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Viele Menschen, wenig Platz und die unbegrenzte Freiheit des Konsums. In Großstädten zeigt sich das Müllproblem in aller Deutlichkeit. Mit welchen Folgen erklärt Nadine McNeil,Beisitzerin im Bundesvorstand.
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Wer über Großstadtmüll spricht, kommt an New York City nicht vorbei. In der Welthauptstadt des Konsums fallen jeden Tag 13.000 Tonnen Müll allein aus privaten Haushalten an. In Staten Island, dem bevölkerungsschwächsten Stadtteil New Yorks türmt sich der Abfall der einzigen Müllhalde mittlerweile so hoch, dass unter ihm die Erde einzusacken droht. "Mount Garbage" nennen die New YorkerInnen ihren Müllberg, der aufgrund mangelnder Sicherheitsauflagen seit seiner Inbetriebnahme 1948 eigentlich immer nur als vorübergehende Lösung galt. Tatsächlich könnte der Austritt giftiger Stoffe verheerende Auswirkungen für die Umwelt haben. Aber nicht nur Staten Island leidet unter dem vielen Müll. In der South Bronx und in Brooklyn, dort wo sich der Großteil der Verladestationen befindet, die den Müll zum Export ausliefern, leiden die Menschen zehn bis zwölf mal häufiger an Asthma als im Rest des Landes. Der Müll lockt und nährt zudem Ratten und Küchenschaben sowie anderes Ungeziefer. BürgerInnen wie PolitikerInnnen sind sich dem Problem bewusst. Auch weil der finanzielle Druck immer größer wird. In den kommenden Jahren wird allein der Müllexport in andere Staaten die Stadt rund 6 Milliarden Dollar kosten. Ändern wird sich trotz allem so schnell nichts, denn dafür müsste die Stadt ihre Prinzipchen überdenken.

Müll in Deutschlands Citys

Die BürgermeisterInnen der deutschen Großstädte beschäftigen sich derweil lieber mit einer anderen Erscheinung der Müllproblematik. Städte wie Frankfurt, Hamburg oder Köln sagen den "Kleinmüll"-SünderInnen den Kampf an, die Zigarettenkippen oder Taschentücher auf die Straße werfen und damit das Stadtbild beschmutzen. "Müll macht schlechte Laune" heißt eine solche Kampagne aus Frankfurt, nach der mit 75 Euro zur Kasse gebeten wird, wer den Haufen seines Hundes nicht ordnungsgemäß entsorgt. In Köln und Hamburg gehen "Waste Watcher"-Truppen gegen illegale Abfallbeseitigung vor. Für die Säuberung des Stadtbildes werden in den Städten bis zu 50 Millionen Euro jährlich aufgewendet. Das macht Müll zum Thema. Nur spricht niemand darüber, dass auch hier der Müll größere Probleme mit sich bringt. 500 Kilogramm Müll pro Person und Jahr werden in deutschen Städten produziert. Dass auch hier der Platz auf Mülldeponien knapp wird und Sickerwasser den Boden und das Grundwasser gefährdet, ist in der Diskussion um saubere Städte, wenn überhaupt, zweitrangig. Fortschrittliche Systeme zur Abfallvermeidung gibt es selten. Nach Schätzungen des Öko-Institut ließe sich durch eine Intensive Beratung und Motivierung der BürgerInnen die Müllmenge in Großstädten um die Hälfte oder zumindest ein Drittel reduzieren. Doch die Gelder dafür lassen sich nicht aufbringen. Und auch im Bereich Abfallverwertung tun sich die Städte bisher schwer.

Auswege aus der Misere

Während es technisch möglich wäre 80 Prozent des Hausmülls wiederzuverwerten, liegt die Quote in Deutschland zur Zeit bei unter 50 Prozent. In Berlin beispielsweise werden immer noch 50 Prozent des jährlichen Mülls einfach auf Deponien abgelagert. Sinnvolle Maßnahmen zur Umstellung auf mechanisch-biologische Aufbereitungsmethoden sind unpopulär, denn MieterInnen müssten sich vermutlich auf höhere Kosten für die Müllentsorgung einstellen. Zudem stößt der Bau neuer Anlagen zur Wiederverwertung oft auf heftigen Widerstand der AnwohnerInnen, auch wenn diese sich ökologisch und finanziell lohnen. Städte wie Wien haben dies erkannt und gehen bereits als gutes Beispiel voran. In der österreichischen Hauptstadt werden derzeit zwei von Europas modernsten Abfallverwertungsanlagen gebaut und sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre ihren Betrieb aufnehmen. Dann sollen 250.000 Tonnen Müll rund 50.000 Wiener Haushalte mit Fernwärme und etwa 5.300 auch mit Strom versorgen und dadurch jährlich rund 30.000 Tonnen CO2-Abgase einsparen. Schlaue Städte sollten diesem Beispiel folgen, damit aus der schlechten Laune keine anhaltende Migräne wird.

Nadine McNeil (20) ist Beisitzerin im Bundesvorstand. Sie studiert Umweltwissenschaften in Lüneburg und hat Umweltpolitik zu ihrem Schwerpunkt gemacht.

Artikelart: 
Artikel
Vom 3 Nov 2006 - 01:00