Ein Biocent für die Agrarwende!

08.03.2003: Beschluss der 20. Mitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND (08. März 2003, Münster)

Ein Biocent für die Agrarwende !

Die konventionelle Landwirtschaft hat schwere Folgen für Umwelt, Tier und Mensch. Die Vergiftung der Böden und die künstliche Überdüngung der Felder belasten das Grundwasser, Bäche und Flüsse. Die Massentierhaltung quält Tiere und die zahllosen Skandale der agrarindustriellen Produktion von BSE bis MKS gefährden die Gesundheit der VerbraucherInnen.

Gut, dass es mit Bündnis 90/ Die Grünen die Agrarwende hin zu einer umwelt- und tierverträglicheren Landwirtschaft gibt. Dazu muss der Absatz des ökologische Landbaus stärker gefördert werden. Wir begrüßen daher alle Werbekampagnen, klaren Kennzeichnungsregeln und Vermarktungsstrategien für einen größeren Anteil ökologischer Lebensmittel. Dies reicht jedoch nicht aus, um Öko aus der Nische zu holen und zur Regel werden zu lassen. Wir wollen und müssen aber den Durchbruch schaffen! Ständige Dumpingangebote von Billigketten, gegen die Verbraucherschutzministerin Renate Künast zu Recht ankämpft, behindern einen qualitativen Wettbewerb.

Die Preisspirale nach unten zementiert die Missstände der industriellen Tierhaltung und führt direkt in den nächsten Lebensmittelskandal. Denn für die Verbesserung der Tierhaltung und mehr Umweltschutz sind dadurch auf den Höfen immer weniger Reserven vorhanden. Und zwischen der Lebensqualität der Nutztiere und der Qualität der Lebensmittel besteht ein enger Zusammenhang. Das andauernde Drücken der Einkaufspreise erschwert außerdem das Überleben kleinerer, mittlerer und ökologischer Agrarbetriebe. Alle Kampagnen für mehr Öko sind gut und richtig, die GRÜNE JUGEND packt jedoch auch die Wurzel des Problems an:

Die Preise für konventionelle Lebensmittel sind nicht gerecht. Die Folgekosten aus der umweltschädlichen Produktionsweise tragen alle, auch die, die sich ausschließlich ökologisch ernähren. Um es drastisch auszudrücken: Der/die McDoof oder Würgerking-KäuferIn lebt auf Kosten seiner Mitmenschen, die die Folgen des Naturverbrauchs, der Trinkwasseraufbereitung, der Regenwaldvernichtung, der Klimakatastrophe und der Gesundheitsbelastung bezahlen müssen.

Wir wollen deshalb faire Preise auf dem Agrarmarkt.

Ebenso wie mit der Ökosteuer bei den Energiepreisen wollen wir die externen Kosten (für Schadstoffe, Verschmutzung) stärker in die Preise einbeziehen. Das heißt konventionelle Produkte müssen stufenweise durch den Biocent belastet und ökologisch vorteilhafte Produktion dafür entlastet werden. Anders als bei der Ökosteuer sollten die Einnahmen nicht zur Senkung der Lohnnebenkosten verwendet werden, sondern als gezielte Unterstützung des arbeitsintensiven ökologischen Landbaus. Gleichzeitig müssen auch die Milliardensubventionen für den konventionellen Landbau stufenweise zurückgeführt werden. Damit gewinnt der Staat neue Handlungsmöglichkeiten und auch in der Landwirtschaft hält eine ökologische und solidarische Marktwirtschaft Einzug. Der Biocent hat mehrere Vorteile: Die Folgekosten der Allgemeinheit werden reduziert, gesundheitsverträgliche Arbeitsplätze entstehen, umweltschädliche Subventionen werden abgebaut, die Natur entlastet und die Ökolebensmittel deutlich billiger. Nachteile haben die Agrarindustrie, die Tierquäler in der Massentierhaltung und die Ramschketten. Setzen wir uns dafür ein, dass Öko aus der Nische kommt und wir den Durchbruch für die breite Masse bei der Agrarwende schaffen. Die GRÜNE JUGEND unterstützt daher die Forderung mehrerer Umweltverbände nach einem stufenweise zu erhebenden Biocent und begrüßt die Maßnahmen der Verbraucherschutzministerin Renate Künast gegen das wettbewerbsverzerrende Preisdumping der Billigketten.