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Ja, wir sind keine PatriotInnen. Uns sind andere Dinge einfach wichtiger als Deutschland: Individuelle Freiheiten, soziale Rechte oder die Frage, ob auch die nachfolgenden Generationen noch auf diesem Planeten leben können.
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Patriotismus - Nein Danke!
Patriotismus - Nein Danke!
Inhalt: 

Alle Jahre wieder, wenn ein Fußballevent gefeiert wird, tauchen alle möglichen Gegenstände in schwarz-rot-gelb auf und es werden massenhaft Fahnen geschwenkt, an Autos und Balkone gehängt und als Schmuck benutzt. Vor zwei Jahren haben wir im Kontext der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer 2010 einen Aufkleber entwickelt, der den Titel „Patriotismus? Nein danke!“ trägt.

Alle Jahre wieder, so auch in diesem Jahr zur EM fallen linke Gruppierungen auf, die sich kritisch mit dem Patriotismus auseinandersetzen und werden zu Staatsfeinden erklärt. Uns haben in den letzten Tagen auf unterschiedlichen Wegen viele Anfragen erreicht. Wir sind in der Jungen Freiheit, eine Wochenzeitung der Neuen Rechten, als Deutschlandfeinde bezeichnet worden und die Junge Union, Jugendorganisation der CDU/CSU, hat uns eine Pressemitteilung gewidmet.

Alle Jahre wieder kriechen auch die aus ihren Löchern, die uns noch bevor wir den Nationalsozialismus erwähnen, auffordern, darunter doch endlich einen Schlussstrich zu ziehen. Und diejenigen, die mit diesem Schlußstrich auch gleich Schlesien wieder deutsch machen wollen. Wir werden am Telefon beschimpft und bedroht und in eMails aufgefordert, das Land zu verlassen. Alle Jahre wieder fühlen wir uns durch die Reaktionen darauf, dass wir einfach keine PatriotInnen sein wollen, ein wenig bestätigt in der Ansicht, dass Patriotismus nicht richtig ist.

Wir freuen uns darüber, dass wir mit unserem Material eine Kontroverse ausgelöst haben. Wir haben mit Kritik gerechnet, halten sie aus und hoffen, dass zwischen dem Shitstorm auch jemand unsere Argumente hört.

Denn es geht bei Patriotismus um mehr als um Fähnchen und Fußball. Patriotismus ist immer wieder ein Argument in den alltäglichen Auseinandersetzungen der Politik: Wenn es um den Kampf um Arbeitsplätze geht, um das Asylrecht, um Feminismus, um Umweltschutz, dann steht in konservativen Argumenten oft genug der Zusammenhalt und Zukunft der „Deutschen“ oder die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gegen Dinge, die uns viel wichtiger sind.

Der Party-Patriotismus rund um den Fußball läßt sich davon nicht trennen. Er lässt sich auch nicht trennen von der alten Zwangsgemeinschaft Nation. Die Trennung zwischen guten PatriotInnen und schmuddeligen NationalistInnen gibt es nicht; der positive Bezug zum eigenen „Vaterland“ bedeutet immer auch die Abwertung von Anderen, weil sie zum Beispiel AusländerInnen sind oder homosexuell. Das widerspricht zwar den gefühlten Erlebnissen und erst recht den Wünschen der meisten Beteiligten, lässt sich aber empirisch nachweisen: Der Bielefelder Soziologe Heitmeyer hat vor und nach der WM in Deutschland im Jahre 2006 Menschen befragt und festgestellt, dass Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit während der WM angestiegen waren.

Diese Verbindung ist nichts neues. Schon im 19. Jahrhundert war der deutsche Nationalismus kriegerisch, antisemitisch und sexistisch. Von Turnvater Jahn, 1848 Abgeordneter in der Paulskirche, nach dem in jeder deutschen Stadt die Straße neben der Turnhalle benannt ist, ist überliefert, dass er gesagt hat: “Franzosen, Polen, Junker, Pfaffen und Juden sind Deutschlands Unglück.” - Einen Satz, in dem für den heutigen Leser klar schon Verdun und Auschwitz mitschwingen. Die beiden Weltkriege, der Nationalsozialismus, die Shoah und die Kontinuitäten zwischen NS-Regime und BRD sind so gesehen keine Ausnahme, sondern ein Teil des Ganzen.
Unser Anti-Patriotismus besteht in vollem Bewusstsein der Geschichte der Schwarz-Rot-Goldenen Flagge. Uns ist dabei auch bewusst, dass sie im Dritten Reich verboten war. Wir verweigern uns dieser nationalen Symbolik, weil wir uns jeglicher nationalen Symbolik verweigern. Wir wollen das Konzept des Nationalstaats überwinden. Das heißt: Wir lehnen es auch ab, türkische oder polnische oder irgendwelche anderen PatriotInnen zu sein und wir fühlen uns wohl mit FreundInnen aus allen Ländern, die auch keine PatriotInnen sind, weil ihnen andere Dinge viel wichtiger sind.

Alle Jahre wieder wirft man uns vor, den Menschen den Spaß am Fußball zu nehmen. Wenn jemand sich den Spaß durch unseren Aufkleber nehmen lässt, wird es schon einen sehr guten Grund geben denn dann schwingt mit den vermeintlich unverkrampften Fahnenschwenken noch etwas ganz anderes mit. Es muss uns erlaubt sein, nicht patriotisch sein zu wollen und es muss erlaubt sein, das kund zu tun.

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Vom 14 Jun 2012 - 02:00