Auffangen statt Abschieben!
03.04.2006: In den letzten Tagen haben die Debatten um die Rütli-Hauptschule viel Wirbel gemacht. Dazu erklärt der Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND:
Es scheint eine Art 'Beißreflex' zu sein, der ihnen keine andere Wahl lässt: Unionspolitiker fordern jetzt, dass man auffällige SchülerInnen gleich mal abschieben sollte. Uns erinnert das mehr an die Parolen 'Kriminielle Ausländer abschieben' von NPD und DVU als an einen konstruktiven Lösungsvorschlag. Die CDU dürfte es doch eigentlich nicht mehr nötig haben, im rechtsextremen Milleu Stimmen zu fischen. Diese Politik ist unverantwortlich, damit treibt die CDU die Spaltung unserer Gesellschaft voran, anstatt Probleme zu lösen. Ein weiteres Beispiel für die bigotte Integrationspolitik der CDU: Innenminister Schäuble will die Mittel für Sprachkurse zusammkürzen. Ideologisch und äußerst kurzsichtig - An einer Lösung von Problemen scheint die CDU nicht interessiert.
Integration in die Gesellschaft brauchen nicht nur die SchülerInnen mit Migrationshintergrund - deutsche HauptschülerInnen an der Rütli-Schule und anderswo haben es genauso schwer, in unserer Gesellschaft Fuß zu fassen. Mangelnde Deutschkenntnisse beklagen ExpertInnen übrigens nicht nur bei Kindern mit Migrationshintergrund - auch die Kinder aus "deutschen" Familien haben Probleme mit der Sprache. Die 'Bildungskarriere' wird in Deutschland fast immer nach der vierten Klasse entschieden. Nicht nur die PISA-Studie bescheinigt dem Bildungssystem in Deutschland eine mangelhafte Durchlässigkeit - auch der UN-Sonderberichterstatter Vernor Munoz Villalobos hat dem dreigliedrigen Schulsystem ein miserables Zeugnis ausgestellt.
Wir begrüßen die Forderungen nach der Abschaffung der Hauptschule und bekräftigen unsere Forderung nach einer neuen, einer integrativen Schule. Wir wollen alle Schulformen im Sekundarbereich I zu einer einzigen Schulform zusammenführen. Die Jugendlichen sollen bis Abschluss der zehnten Klasse gemeinsam lernen - von ihren LehrerInnen genauso wie von ihren MitschülerInnen!
Jetzt wieder beißreflexartig von "Parallelgesellschaften" zu sprechen und damit nur die MigrantInnen zu meinen - zu kurz gesprungen, liebe CDU! Die Spaltung in unserer Gesellschaft verläuft nicht an staatsbürgerschaftlichen Grenzen, die Selektion findet in den Elternhäusern statt! Hier muss frühzeitig gegengesteuert werden - zum Beispiel mit einer Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr, durch Sprachkurse für Kinder mit und ohne Migrationshintergrund; und nicht zuletzt durch ein integratives, durchlässiges Schulsystem, das niemand ausschließt und den SchülerInnen alle Möglichkeiten gibt, sich zu entwickeln.
Siehe auch
Spiegel Online: Pflüger will Krawall-Schüler notfalls abschieben