Gender-Guidelines für die Vorstandsarbeit in der GRÜNEN JUGEND

10.07.2007: In diese Gender-Guidelines hat der Bundesvorstand die Empfehlungen der Genderkommission, die Maßnahmen zur Förderung von jungen Frauen innerhalb der GRÜNEN JUGEND erarbeitet, aufgenommen. Bitte lest sie durch und versucht, sie anzuwenden.

Wie ihr wisst, hat die GRÜNE JUGEND schon viele Fortschritte im Bereich der Geschlechtergleichstellung gemacht, aber trotzdem gibt es immer noch zahlreiche Defizite. Einer dieser defizitären Bereiche betrifft die Vorstands- und Gremienarbeit, wo Frauen beispielsweise oft schneller ihre Ämter aufgeben oder mit weniger wichtigen Aufgaben abgespeist werden. Deswegen wollen wir auch mit euch zusammen daran arbeiten, diese Missstände zu beseitigen.

Mentoringprogramm

Oft gibt es bei Wahlen einen Mangel an Bewerberinnen. Das kann einerseits daher kommen, dass "frau" keine Vorstellung von dem Amt hat und/oder sich diesen Posten einfach nicht zutraut. Um etwaige Ängste zu nehmen und Bewerberinnen optimal über das, was sie später erwartet, zu informieren, könnt ihr circa vier bis sechs Wochen vor den Wahlen eine Art Mentoringprogramm organisieren. Ihr könnt zum Beispiel alle Interessentinnen auf eine E-Mail-Liste setzen und die Amtsinhaberinnen sollen dann regelmäßig über ihre Tätigkeiten berichten. Persönliche Gespräche sind natürlich auch sehr hilfreich. Auch könnten die Bewerberinnen zu einer Vorstandssitzung explizit eingeladen werden.

Aufgabenverteilung

Es ist leider zu beobachten, dass Aufgaben, die interessant und in gewisser Weise machtvoll sind, häufiger von Männern wahrgenommen werden. Die ganze Quotierung bringt nichts, wenn Frauen nur Orga-Aufgaben oder Ähnliches zugeteilt bekommen. Deswegen müsst ihr bei eurer ersten Sitzung vorher genau die verschiedenen Aufgaben vorstellen und auch Zeit zum Überlegen lassen. Aufgaben dürfen nicht nach dem Prinzip "wer zuerst und am lautesten schreit, bekommt sie" verteilt werden, sondern ihr müsst auch gezielt die weiblichen Mitglieder ansprechen. Insiderwissen von "alten Häsinnen und Hasen" darf nicht zurückgehalten, sondern muss schnell an die Neuen weiter gegeben werden!

Bei der inhaltlichen Arbeit, zum Beispiel der Erstellung eines Leitantrags, müssen gezielt Frauen angesprochen werden, um sich mehr weibliche thematische Expertinnen in der GRÜNEN JUGEND aufzubauen.

Projekte und deren Follow-up

Bei der Aufgabenverteilung ist neben der Machtfrage auch wichtig, dass jede Person im Vorstand eigene Projekte und interessante Aufgaben realisieren kann. Häufig resignieren Frauen, weil sie in ihrer Vorstandsarbeit nicht so viel Sinn sehen und sich nicht eingebunden fühlen. Neu gewählte Frauen sollten bei der Projektfindung unterstützt werden, wenn sie noch nicht die ganzen Möglichkeiten der Arbeit innerhalb der GRÜNEN JUGEND kennen. Wichtig sind für Frauen oft auch Feedback und eine Rückmeldung zu ihrer Arbeit. So kann gleichzeitig gewährleistet werden, dass ihre Arbeit auch wahrgenommen wird.

Besetzung von Delegationen

Der Bundesverband und auch viele Landesverbände sind Mitglied in anderen Verbänden und Organisationen. Für diese "Delegationen" gibt es keine Quotierungsregelung, oft sind aber gerade solche Posten sehr wichtig und interessant. Auch hier sollte darauf geachtet werden, dass Frauen ebenfalls solche Aufgaben wahrnehmen.

Diskussionen

Die Diskussionskultur ist in der GRÜNEN JUGEND oft sehr männlich geprägt. Das äußert sich z.B. in langen Monologen, oder es wird auch schnell mal rumgeschrieen (zur Demonstration der eigenen Macht!?). Denkt bei den Diskussionen daran, dass ihr euch kurz haltet und am besten eine Redezeitbegrenzung einführt. Unterlasst, wenn möglich, das Lautwerden. Diskutiert eher über Inhalte als über strukturelle Kleinigkeiten. Wenn ihr merkt, dass sich eine Person kaum beteiligt, fragt gezielt nach deren Meinung.

Frauenförderung

Als Bundesvorstand ist es wichtig, die Landesverbände immer mal wieder auf die Projekte zur Frauenförderung anzusprechen, da diese eigentlich nur auf Landes- und Kreisverbandsebene organisiert werden können. Als Landesvorstand sollte man eben diese Konzepte zur Frauenförderung (etwa Patinnenprogramm, spezielle Seminare für Frauen) umsetzen. Persönlicher Kontakt

Um Frauen vor Wahlen konkret ansprechen zu können, ob sie Lust hätten, für ein Amt zu kandidieren, ist es häufig wichtig, schon vorher Kontakt zu haben. Auch um gemeinsam Anträge zu schreiben, ist es sinnvoll, wenn man sich untereinander kennt. Männer sind meistens besser "vernetzt" und unterstützen sich gegenseitig bei Kandidaturen und Ähnlichem. Um eine bessere Vernetzung unter Frauen herzustellen, eignen sich "Frauenforen", die regelmäßig, also zum Beispiel ein- bis zweimal im Jahr, stattfinden, oder ein Frühstückstisch nur für Frauen auf eurer LMV. Ihr könnt bei diesen Treffen zum Beispiel über inhaltliche Themen diskutieren, die Anträge der nächsten LMV und/oder dem BuKo besprechen oder euch über eure Aktivitäten und Probleme vor Ort austauschen.

Siehe auch:

Frauen, bildet Banden! Das Mentoring-Konzept der GRÜNEN JUGEND (29.11.2006)

Auch die Grüne Jugend Bayern hat einen Reader mit Tips zur Frauenförderung entwickelt. Er wurde vom bayerischen Landesarbeitskreis Geschlechtergerechtigkeit erstellt und kann hier runtergeladen werden.