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Zoos abschaffen? Zugegeben, der Vorschlag trifft in Deutschland selten auf viel Gegenliebe. Von seinen BefürworterInnen als Arche Noah gepriesen, präsentiert sich der moderne Zoologische Garten von heute tierfreundlich und erlebnisreich zugleich. Vorbei sind die Zeiten, in denen Tiere auf blutige Weise in der Wildnis gefangen und nach Europa verschleppt wurden. Verschwunden sind in den meisten Fällen auch die engen Knäste und die hohen Zäune. Vermutlich deshalb richtet sich gegen ihn inzwischen kaum noch öffentlicher Widerstand. Nadine McNeil plädiert dafür, dass wir trotzdem daran fest halten.
Inhalt: 

Die Debatte über Zoos verläuft dubios, vorausgesetzt sie findet überhaupt statt. Meistens sind es die erregten Berichte der ZoobesucherInnen, die mensch zu hören bekommt, die erzählen wie unglaublich süß doch wieder alles war. Persönlich kann ich an der unterdrückenden Zurschaustellung von Tieren nichts Süßes finden. Doch die Argumente für den Zoo halten sich hartnäckig. Zeit, ihnen mal kritisch auf den Grund zu gehen.

Currywurst statt Tierkunde

Da wäre als erstes das älteste Argument der Zoodirektoren, der Zoo würde die Bildung in Natur- und Tierkunde fördern und die BesucherInnen für das Dilemma bedrohter Arten sensibilisieren. Woran sich der Erfolg misst, ist allerdings nicht zu erkennen. 94 Prozent aller Deutschen besuchen mindestens einmal im Leben einen Zoo. Würde sich nur ein Viertel dieser Menschen um Natur- und Artenschutzbelange sorgen, sehe die Welt bei weitem anders aus. Konsequenterweise würden sie sich dann wohl zwischen Zwergziegen und Breitmaulnashörnern nicht noch schnell eine Currywurst reinpfeifen. Wer ein wirkliches Interesse am tierischen Leben hat, der lernt bei jeder TV-Dokumentation mehr.

Mindestens genauso fragwürdig und dennoch beliebt ist die Behauptung, der Zoo wäre ein Hort der Wissenschaft und in seiner Funktion als Ort des Forschens an tierischen Verhaltensmustern unersetzlich. Ungeklärt bleibt dabei jedoch die Frage, wie das naturtypische Verhalten der armen Kreatur erforscht werden soll, die sich in Gefangenschaft befindet und dementsprechend artuntypisch verhält.

Gewinnmaximierung statt Artenschutz

Doch wie sieht es nun aus mit dem Zoo als Arche Noah, der bedrohte Tierarten vor dem Aussterben bewahrt? Weil das Ziel der langfristigen Gewinnmaximierung, wie in allen Unternehmen, auch in den Zoos die oberste Maxime bildet, beschränkt sich das Bedürfnis bedrohte Arten zu retten allenfalls auf spektakuläre Arten, bei denen es sich betriebswirtschaftlich lohnt sie auszustellen. Solange dies so bleibt, lässt sich der Kampf gegen das Artensterben - bei aller Dramatik - mit Zoos nicht gewinnen. Zudem: Was vor einigen Jahren im Falle der Auswilderung des Wisals gelungen ist, gilt realistisch betrachtet leider nur für die wenigsten Tierarten. Denn fast immer sterben Arten dann aus, wenn ihr Lebensraum vom Menschen zerstört oder beschlagnahmt und eine Wiederansiedelung folglich utopisch ist. Die Tiere erwartet stattdessen eine Zukunft in ständiger Gefangenschaft.

Verhaltensstörungen statt artgerechtem Leben

Die Zoos haben sich gewandelt und sind nun viel artgerechter, heißt es dann zum Schluss noch. Weg von den Knästen, hin zu großräumigen Gehegen, die dem natürlichen Lebensraum der Tiere nachempfunden sind. Nur: Den artgerechten Zoo gibt es nicht und wird es nie geben, auch wenn uns die äußere Verpackung etwas anderes vorgaukelt. Mögen die optischen Ähnlichkeiten zur Natur auch noch so beeindruckend sein: klimatische Bedingungen, Stressfaktoren, Konkurrenzbedingungen, Futtersituatiton - all das, was den Lebensraum einer Art ausmacht, lässt sich im Zoo nicht nachbilden. Artgerecht sind diese Inszenierungen allein für den schaulustigen Menschen, dem der Anblick von Tieren in engen Käfigen dann doch auf das Wohlbefinden schlägt. Angesichts der neuen Luxuskäfige fällt es den BesucherInnen leichter, den Schwindel vom Wandel der Zoos zu glauben. Am Leid der Tiere hat sich aber nicht viel geändert.

Gerade für die Publikumsmagneten wie Knut und seine Eisbär-KollegInnen ist die Zoohaltung eine Qual, denn sie durchstreifen in der Natur - geleitet von einem starken Wander- und Jagdtrieb - riesengroßen Reviere an den Küsten des Nordpolarmeeres. Dem Gießener Tierschutzprofessor Hanno Würbel zufolge gibt es in deutschen Zoos keinen einzigen Eisbären, der keine Verhaltensstörung aufweisen würde. Besonders schlimm treffe es die Tiere wie Knut, die von Hand aufgezogen werden. So entzückt Medien und BesucherInnen beim Anblick des knuffigen Bären auch sind, wer Eisbären, Elefanten und Raubtiere in Zoos hält, nimmt die Qual der Tiere billigend in Kauf. Solange sich die Abschaffung der Institution Zoo als Ganzes nicht durchsetzten lässt, wäre zumindest ein konsequentes Ende der Raub- und Wandertierhaltung eine tierethische Pflicht.

Nadine McNeil, 21, studiert Umweltwissenschaften in Lüneburg und ist Schatzmeisterin der GRÜNEN JUGEND.

Artikelart: 
Artikel
Vom 30 Aug 2007 - 02:00