Schwules Blut in fremde Adern!

20.10.2011: Einen weiteren Schritt gegen die Diskriminierung Homosexueller geht die GRÜNE JUGEND mit folgendem Beschluss auf dem Bundeskongress in Gelsenkirchen vom 07.-09. Oktober 2011.

Das aktuelle Transfusionsgesetz ermächtigt die deutsche Ärztekammer, den Personenkreis zu definieren, der zur Blutspende zugelassen wird. Die Ärztekammer schließt dabei grundsätzlich Männer, die Sex mit Männern haben, (MSM) als Risikogruppe aus. Ein Blutspendeverbot für MSM verfällt niemals, sondern gilt ein Leben lang - selbst bei Abstinenz oder Monogamie. Den generellen Ausschluss von der Blutspende für MSM begründen das Robert-Koch-Institut, das Paul-Ehrlich-Institut und die Bundesärztekammer unter anderem mit der Statistik zur HIV-Neuinfektionsrate in Deutschland. Sie weist zur Zeit tatsächlich aus, dass rund 70% aller neuen Infektionen mit dem Immunschwächevirus auf homo- und bisexuelle Männer zurückgehen. Diese Regelung ignoriert aber vollkommen, dass es auch MSM gibt, die Safer Sex praktizieren oder jahrelang in einer monogamen Beziehung leben und von denen de facto kein höheres Risiko als von anderen SpenderInnen ausgeht! Darüber hinaus fehlt dieser statistischen Argumentation auch eine verlässliche Anzahl der MSM. Die GRÜNE JUGEND ist daher davon überzeugt, dass die genannte Statistik für einen generellen Ausschluss dieser Bevölkerungsgruppe nicht ausreichend ist!

Rationaler Schutz anstatt Stereotypenbildung!

Damit pauschalisiert die deutsche Ärztekammer alle MSM und öffnet gesamtgesellschaftlicher Stereotypenbildung und Stigmatisierung nicht heterosexuell lebender Männer Tür und Tor. Aufgrund moderner Testverfahren besteht längst nicht mehr das frühere Infektionsrisiko! Jede Spende wird getestet. Darüber hinaus ist es auch nicht nachvollziehbar, warum MSM etwa ihre Organe spenden dürfen, aber ihr Blut hingegen kategorisch verpönt wird. Im Gegensatz zu früheren Tests, die auf Antikörper des menschlichen Immunsystems gegen die Aids-Viren reagierten, weisen neue Testmethoden das Erbgut des Virus direkt nach. Dadurch lässt sich eine HIV-Infektion früher und sicherer erkennen. Noch absurder ist der grundsätzliche Ausschluss aller MSM von der Knochenmarkspende. Schließlich ist der Kontakt zur SpenderIn in diesen Fällen sehr viel enger. Außerdem gibt es häufig nur wenige SpenderInnen, die infrage kommen. Einerseits den Mangel an SpenderInnenblut zu beklagen und andererseits MSM-Spender pauschal auszuschließen, ist blanker Irrsinn.

Individuelle Verantwortung anstatt Gruppendiskriminierung!

Die europäische Kommission hat in einem aktuellen Urteil unter anderem festgestellt, dass der pauschale Ausschluss aufgrund von sexueller Orientierung und nicht aufgrund des eigentlichen Risikoverhaltens, nicht mit europäischem Recht übereinstimmt. Dies bestätigt uns in unserer Position. Die GRÜNE JUGEND hält die bisherigen Sicherheitsmaßnahmen für ausreichend. Bereits heute füllt jedeR BlutspenderIn einen Fragebogen zur Person aus. Außerdem steht es jedem Menschen frei, sein Blut bei Gewissensbissen als nicht verwendbar zu markieren. Dies geschieht absolut geheim und anonym. Ebenfalls lässt der verwendete HIV-Schnelltest (NAT) Rückschlüsse auf das Blut in ausreichender Weise zu. Ein höheres Risiko für BlutempfängerInnen sich mit HIV zu infizieren ist nicht zu erwarten. Die GRÜNE JUGEND setzt sich darüber hinaus dafür ein, die Verwendung des Begriffes Risikogruppe bei der Begründung des Ausschlusses von der Blutspende, zugunsten der Verwendung des Begriffes Risikoverhalten, komplett abzuschaffen. JedeR sollte LebensretterIn sein dürfen!