Einsetzung einer Frauenkommission
21.11.2007: Beschluss der GRÜNEN JUGEND auf dem 29. Bundeskongress in Würzburg.
Einführung einer "Frauenkommission"
Im November 2004 hat der Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND beschlossen, eine Genderkommission einzuführen. Auf dem vergangenen 28. Bundeskongress im Mai 2007 wurde dann ein Antrag verabschiedet, wonach der Bundesvorstand und das Fachforum Gleichberechtigung die Aufgaben und Arbeitsweise der Genderkommission evaluiert und der nächsten Mitgliederversammlung ein Konzept für eine neue Kommission bzw. ein neues Gremium vorlegt.
Notwendigkeit dieses Gremiums
Geschlechtergerechtigkeit und die Verwirklichung der Rechte und Interessen von Frauen sind Leitbilder der GRÜNEN JUGEND. Doch hier gibt es eine große Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Im Gegensatz zu anderen politischen Jugendorganisationen hat die GRÜNE JUGEND zwar einen relativ hohen Anteil an weiblichen Mitgliedern, doch auch wir erreichen nicht, dass sich Frauen und Männer zu gleichen Teilen an der Arbeit des Verbandes beteiligen, sowie Positionen und Gremien paritätisch besetzt werden. Bemerkbar macht sich dieses z.B. bei Kandidaturen für Gremien und Ämter, die überwiegend von männlichen Mitgliedern angegangen werden, sowie einer männlich sozialisierten Debattenkultur auf den Bundeskongressen, Landesmitgliederversammlungen und anderen Veranstaltungen. Maßnahmen, wie etwa die Quote, sind wichtig, um die Position von Frauen innerhalb des Verbandes zu stärken. Sie reichen als Ansatz aber allein nicht aus, da sie die Probleme zunächst nur in die formelle Ebene verlagern. Unsere Zielsetzung muss sein, weitere Veränderungen voranzutreiben. Dies kann die "Frauenkommission" unterstützen, indem sie Vorschläge und Maßnahmen erarbeitet und in den Verband trägt.
Aufgaben der "Frauenkommission"
Wissen über die Aktivierung von weiblichen Mitgliedern sammeln, das in vielen Landesverbänden sowie in anderen Mitgliedsorganisationen von FYEG (Federation of Young European Greens), dem europäischen Dachverband der Grünen Jugend, bereits vorhanden ist. Bekannte Maßnahmen zur Frauenförderung sollen breiter beworben werden, z.B. indem Mitglieder der "Frauenkommission" die Mitgliederversammlungen der Landesverbände besuchen und die Maßnahmen dort vorstellen. Frauenförderungsprojekte sollen von der "Frauenkommission" begleitet sowie bei Abschluss evaluiert und anschließend ggf. Vorschläge zur Verbesserung erarbeitet werden. Auf den Mitgliederversammlungen reden Männer häufig öfters und länger als Frauen. Vorschläge zur Veränderung der bisherigen Debattenkultur und eine Untersuchung der Struktur der GRÜNEN JUGEND auf Diskriminierungen, die besonders Frauen, aber auch viele Männer betreffen, sollen ebenfalls vorgestellt werden. Damit Frauen ermutigt werden, sich aktiv an politischen Prozessen zu beteiligen und Verantwortung innerhalb der GRÜNEN JUGEND zu übernehmen, sollten sie die Möglichkeit bekommen in Seminaren politisches Handwerk zu erlernen. Dazu soll die "Frauenkommission", wenn möglich mit der Heinrich Böll Stiftung, Konzepte für Seminare mit ReferentInnenvorschlägen entwerfen, damit die Landesverbände diese Seminare ohne großen Aufwand für ihre weiblichen Mitglieder anbieten können. Zudem soll (gemeinsam mit der Heinrich Böll Stiftung) ein Konzept entwickelt werden, wie auf Mitgliederversammlungen Workshops für die männlichen Mitglieder durchgeführt werden können. Damit soll eine Sensibilität im Bereich der Geschlechtergerechtigkeit und Debattenkultur bei den Männern hervorgerufen werden. Auch weiterhin soll die "Frauenkommission" die Gleichberechtigung innerhalb der GRÜNEN JUGEND kritisch beobachten und wenn nötig Mängel aufzeigen. Über die Situation der Gleichberechtigung, Fort- und Rückschritte sowie Umsetzung der von der Kommission erarbeiteten Vorschläge soll einmal im Jahr Bericht erstattet werden. Aufbau, Arbeitsweise und Dauer
Die Mitglieder der "Frauenkommission" sollen auf dem letzten Bundesausschuss des Jahres für ein Jahr gewählt werden. Die "Frauenkommission" soll aus fünf Personen bestehen; es sollen nur Frauen Mitglied der Kommission werden dürfen, um den Aufträgen der Kommission gerecht zu werden. Da zurzeit besonders Frauen in der GRÜNEN JUGEND diskriminiert werden und zur politischen Teilhabe ermutigt werden sollen, macht es nur Sinn, wenn nur Frauen in diesem Gremium sitzen, da häufig nur sie die oft versteckte Diskriminierung feststellen, beschreiben und Maßnahmen dagegen entwickeln können. Wenn wir unser Ziel, dass gleich viele Frauen und Männer Mitglied bei der Grünen Jugend sind und Macht auch gleichermaßen unter Frauen und Männern aufgeteilt ist, erreicht haben, (ist) kann es durchaus sinnvoll sein auch Männer für die Kommission zu zulassen. Die Kommission soll sich mit ihren Vorschlägen auch an die männlichen GRÜNE JUGEND-Mitglieder richten. Regelmäßige Treffen, mindestens 3 pro Jahr, und Telefonkonferenzen sind notwendig, um eine kontinuierliche Arbeit zu ermöglichen. Entsprechende finanzielle Mittel sollen im Haushalt der GRÜNEN JUGEND miteingeplant sein. Die/der genderpolitische SprecherIn der GRÜNEN JUGEND, die/der Mitglied des Bundesvorstandes ist, soll als beratendes Mitglied an den Sitzungen der Kommission teilnehmen, allerdings kein Stimmrecht haben. Am Ende der Amtszeit sollen die Mitglieder der "Frauenkommission" eine Evaluation ihrer Arbeit abgeben, um zu gewährleisten, dass die Kommission auch bei einer Neubesetzung kontinuierlich weiterarbeiten kann und dass vorherige Fehler zukünftig vermieden werden können. Die Kommission ist mindestens solange notwendig bis unser Ziel erreicht worden ist. Deshalb sollte sie keine zeitlich begrenzte Kommission, sondern ein dauerhaftes Gremium der GRÜNEN JUGEND werden.