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Die Rechtsextreme Szene rekrutiert ihre Jugend längst nichtmehr nur über die rechte Skinheadkultur. Sebastian Brux berichtet in Zitro, der Zeitschrift der Grünen Jugend Baden-Württemberg.
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Rechtsextreme Symbole
Rechtsextreme Symbole
Inhalt: 

Die rechtsextreme Szene rekrutiert ihre Jugend längst nicht mehr nur über die rechte Skinheadkultur. Vielmehr werden bewusst die Mittel der Musik, Kleidung und Cliquenbildung eingesetzt, um junge Menschen an den rechten Rand zu führen. Die Grenzen werden immer wieder überschritten, doch bei Verboten wird auf Zahlencodes zurückgegriffen.

Rechtsextreme Zahlencodes

Die Zahlen stehen für die Position des jeweiligen Buchstaben im Alphabet:

  • 88 (für "Heil Hitler")
  • 18 (für Adolf Hitler)
  • 14 oder 14 Words (für eine rassistische Losung des amerikanischen Rechtsextremisten David Lane: "We must secure the existence of our race and a future for white children")
  • 13/47 (für "Mit deutschem Gruß")
  • 74 (für "Groß Deutschland")
  • 19/8 (für "Sieg Heil")
  • 28 (für Blood & Honour)

Geschlechterrollen

In der rechtsextremen Szene herrscht ein altmodisches Geschlechterbild vor. Männer müssen sich ihre Stärke und Potenz durch Gewalt und Saufgelage, Kameradschaft, Stand- und Wehrhaftigkeit verdienen. So geht die Gewalt in der rechtsextremen Szene auch überwiegend von Männern aus. Aber auch Frauen nutzen die rechtsextreme Szene als Sozialisationsinstanz. Auch wenn sie weniger gewalttätig sind, beteiligen sie sich aktiv an der politischen Arbeit, unterstützen dabei ihre Freunde oder stiften diese an.

Rechtsextreme Symbole

strafbar nach §§ 86a, 86Abs. 1 Nr. 1, 2 und 4 Strafgesetzbuch - StGB –

  1. Hakenkreuz und Swastika–Kreuz – auch leicht verändert verboten
  2. Sigrune - (germanisches "S") Zeichen des Deutschen Jungvolkes (doppelte Sigrune war Zeichen der Waffen-SS)
  3. Wolfsangel - Zeichen für Wehrhaftigkeit, auch Zeichen der verbotenen Jungen Front
  4. Reichskriegsflagge mit Hakenkreuz
  5. Lodernde Flamme - Symbol von "Nationalen Sammlung" (NS), "NS" doppelt umrahmt

In § 86a Abs. 2 StGB, 2. Satz heißt es: "Den in Satz 1 genannten Kennzeichen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind.".

Kleider machen Leute

Wie in jeder Subkultur hat auch die rechtsextreme Szene einen eigenen Kleidungsstil, über den man sich identifiziert. Differenziert sollte man dabei an die Firmen herangehen, die zum Teil bewusst für die Nazi-Klientel produzieren (z.B. "Consdaple”, "Thor Steinar”, "Masterrace” oder "Walhal Germany”) und eben jenen, die durch ihr Logo missbraucht werden (z.B. "New Balance”, "Fred Perry”, "Lonsdale”). Die Kleidung hat baut stark auf Symbolik und Kodierung durch Buchstaben und Zahlen auf. So verbirgt sich im Schriftzug von "Consdaple” unter einer Bomberjacke nur noch das lesbare "-NSDAP”- und in "Lonsdale” das "-NSDA-”, oder ihre Schriftzüge erinnern in ihren Schriftzügen an Rechtsrockprojekte wie "Landser” oder "Screwdriver”. Oft werden Zahlencodes wie die "88” ("Heil Hitler”) oder die "28” ("Blood & Honour”) im Logo versteckt. Offensichtlich wird es vor allem auf T-Shirts, durch die eine eindeutige nationalistische Gesinnung deutlich wird ("Ich bin Stolz ein Deutscher zu sein”) oder durch offene Verehrung von Nazi-Kriegsverbrechern wie Rudolf Heß. Die Symbolik auf der Kleidung baut auf ein völkisch-germanisches ("Walhalla”) und germanisch-mystisches (Keltenkreuz, Triskele) Bild auf.

Musik

Im klassischen Rechtsrock gibt es neben der ursprünglichen Oi!-Musik auch Techno, Dark-Wave und Schlager. Kein Klientel wird hier vernachlässigt. Von Musikern wie "DJ Adolf” bis zu den "Zillertaler Türkenjägern” gibt es alles, was das Nazi-Herz begehrt. Die Musik ist sehr einfach gestrickt, die Texte bauen auf antisemitischen, rassistischen und faschistischen Stammtischparolen auf, verherrlichen Gewalt, sind schnell zu verstehen und leicht zu grölen. So sagte der JN (Junge Nationaldemokraten) Stratege Sascha Wagner einmal in einem Interview, dass die Musik zwar Schrott sei, aber eben gut geeignet um Jugendliche anzusprechen.

So produzierte die NPD neben der ersten Schulhof-CD, die wegen ihres Inhalts im August 2004 verboten wurde, für die sächsische Landtagswahl eine zweite Auflage unter dem Titel "Schnauze voll - Wahltag ist Zahltag”. Diese konnte nicht verboten werden und kam so 25.000-fach in Umlauf. Für die Bundestagswahl 2005 ist eine Neuauflage geplant.

Über Musikmagazine wie "Rock Nord” wird für Neuerscheinungen in der Rechtsrock-Szene geworben. Mailorder für ihre Musik gibt es wie Sand am Meer, etwa 100 bis 120 rechter Musikgruppen haben bei über 50 Plattenlabels rund 750 CD's eingespielt. Die Verkaufszahlen lagen dabei im Millionenbereich. Durch die Möglichkeit von CD-Brennern und Internettauschbörsen gelangt deren Musik in eine kaum mehr zu erfassende Zahl von Köpfen.

Und gerade durch den hohen Umlauf rechtsextremer Musik ist sie omnipräsent und genießt eine hohe Akzeptanz. Michael Weiß von APABIZ berichtet beispielsweise von Schulausflügen in Sachsen-Anhalt, wo LANDSER (verbotener Rechtsrock) beim Schulausflug im Bus lief oder von Karnevalsumzügen in Mannheim und Hockenheim, wo LANDSER von Umzugswägen schallte.

In Neustadt/Aisch gab es sogar eine Hip-Hop-Band, die Texte von LANDSER-Texte coverte. Richtig Gefährlich wird Rechtsrock dann, wenn eine passende radikale Peer-Group vorhanden ist, die die Musik in Handeln umsetzt.

Alternativ-Kultur fördern

Rechtsextreme Jugendarbeit lässt sich nur schwer bekämpfen. Vor allem, wenn keine Alternativen für die Jugendlichen geboten sind. Deshalb ist es um so wichtiger, alternative, demokratische Jugendkulturen zu fördern, Jugendkulturzentren zu stärken, MusikerInnen Proberäume zur Verfügung zu stellen, Sportplätze und weitere Jugendangebote zu erhalten und schaffen, mit denen sich junge Menschen frei von politischer Indoktrinierung entwickeln können. Die NPD übernimmt bewusst über JugendleiterInnen Jugendarbeit, schleicht sich so ein, liefert Musik und Bier, Bratwurst und Cola. Gesellschaft und Politik muss sich deshalb stärker für Jugendarbeit interessieren, diese Fördern und in Notfällen eingreifen.

Das Wegschauen von heute ist die Gefahr für Freiheit und Demokratie von morgen!

Artikelart: 
Artikel
Vom 11 Sep 2005 - 02:00