der Gruppen muss dabei überschaubar bleiben, mehr als 20 SchülerInnen pro Lerngruppe darf es nicht geben.
In diesem Zusammenhang halten wir die Forderung nach einer Eliteschule für einen falschen, rückwärtsgewandten Ansatz. Ziel muss es sein, alle SchülerInnen entsprechend ihrer individuellen Potentiale zu fördern und nicht nur eine besonders begabte Elite.
Deutschland muss, gerade in der derzeitgnen Krise, allen Menschen helfen, ihre Potenziale voll ausnutzen. Aussortieren schadet nicht nur dem oder der einzelnen, sondern auch der ganzen Gesellschaft.
Der bundesweit teilweise drastische Unterrichtsausfall an Schulen ist ein ernstzunehmendes Problem! Durch die finanzielle Autonomie der Schulen können diese besser auf einen Mangel an LehrerInnen reagieren. Wir wollen, dass die LehrerInnen vorwiegend als BeraterInnen der SchülerInnen fungieren und die Lerngruppen von mehreren LehrerInnen betreut werden. So kann auf alle SchülerInnen besser eingegangen und das Problem des Unterrichtsausfalls nahezu behoben werden.
Selbst_bewusst_lernen!
Die GRÜNE JUGEND steht für die gezielte individuelle Förderung eines/einer jeden Einzelnen und eine an seine/ihre Lernfortschritte gekoppelte Lerngeschwindigkeit statt früher Selektion und Leistungsdruck. Dazu gehört auch, dass es bis zur 10. Klasse keine Noten geben soll. Noten täuschen eine objektive Bewertung vor und werden als Selektionskriterium für den späteren Bildungsweg instrumentalisiert. Wir sprechen uns stattdessen für sogenannte Bildungstagebücher aus, die primär als Feedback für die SchülerInnen dienen sollen.
Sitzen bleiben gehört endlich abgeschafft! Durch das Sitzen bleiben werden die SchülerInnen aus ihrer gewohnten Lerngruppe gerissen. Sie stehen unter einem enormen psychischen Druck und es bringt ihnen in den allerseltensten Fällen tatsächlich einen Fortschritt. Stattdessen setzen wir auf eine bestmögliche Förderung aller SchülerInnen durch eine individuelle Lernplanung. Auch andere Methoden der "Bestrafung" von SchülerInnen wie Nachsitzen, in-die-Ecke-stellen oder stupide Strafarbeiten lehnt die GRÜNE JUGEND als überholt und destruktiv ab.
Starres Pauken im 45-Minuten-Takt ist überholt, stattdessen sollte es flexible Lerneinheiten anlehnend an die individuellen Stundenpläne in Skandinavien geben. Module des gemeinsamen Unterrichts sollte es aber nach wie vor geben und von der 1. bis zur 10. Stufe Pflicht sein, um den Zusammenhalt der Lerngruppe zu stärken. Trockener Frontalunterricht im Klassenverband aber gehört der Vergangenheit an.
In Schulen muss eine Sensibilisierung für das bestehende Rollenverständnis erfolgen. Durch reflexive Koedukation und zeitlich begrenzte Geschlechtertrennung soll auf unterschiedliches Lernverhalten eingegangen und divergierendes Lehrverhalten ausgeglichen werden. Wir setzen auf eine weitere Aufweichung der Geschlechterrollen auch in der Schule.
Kinder von Flüchtlingen haben leider in Deutschland schlechte Chancen. So lange ihre Eltern im Asylverfahren stehen, dürfen sie oft nicht zur Schule gehen Wir fordern die vollständige Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland und im Interesse der Kinder eine schnelle, unbürokratische Aufnahme in Kindertagesstätte bzw. Schule.
PISA hat gezeigt, dass Schulen mit einem verlängerten gemeinsamen Lernen in den Tests wesentlich besser abgeschnitten haben. Die GRÜNE JUGEND fordert eine zehnjährige gemeinsame Basisschule für alle SchülerInnen. Nach der 10. Stufe soll es soll es einen Abschlussbericht geben.
Nach der Basisschule können die SchülerInnen die duale Berufsausbildung beginnen oder eine allgemein bildende Oberstufe besuchen. In dieser Oberstufe sollen die SchülerInnen ihre Schwerpunkte vertiefen, auf wissenschaftlichs Arbeiten vorbereiten werden und eine berufliche Orientierung erhalten. Dafür wollen wir eine engere Kooperation zwischen Schule, Betrieben und Hochschule.
Die Oberstufe endet mit beliebig oft wiederholbaren Abschlusstests, deren Zeitpunkt von jeder Schülerin oder jedem Schüler flexibel gewählt werden kann. Der kleinere Teil dieses Test besteht aus zentralen Fragen zu bundesweit vorgegebenen Bildungszielen. Der größere Teil wird anhand der individuellen Bildungslaufbahn zwischen LehrerInnen und SchülerInnen abgestimmt.
Das Abitur als Hochschulzugangsberechtigung in seiner jetzigen Form wollen wir abschaffen. Die GRÜNE JUGEND macht sich dafür stark, dass nicht nur der Abschluss der Oberstufe, sondern grundsätzlich auch eine abgeschlossene Ausbildung zum Studium an einer Hochschule berechtigen.
Weg mit verstaubten Lerninhalten - im 21. Jahrhundert ankommen
Wir wehren uns gegen Lernmethoden aus der Mottenkiste des 19. Jahrhunderts und einschläfernden, veralteten Lehrbüchern. Den von einigen BildungspolitikerInnen vorgeschlagenen und zum Teil bereits praktizierten Benimmunterricht halten wir für vollkommen falsch. Viel wichtiger ist es, die sozialen Kompetenzen der SchülerInnen zu stärken, doch das muss im Schulalltag selbstverständlich sein.
Um Lernen interessant und abwechslungsreich zu gestalten, spricht sich die GRÜNE JUGEND für eine komplette Überarbeitung der Lerninhalte und Unterrichtsfächer aus.
So wollen wir den konfessionsgebundenen Religionsunterricht abschaffen. Stattdessen soll objektiv und vorurteilsfrei an verschiedene Religionen und Lebensphilosophien herangeführt werden.
Themen wie Sexualität, Verhütung, Missbrauch, Gesundheit, Konflikte und Drogen haben einen größeren Stellenwert verdient und müssen erheblich früher und verpflichtend im Unterricht behandelt werden.
Der Lernbereich Politik, Gesellschaft und Umwelt muss überall gewährleistet sein und schon früh eingeführt werden. Die GRÜNE JUGEND fordert eine Einführung dieser Themen bereits in den ersten Schuljahren. Generell müssen alle Lernbereiche einen stärkeren Praxisbezug erhalten und eine größere Offenheit für neue Formen des Lernens wie beispielsweise durch die Neuen Medien entwickeln. Längst überfällig ist außerdem eine bundesweite Einführung der Lehrmittelfreiheit!
Die verstärkte Einbeziehung praktischer Elemente in den Schulbetrieb sieht die GRÜNE JUGEND als absolut notwendig an. So muss das Angebot von Berufspraktika, -erkundungen und -beratungen im Rahmen des Unterrichts ausgebaut werden.
Wir fordern Vielfältigkeit und Praxisnähe, um den SchülerInnen bessere Möglichkeiten zur beruflichen Orientierung und Vorbereitung auf den folgenden Bildungsweg zu bieten und einen fließenden Übergang zu erleichtern.
Nach dem heutigen Modell gibt es für SchülerInnen häufig nicht mehr als ein einmaliges zweiwöchiges Praktikum. Die GRÜNE JUGEND setzt sich deshalb dafür ein, dass die Schulen dazu verpflichtet werden, ab der achten Klasse jedes Schuljahr eine mindestens zweiwöchige Praktikumzeit einzurichten. Dadurch kommen die SchülerInnen frühzeitig und intensiv mit der Arbeitswelt in Kontakt.
Für mehr Umweltbildung
Um das Umweltbewusstsein in der Gesellschaft zu fördern, setzt sich die GRÜNEN JUGEND für einen höheren Stellenwert für Umweltbildung im Lehrplan der Grundschulen ein. So sollte nach belgischem Vorbild eine Wald- oder Umweltwoche für alle SchülerInnen verpflichtend sein.
Waldkindergärsten werden trotz ihrer pädagogisch besonders wertvollen Leistungen vom Staat wie Stiefkinder behandelt. Weil sie im Gegensatz zu ihren meist kirchlichen Trägern ohne feste Gebäude auskommen, werden für Waldkindergärten keine staatlichen Fördergelder bewilligt. Die Förderrichtlinien müssen so angepasst werden, dass auch Waldkindergärten ohne feste Gebäude die gleichen Förderbeträge wie alle anderen Träger erhalten.
Vielfalt statt Einheitsbrei!
Die GRÜNE JUGEND lehnt die Einführung von Schuluniformen entschieden ab. Sie ist ein vollkommen ungeeignetes Mittel, um Diskriminierung aufgrund sozialer Unterschiede zu verhindern. Markenfetischismus, Schönheitswahn und Gruppenzwang lassen sich durch die Einführung von Schuluniformen nicht aushebeln. Wir finden, dass soziale Unterschiede nicht kaschiert werden sollen und können. Die Vermittlung eines toleranten und respektvollen Umgangs miteinander kann viel mehr bewirken.
Schuluniformen stehen der individuellen Entfaltung eines jeden Menschen entgegen.
LehrerInnen, die sich an Piercings, unkonventionellen Haarfarben und eigenwilliger Kleidung stören, sollten lieber als gutes Beispiel vorangehen und Akzeptanz und Toleranz leben und vermitteln.
Wir wollen dafür sorgen, dass in allen unseren Bildungseinrichtungen ein Klima herrscht, das junge Lesben und Schwule bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit unterstützt. Zu den Aufgaben der Schule gehört daher auch die Erziehung zur Akzeptanz von Lesben und Schwulen. Homosexualität soll nicht als außergewöhnliches Phänomen der Biologie vermittelt werden, sondern als wichtiger Teil der Persönlichkeit gleichwertiger Menschen. Sie muss fächerübergreifend Thema sein, dies bietet sich besonders in der Auswahl der Literatur für den Deutschunterricht an.
Für uns ist eine multikulturelle Gesellschaft erstrebenswert! Die Vorschläge der Unionsparteien wie beispielsweise "AusländerInnenquoten" hält die GRÜNE JUGEND für beschämend und den absolut falschen Weg. Um Kinder von ZuwandererInnen besser integrieren zu können, bedarf es anderer Ansätze wie beispielsweise speziellen Deutschunterricht spätestens bereits in den Kindertagesstätten einzuführen und die Förderung der muttersprachlichen Kompetenz.
Mehr Partizipation & Autonomie!
Die SchülerInnenvertretung (SV) hat in der Realität viel zu wenig Mitspracherechte. Wir halten es für wichtig, dass der SV mehr Mitbestimmung zukommt.
Die GRÜNE JUGEND fordert darüber hinaus ein zur Hälfte aus SchülerInnen und zur Hälfte aus LehrerInnen bestehendes Gremium, zuzüglich einer beratenden Stimme der Elternvertreter, wobei die SchülerInnen von der SchülerInnenvollversammlung gewählt werden, die LehrerInnen vom Lehrerkollegium und die Eltern von der Elternversammlung.
Dieses Gremium bestimmt über Personalentscheidungen, unangekündigte Leistungsüberprüfungen von LehrerInnen und die Verteilung des finanziellen Budgets und wählt die Schulleitung. Es tagt regelmäßig und soll mit einem Vetorecht für SchülerInnen ausgestattet sein sowie die Schulleitung abwählen können.
Wir wollen die Autonomie der Schulen stärken! Anlehnend an das bewährte Konzept an Skandinaviens Schulen sollen jeder Schule finanzielle Mittel zur Verfügung stehen, aus dem unter anderem Gehälter für LehrerInnen, Investitionen in Lehrmaterialien und Gebäudereparaturen bezahlt werden sollen. So kann der Wettbewerb zwischen den Schulen gestärkt werden. Innerhalb bundesweit geltender Rahmenbedingungen können die Schulen somit autonom über Personal und finanzielle Ausgaben entscheiden.
Mehr Autonomie für Schulen bedeutet auch, dass Schulen sich eigene Schwerpunkte setzen können, ihre Unterrichtsorganisation und ihre inhaltliche Ausrichtung selbst bestimmen können.
Die GRÜNE JUGEND sieht den Einfluss der Wirtschaft auf Schulen durch Sponsoring als problematisch an. Schule muss unabhängig von den Interessen der Wirtschaft agieren. Deshalb fordern wir anstatt direkter Spenden die Einrichtung eines überschulischen regionalen Fördertopfs für spendierfreudige Unternehmen, in den Sach- und Geldspenden eingezahlt werden können. Aus diesem Topf werden dann strukturschwache und bedürftige Schulen in der Region gefördert.
Weg mit grauen Betonklötzen!
Die GRÜNE JUGEND sieht Schule als Ort des Lebens und Lernens. Eine Schule, in der sich SchülerInnen und LehrerInnen gleichermaßen wohlfühlen, und das fängt bei den Räumlichkeiten an: Wir wollen Schulen in lebendiger Architektur mit Solarzellen auf dem Dach, viel Grün und einem Pausenhof, der sowohl zum Ausruhen als auch zum Herumtoben einlädt. Große, helle Zimmer und bequeme, orthopädisch bewährte Stühle und Bänke dürfen in keiner Schule fehlen. Insbesondere im Bereich der Neuen Medien muss die technische Ausstattung der Schulen dringend weiter ausgebaut werden. Alle SchülerInnen haben das Recht auf einen Internetzugang in der Schule.
Die GRÜNE JUGEND fordert einen Beginn der Schule um 9 Uhr. Studien haben gezeigt, dass Aufnahmefähigkeit und Konzentrationsvermögen am frühen Morgen sehr gering sind. Die Schule sollte aber bereits ab 7 Uhr geöffnet und Betreuungsmöglichkeiten für die SchülerInnen vorhanden sein.
Anwesenheitspflicht besteht von 9 bis 16 Uhr von Montag bis Freitag mit der Möglichkeit eines kostenfreien Mittagessens für alle SchülerInnen. Wir wollen ein abwechslungsreiches, vitaminhaltiges Mittagessen aus kontrolliert biologischem Anbau, auch mit Angeboten für VegetarierInnen und VeganerInnen!
Abends und am Wochenende gibt es keine Anwesendheitspflicht, die Schule soll aber für SchülerInnen und LehrerInnen geöffnet bleiben. Es muss ausreichende Angebote (z.B. zusätzlich Sport, Musik, Kunst und Kultur) für die SchülerInnen geben. Die Einführung einer Ganztagsschule befürwortet die GRÜNE JUGEND nur im Zusammenhang mit einer grundlegenden Reform unseres Bildungssystems.
Die Schulwege müssen sicherer werden! Wir fordern, die Haltestellen des ÖPNV in unmittelbarer Nähe der Schule anzubringen und zum Beginn und Ende der Schulzeit Sonderbusse einzusetzen, damit die SchülerInnen bequem und schnell befördert werden. Die Monatstickets für den ÖPNV sollen für alle SchülerInnen kostenlos sein und das Geltungsgebiet soll ausgeweitet werden.
Alle Straßen insbesondere in der Nähe von Schulen sind mit Radwegen zu versehen und die AutofahrerInnen durch Schilder und Hinweise zu vorsichtiger Fahrweise aufzufordern.
Neue LehrerInnen braucht das Land!
Die Ausbildung der LehrerInnen muss reformiert werden mit einem größeren Gewicht auf die Berufspraxis. Eine gleiche Dauer der Ausbildung für alle Lehramtsstudierenden, egal für welche Schulform halten wir für ebenso wichtig wie die obligatorische Freistellung von der Betreuungs- und Lehrtätigkeit für die verbindliche Wahrnehmung von Fortbildungen.
Wir wollen QuereinsteigerInnen, die pädagogische Fähigkeiten und fachliche Qualifikationen aufzeigen, den Einstieg in den LehrerInnenberuf erleichtern. Darunter darf aber natürlich die pädagogische Qualität nicht leiden, denn LehrerInnen sind in erster Linie PädagogInnen und keine FachidiotInnen.
Der BeamtInnenstatus für LehrerInnen gehört abgeschafft, denn LehrerInnen müssen leichter kündbar sein.
Die GRÜNE JUGEND fordert eine Reform der LehrerInnenbildung, die sich an den Schülerinnen und Schülern orientiert. Die Bildungswissenschaften müssen ins Zentrum der Ausbildung aller Lehrkräfte gerückt werden. Der Umfang und Anteil der Pädagogik, Psychologie, Soziologie und der Fachdidaktik am Lehramtsstudium ist auszubauen.
Die Fachwissenschaften treten gerade vor den Erkenntnissen aus der PISA-Studie nach Meinung der GRÜNEN JUGEND zu Recht in den Hintergrund der Diskussion um die Reform der LehrerInnenausbildung. In unseren Schulen werden Kinder und Jugendliche unterrichtet und nicht Fächer. Die Bedürfnisse der SchülerInnen müssen in den Mittelpunkt rücken.
Schule muss eine treibende Kraft in der Entwicklung zu einer modernen und geschlechtergerechten Gesellschaft werden. Von staatlichen Einrichtungen dürfen nicht länger einschränkende Rollenbilder für Frauen und Männer propagiert werden. Dies setzt voraus, dass LehrerInnen in ihrer Ausbildung auf die Diskriminierung von Frauen in der Gesellschaft und auf geschlechtsspezifische Unterschiede hin sensibilisiert werden und lernen, diese angemessen zu berücksichtigen. Genderfragen müssen fester Bestandteil der LehrerInnenausbildung sein. Gleiches gilt auch für ErzieherInnen und Kindertagesstätten.
4. Ausbildung
Jeder junge Mensch hat das Recht auf einen erfolgreichen Start ins Erwerbsleben und in eine selbstbestimmte und selbstverantwortete Existenz. Wir können und dürfen es uns nicht leisten, Jugendliche von der Schule direkt in die Sozialhilfe zu schicken und sie dauerhaft in die Perspektivlosigkeit zu entlassen.
Unser Ziel ist es, jedem jungen Menschen, der die Schule verlässt, ein gutes Angebot für einen erfolgreichen Start ins Arbeitsleben zu bieten.
Die GRÜNE JUGEND fordert deshalb eine solidarische Finanzierung der Ausbildung in Form einer Ausbildungsplatzumlage. Denn nur so wird die Wirtschaft im dualen System ihrer Verantwortung gerecht. Es ist auch im Interesse der ausbildenden Betriebe, dass die "Ausbildungsverweigerer" aus der Wirtschaft sich über eine Umlage an den Kosten der Ausbildung beteiligen. Die Ausbildungsumlage wird von den Unternehmen in einen Fonds gezahlt. Ausbildende Betriebe können die Ausbildungsumlage mit der Ausbildungsleistung verrechnen.
Bei einer Ausbildungsplatzumlage handelt es sich nicht um eine Strafsteuer. Mit einer solchen Umlage kann vielmehr die derzeit bestehende Gerechtigkeitslücke zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben geschlossen werden. Wer ausbildet, bekommt aus dem neu gebildeten Fonds eine Kostenbeteiligung, wer nicht ausbildet, beteiligt sich, ab einer bestimmten Größe, wenigstens an den entstehenden Kosten. Aus dem Fonds können auch außerbetriebliche Ausbildungsbereiche gefördert werden.
Alle für Ausbildung, Weiterbildung und Qualifizierung bzw. Teilqualifizierung notwendigen, finanziellen Mittel müssen zur Verfügung gestellt und notfalls aufgestockt werden. Jeder/m Auszubildenden hat Spruch auf BaFöG.
Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Asylverfahren dürfen keine Hürden bei Aufnahme und Durchführung einer Ausbildung gelegt werden. Anschließende Berufsaussichten im Aufnahmeland bzw. die Lebenschancen nach allfälliger Rückkehr in die Heimat werden so entscheidend verbessert.
Vielen Jugendlichen ist nach Beendigung der Schule nicht klar, welche Berufe ihren Interessen und Fähigkeiten nahe kommen. Berufsfindungsangebote, Trainingskurse und freiwillige Dienste können eine Ergänzung für eine Orientierungsphase bilden. Hiermit jedoch bereits in der Schule umfassender als bisher üblich zu beginnen, hält die GRÜNE JUGEND für dringend geboten.
Dazu gehört besonders die Ausbildung in den Informations- und Kommunikationstechnologien. Denn noch immer landen 80 Prozent der weiblichen Auszubildenden in den 13 meistgewählten Berufen. Noch überwiegend von Frauen gewählte Ausbildungsberufe (z.B. ArzthelferIn) müssen endlich angemessen entlohnt werden.
Auch in dem Bereich Ausbildung müssen die Abbruchquoten gesenkt werden. Um Auszubildenden, die sich in schwierigen Lebenssituationen befinden, den Abschluss einer Berufsausbildung zu ermöglichen, sind unterstützende Projekte zu fördern.
Wir brauchen eine grundlegende Modernisierung der betrieblichen Ausbildung. Mittelfristig muss durch sog. "Ausbildungsmodule" Betrieben, die keine Komplettausbildung leisten können, eine flexiblere Möglichkeit zur Aus- und Weiterbildung gegeben werden. Ziel müssen mehr betriebliche Ausbildungsplätze sein. Gerade den berufsbildenden Schulen kommt für die Ausbildung eine entscheidende Bedeutung zu: Sie müssen noch viel mehr zu regionalen Zentren für Aus- und Weiterbildung ausgebaut werden.
5. Hochschule
Wir brauchen dringend bessere und einfachere Zugangsvoraussetzungen und fordern deshalb, dass die Hochschulzugangsberechtigung in ihrer jetzigen Form abgeschafft wird. Wir wollen, dass der Abschluss der Oberstufe und eine Ausbildung nach der zehnten Klasse gleichermaßen zum Studium an einer Hochschule berechtigen.
Statt den sogenannten NCs (Numerus Clausus) fordert die GRÜNE JUGEND individuelle Aufnahmeprüfungen der Hochschulen und eine Abschaffung der ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen). Die Selektion nach Schulnoten halten wir für falsch und ist ein gefährliches Fördern der Ellenbogen-Mentalität in unserer Gesellschaft. Außerdem sagt die Abiturnote nichts darüber aus, ob und wie geeignet die/der SchülerIn für einen bestimmten Studiengang ist.
Die Studienplätze müssen sich stärker am tatsächlichen Bedarf orientieren. Das Angebot an Studienplätzen soll insgesamt weiter ausgebaut werden. Der hohen Zahl der StudienabbrecherInnen könnte durch eine kompetente Beratung an den Hochschulen entgegengewirkt werden. Insgesamt ist der Beratungsbereich an heutigen Hochschulen mehr als dürftig. Besonders StudienanfängerInnen sind nahezu auf sich allein gestellt und damit auf die Unterstützung erfahrener KommilitonInnen angewiesen, um sich in ihrem neuen Lebensabschnitt zurecht zu finden. Eine kompetente Beratung bedeutet mehr als das Mitgeben von Kurzinformationen in Broschüren-Form.
Die Hochschulen brauchen vereinheitlichte Qualitätsstandards und eine bundesweite Gewährleistung der Zugangsgerechtigkeit. Private Hochschulen können eine sinnvolle Ergänzung des Angebots an staatlichen Hochschulen sein.
Die GRÜNE JUGEND spricht sich klar gegen jegliche Form von Studiengebühren aus. Sogenannte Studienkontenmodelle, nachgelagerte Studiengebühren, Bildungsgutscheine, in keinem Verhältnis zum Verwaltungsaufwand stehende Rückmeldegebühren oder Gebühren für Langzeitstudierende lehnen wir ab.
Wir schlagen als ein mögliches Modell vor: BAföG (Bundes-Ausbildungs-Förderungs-Gesetz) muss elternunabhängig und statt Kindergeld für zwölf Semester (plus zwei Auslandssemester oder studium generale) gezahlt werden. Alle StudentInnen sollen 350 Euro staatlichen Zuschuss plus 350 Euro zinslosen staatlichen Kredit erhalten. Dieser Betrag muss den regionalen Lebenshaltungskosten und der Inflation angepasst werden. Nach diesem Anspruchszeitraum von zwölf bzw. 14 Semester können StudentInnen einen bezinsten staatlichen Kredit in Anspruch nehmen.
Mit Beginn der Volljährigkeit ist das Kindergeld direkt an die jungen Erwachsenen zu zahlen, bei der Aufnahme eines Studiums, Praktikums, Ausbildung und in Übergangszeiten wird das Kindergeld dann mit dem BAföG verrechnet.
Das Studium muss stärker interdisziplinär und praxisorientiert ausgerichtet sein. Die ersten beiden Semester können als studium generale (Schnuppersemester in den verschiedenen Fachrichtungen ) erfolgen. Wir setzten uns für die Ausweitung des Angebots von Studiengängen im Gender Bereich ein. Wir begreifen die Hochschule als einen Ort des lebenslangen Lernens und begrüßen daher Konzepte wie "Kinderuni" und "Seniorenuni". Alle Mitglieder einer Gesellschaft müssen freien Zugang zu Wissen, beispielsweise in Form von Büchereien oder Internet, bekommen. Der Zugang zu den Universitäten für Nicht-Studierende (GasthörerInnen) soll ausgebaut werden.
Die GRÜNE JUGEND fordert einen Ausbau der Frauenförderung von jungen WissenschaftlerInnen. Der anstehende Generationswechsel an den Hochschulen und Forschungseinrichtungen bietet sich als Chance durch eine feste Quote den Frauenanteil in wissenschaftlichen Führungspositionen in absehbarer Zeit auf mindestens 50 Prozent zu erhöhen. Der BeamtInnenstatus für ProfessorInnen soll endlich abgeschafft werden. Frauenbeauftragte und Gender-Mainstreaming müssen an den Unis höhere Bedeutung erhalten.
Deshalb fordert die GRÜNE JUGEND eine drittelparitätische Besetzung aller Hochschulgremien mit Studierenden, ProfessorInnen und MitarbeiterInnen. Demokratische Teilhabe und Mitbestimmung muss in allen Hochschulgremien verbessert werden. Wir brauchen endlich mehr Selbstverantwortung und Autonomie bei Finanzen, Personal, Struktur und Profilbildung für die einzelnen Hochschulen.
Die verfasste Studierendenschaft will die GRÜNE JUGEND mit einem allgemein-politischem Mandat gesetzlich absichern.
Die Nahrungsmittel in den Mensen müssen aus kontrolliert ökologischem Anbau stammen. Die Essensauswahl soll VegetarierInnen und VeganerInnen stärker berücksichtigen.
Der Campus und alle Universitätsgebäude müssen endlich behindertengerecht werden. Körperliche behinderte Menschen sollen ein einklagbares Recht besitzen, alle Veranstaltungsräume erreichen zu können. Für junge StudentInnen mit Kindern fordern wir kostenlose Kinderbetreuungsangebote in unmittelbarer Nähe der Hochschule.
6. Bildung & Wissen global betrachtet
Der Zugang zu Wissen, Informationen und Bildungsmöglichkeiten ist ein fundamentales Menschenrecht, das es weltweit zu schützen gilt.
Dabei ist eine Stärkung der Öffentlichkeit für frei verfügbares Wissen, auch in Hinblick auf die Überwindung der digitalen Kluft, unerlässlich. Es darf keine Patente auf Logik geben.
Die Verwendung von freier Software ist obligatorisch, um die Abhängigkeit von Monopolisten zu verhindern und die Neutralität des Bildungswesen zu wahren. Desweiteren fordert die GRÜNE JUGEND, dass in den staatlichen Bildungsinstitutionen ausschließlich offene Standards verwendet werden, um die Transparenz der Infrastruktur zu gewährleisten.
Denn so kann durch die Anwendung Neuer Medien im Unterricht die Medienkompetenz der zukünftigen Generation garantiert werden.
Universitäten in Deutschland müssen verstärkt mit Hochschulen in Entwicklungsländern kooperieren. Das Angebot für ausländische StudentInnen an deutschen Hochschulen muss weiter ausgebaut werden. Wissenschaftliche Texte und Publikationen wie auch Vorlesungsmaterialien, die aus staatlichen Mitteln gefördert werden, sind unter einer offenen Lizenz der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.
Insbesondere in den Entwicklungsländern ist der Zugang zu Informationsstrukturen und Bildun essentiell wichtig. Die GRÜNE JUGEND fordert die internationale Staatengemeinschaft auf, ihre Entwicklungsprogramme auszubauen und endlich mehr Geld für Entwicklungs-, humanitäre Hilfe, IT-Infrastruktur und besonders für Bildung bereitzustellen. Neben Nahrung, Trinkwasser, Medizin und Kleidung ist die Bereitstellung von Schulen und sonstigen Bildungsmöglichkeiten als wichtiger Schwerpunkt zu fördern.
Die GRÜNE JUGEND fordert im Rahmen der Internationalisierung der Bildungsysteme eine Erleichterung der Mobilität von Lehrenden, Lernenden und Forschenden, die Erleichterung und erhöhte Transparenz bei der Anerkennung von Berufsqualifikationen und Studienleistungen sowie die Erleichterung und Öffnung des Zugangs zu Bildung.
Mobilität muss durch eine europaweite elternunabhängige Ausbildungsförderung unabhängig von sozialer Herkunft und finanziellen Möglichkeiten für alle möglich sein. Die rechtlichen Rahmenbedingungen, vor allem das Aufenthalts- und Arbeitsrecht, müssen- z.B. durch das Zuwanderungsgesetz - deutlich liberalisiert werden.
Der "Bologna-Prozess" ist zur Erreichung dieser Ziele der richtige Gestaltungsrahmen. konstruktiv und kritisch begleiten. Die Einführung gestufter Studiengänge (Bachelor und Master) und eines am Arbeitsaufwand orientierten Kreditpunktesystem dürfen nicht hinter den verschlossenen Türen von KMK, BMBF und HRK beschlossen werden. Wir fordern mehr Transparenz bei den Willensbildungs- und Entscheidungsprozessen. Das heißt, es müssen VertreterInnen aller Statusgruppen (Studierende, Lehrende und Mitarbeiter), Forschungseinrichtungen und Wissenschaftsorganisationen, VertreterInnen der Arbeitgeber und Gewerkschaften an diesen Prozessen aktiv beteiligt werden.
Einer Kommerzialisierung von Bildung stehen wir kritisch gegenüber und lehnen deshalb weitere Liberalisierungsverpflichtungen im Rahmen der WTO/GATS-Verhandlungen ab. Der Zugang zu Bildung würde damit für sozial Benachteiligte erheblich erschwert.
Die GRÜNE JUGEND hält einen weltweiten Dachverband für den Austausch von SchülerInnen und StudentInnen für sinnvoll, der sich insbesondere für die Förderung von Austauschprogrammen für sozial und finanziell Schwächere einsetzt. Alle SchülerInnen und StudentInnen müssen das Recht auf mindestens ein Jahr/zwei Semester Auslandsaufenthalt bekommen, wobei es keine Verpflichtung zum Gang ins Ausland geben sollte. Wir wollen, dass internationale Freiwilligendienste besser ausfinanziert werden, damit freiwilliges Engagement junger Menschen grenzenlos ist.