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Wasser ist eine der Voraussetzungen für das Leben auf der Erde. Auch für das Leben von uns Menschen. Ein Artikel von Kathrin Henneberger.
Inhalt: 
Der zweiteilige Artikel ist Teil einer Serie der GRÜNEN JUGEND zum Thema „Wem gehört die Welt?“, in deren Zentrum die „Eigentumsfrage“ steht. Im ersten Part geht es allgemein um die existenzielle Wichtigkeit des Wassers. Der nächste Artikel wird sich intensiv mit der voranschreitenden Liberalisierung der Wasserversorgung auseinander setzen.

Durch die enge Verbundenheit des Kohlenstoff- und Wasserkreislaufs konnten sich über Jahrmillionen lebensfreundliche Umweltbedingungen auf der Erde bilden. Die Aufrechterhaltung dieser Umweltbedingungen ist existenziell für Mensch und Natur. Denn jedes Lebewesen braucht Wasser zum Leben und Überleben, entweder direkt oder indirekt über die Nahrung. Wasser ist eine sich in einem Kreislauf erneuerbare Ressource, der von uns Mensch nicht überansprucht werden darf. Wasser ist ständig in Bewegung, zwischen Atmosphäre, Landoberfläche, Boden, Grundwasser, Flüssen, Seen und Meer. Es fungiert wie keine andere Substanz auf der Erde als Bindeglied und Mittler zwischen verschiedenen Teilen des Erdsystems. 96% des globalen Süßwassers sind jedoch für Zehntausende von Jahren von unserem Zugriff entzogen. 60% sind in den Gletschern der Arktis, 6% in den Gletschern Grönlands und 30% sind in geologischen Schichten gespeichert. Das für den Menschen zugängliche Süßwasser ist also ein minimaler Bruchteil.

Der sichtbare, flüssige Wasserstrom in Gewässern wird als das blaue Wasser bezeichnet. Als grünes Wasser ist der unsichtbare Fluss von Wasserdampf von der Erdoberfläche in die Atmosphäre benannt. Die Verdunstung durch Vegetation wird als produktives grünes Wasser bezeichnet.

Das blaue Wasser

Die Kontrolle über den blauen Wasserstrom ist eng mit der Geschichte der Menschheit verknüpft. Wir benutzen ihn für Bewässerung, Industrialisierung, Transport und Erzeugung von Energien. Der Fluss des produktiven grünen Wassers bestimmt das Pflanzenwachstum und damit auch das Nahrungsangebot.

Insgesamt braucht der Mensch pro Kopf am Tag 3-5 Liter als Trinkwasser, 20-40 Liter als Sanitärwasser. Hinzu kommt noch unterschiedlich hoher Wasserbedarf durch die benutzen industriellen Produkte. Zur Aufrechterhaltung einer adäquaten Lebensqualität braucht der Mensch ungefähr 100 Liter blaues Wasser am Tag. Der weitaus größere Teil der Menschheit hat zum einen aufgrund natürlicher Ursachen, aber vor allem aufgrund politischer und wirtschaftlicher Ursachen, nicht ausreichend Wasser zum Leben. So hat ein Mensch in Mali nur 4,5 Liter am Tag, während ein Mensch in den USA 578 Liter am Tag verbraucht.

Derzeit nutzen wir nur 1% des vorhandenen blauen Wassers. Eine Basisversorgung für 6,5 Milliarden Menschen hält die Erde bereit. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben jedoch 2,6 Milliarden Menschen (2004) keinen Zugang zu notwendigen hygienischen Einrichtungen. Und 1,2 Milliarden Menschen haben laut WHO keinen Zugang zu ausreichend Süßwasser.

Besonders in Entwicklungsländern herrscht Wasserarmut. Als Folge sind Wasser bedingte Krankheiten dort das drittgrößte Gesundheitsrisiko. Bakteriell ausgelöste Durchfallerkrankungen wie Cholera, Typus und Ruhr, Viruserkrankungen wie Kinderlähmung und Hepatitis A, oder Parasitenerkrankungen werden durch verschmutztes Wasser verursacht. 2,3 Millionen Menschen sterben pro Jahr wegen fehlenden sauberen Wassers. 90% davon sind Kinder unter 5 Jahren. 160 Millionen Menschen sind mit Bilharziose infiziert (Parasitenerkranktheit). 133 Millionen Menschen leiden unter dem Parasitenbefall von Spul-, Peitschen und Hackenwürmern. Insgesamt sterben mehr Menschen an Durchfallerkrankungen als an Tuberkulose und Malaria, auch hier sind die Kinder am schwersten betroffen.

Durch Übernutzung und Verschmutzung geraten die Welt-Süßwasser Reserven immer mehr unter Druck. Wachsende wirtschaftliche Aktivitäten, Verbesserung der Lebensbedingungen und Bevölkerungswachstum führen zu einer verstärkten Wassernachfrage. Die Wasserknappheit liegt meist aber nicht an fehlender Wasserverfügbarkeit, sondern am schlechten Wassermanagement. An fehlender Wasserversorgungs- und Endsorgungs- Infrastruktur und unfairen Verteilungssystemen. Da aber die zur Verfügung stehende Wassermenge aufgrund der beschränkten Ressourcen nicht einfach gesteigert werden kann, kann dieses Problem nur durch eine effizientere Wasserversorgung, eine gerechtere Verteilung und durch Einsparungen gelöst werden. Der Klimawandel trägt durch das Schmelzen der Gletscher, Wüstenausbreitung und den Anstieg des Meeresspiegels vieler Orts zu einer Verstärkung der Süßwasserverknappung bei. Deswegen brauchen wir einen radikalen Klimaschutz, um die Trinkwasserquellen unserer Erde zu retten.

Das grüne Wasser

Den grünen Strom von Wasser, also die Verdunstung durch Pflanzen nutzen wir landwirtschaftlich zur Produktion unserer Nahrungsmittel. Laut FAO braucht ein Mensch mit ausgewogener Ernährung etwa 3000 kcal pro Tag. Davon 2400 kcal aus Pflanzen, für deren Wachstum im Durchschnitt 1200 Liter Wasser benötigt werden. Die restlichen 600 kcal aus Tierischen Nahrungsprodukten, für die 2400 Liter benötigt werden. Die benötigte Wassermenge für Fleisch ist also ungefähr 8-mal höher. Ingesamt benötigt ein Mensch 3600 Liter Wasser pro Tag für die Produzierung seiner Nahrungsmittel. Dies sind 1300m3 pro Jahr. Im Schnitt liegt der globale Kopfverbrauch aber bei 1200m3 im Jahr.

Die Erde bietet heute aber genügend Platz und Wasser um eine gesunde Ernährung jedes Menschen zu gewährleisten. Das Problem ist die ungerechte Verteilung der Nahrungsmittel. Während ein Nordamerikaner 1800m3 Wasser pro Jahr verbraucht, verbraucht ein Afrikaner nur 600-900 m3 pro Jahr. In den Industrieländern entsteht der hohe Wasserverbrauch auch durch den hohen tierischen Anteil an der Nahrung, der zwischen 30-35 % liegt. Während in den Entwicklungsländern über 800 Millionen Menschen unterernährt sind. Durch einen Verzicht auf tierische Produkte kann die Hälfte des benötigten Wassers zur Produktion der Nahrungsmittel gespart werden.

Höhere landwirtschaftliche Erträge können heute ohne extra Wasserverbrauch erwirtschaftet werden. Durch bessere Wasserbildung der LandwirtInnen und bessere Anbautechniken. Z.B. kann eine dichtere Pflanzendecke bewirken, dass das Wasser durch den Schatten vom Boden aus weniger verdunstet. Oder durch unterirdisch verlegte Tropfbewässerung, die direkt die Wurzeln erreicht, wird verhindert, dass das meiste Wasser ungenutzt im Boden versickert. Mit verschiedenen Maßnahmen lassen sich so mit minimalem Wasserverbrauch hohe Erträge erzielen.

Wasser ist ein Menschenrecht!

Die Versorgung mit Wasser ist jedoch nicht einfach eine humanitäre Verpflichtung, sondern auch eine rechtliche. Es ist in Artikel 25 der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in den Artikeln 11 und 12 des Sozialpaktes der Vereinten Nationen geregelt, auch ist es Bestandteil vieler Zusatzverträge. Das Recht auf Wasser ist eines der wichtigsten Menschenrechte und leider auch eines der am häufigsten gebrochenen. Wasser entnehmen wir der Natur und dem natürlich Globalen Wasserkreislauf. Wasser kann niemandem gehören, kein Mensch kann alleinig einen Anspruch darauf erheben. Wasser braucht jeder Mensch für das tägliche Überleben und für eine gute Gesundheit. Wasser ist der Grundstein für Leben. In den Menschenrechten ist dies bereits festgeschrieben. Jeder Mensch hat ein Recht auf eine gute Gesundheitsvorsorge und auf Nahrung.

Kathrin Henneberger (20) ist Beisitzerin im Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND und studiert Geoökologie.

Quellen:

  • Buch: "Wie lange Reicht die Ressource Wasser?" von Wolfram Mauser
Artikelart: 
Artikel
Vom 15 Mär 2008 - 01:00