Angst schüren kann keine Lösung sein

11.09.2011: Zehn Jahre sind heute seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vergangen. Zeit genug, zurück zu blicken auf die Konsequenzen, die daraus gezogen wurden.

Es ist ein Tag, den die Welt wohl nie vergessen wird: Am 11.09.2011 lenkten al-Qaida – Terroristen entführte Personenflugzeuge in beide Türme des New Yorker World Trade Centers und ins Pentagon, eine vierte Maschine stürzte über einem kleinen Ort in Pennsylvania ab. Rund 3000 Menschen kosteten die Anschläge das Leben, die ganze Welt war schockiert.
Zehn Jahre sind seitdem vergangen, politisch wurden viele Konsequenzen daraus gezogen. Doch waren es die richtigen?

Dass derartige Anschläge schrecklich und absolut zu verurteilen sind, ist wohl ebenso unumstritten wie die Tatsache, dass Vorkehrungen getroffen werden müssen, die verhindern, dass so etwas nicht noch einmal passiert. Dazu gehören beispielsweise verschärfte Kontrollen an Flughäfen. Doch viele politische Reaktionen gingen weit darüber hinaus und sind durchaus kritisch zu betrachten.
Unmittelbar nach dem 11. September schuf der damalige US – Präsident George W. Bush den Ausdruck „Kampf gegen den Terrorismus“. Diese vier Worte waren nicht nur Grundlage für die Einführung notwendiger Sicherheitsbestimmungen, sondern wurden auch zur selbstverständlichen Legitimation für den Krieg in Afghanistan, den Krieg im Irak und die Wehrausgaben, die sich in Amerika seitdem beinahe verdoppelt haben. Es ist wohl nicht zu leugnen, dass in den USA sowohl Regierung als auch Rüstungsindustrie aus dem 11. September Vorteile gezogen und eigene Interessen verfolgt haben.
Auch in Deutschland hat sich seit den Anschlägen in New York einiges verändert. Die bedeutendste Reaktion war wohl das Inkrafttreten verschiedener Anti-Terror-Gesetze, die u.a. die Sicherheitsüberprüfungen im Luftverkehr verschärften oder eine gemeinsame Antiterrordatei für Polizei und Geheimdienste vorsahen. Besonders umstritten ist in diesem Zusammenhang die Vorratsdatenspeicherung, die es ermöglicht, Daten von Personen auch ohne akute Notwendigkeit auf zu bewahren. Immer wieder gab es heftige Proteste aus der Bevölkerung, dennoch wurde das Gesetz, das eigentlich zum Anfang des Jahres 2012 auslaufen sollte, im Juni 2011 von der schwarz-gelben Regierung verlängert.
Besonders konservative PolitikerInnen haben in den letzen Jahren verstärkt Angst vor Terrorismus geschürt, in den Reihen der CDU gehört der Ausdruck „Sicherheitsgesetze verschärfen“ mittlerweile zum ständigen Wortschatz. Bücher wie das von Thilo Sarrazin finden eine breite Anhängerschaft und in Umfragen geben erschreckend viele Deutsche an, Angst vor muslimisch aussehenden Menschen zu haben, obwohl die mit radikalen Islamisten nichts zu tun haben und sich größtenteils entschieden von ihnen distanzieren.

Es sind Alarmsignale, die uns zeigen sollten, dass es so nicht weiter gehen kann. Dass es keine Lösung sein kann, dass im Kampf gegen den Terrorismus ein Überwachungsstaat entsteht oder dass wir uns fürchten, wenn eine Frau mit Kopftuch die S – Bahn betritt. Stattdessen sollten wir die Chancen nutzen, die in einer multikulturellen Gesellschaft wie der unseren stecken und die Integration ausländischer MitbürgerInnen fördern.
Wenn wir uns vom Terrorismus keinen Keil durch unsere Gesellschaft treiben lassen, sondern demonstrieren, dass wir friedlich in einer bunten Gemeinschaft zusammen leben wollen, dann haben wir wohl eine der wertvollsten Konsequenzen aus dem 11. September 2001 gezogen.