Nicht Eltern, sondern Kinder fördern!
04.05.2006: Von der Regierung wird das Elterngeld als "großer Wurf" gelobt - der Bundesvorstand der GRÜNEN JUGEND ist anderer Meinung:
"Mehr als ein Feigenblatt ist das nicht, was Ursula von der Leyen als 'Großen Wurf' vorgestellt hat. Zwei Monate Windeln wechseln und Fläschchen machen für Papa - das Elterngeld wird geschlechterpolitisch kaum etwas bewegen. Wenn unbedingt Elterngeld, dann aber bitte 7 + 7 Monate - alles andere ist geschlechterpolitische Augenwischerei. Von der Leyens angeblich ach so moderne Familienpolitk ist entzaubert: Mit dem Elterngeld zementiert die Ministerin überkommene Geschlechterrollen und das traditionelle Familienbild - und darüber hinaus auch soziale Differenzen!
Wir wollen nicht - wie Ursula von der Leyen - Frauen weiter im Haus halten oder denjenigen Steuervergünstigungen geben, die sich ein Kindermädchen leisten können. Anstatt das 'Heimchen am Herd' zu finanzieren, wollen wir die Institutionen stärken: Die Kinderbetreuung und die frühkindliche Bildung müssen dringendst ausgebaut werden!
Wir wollen eine zum Kind hingewandte Familienpolitik, mit Förderung und Bildung von Klein auf! Eben nicht die Eltern müssen in Deutschland gefördert werden, sondern die Kinder - und zwar jedes einzelne Kind mit seinen ganz speziellen Begabungen und Problemen. Denn noch immer gilt, was die PISA-Studie zutage brachte: In kaum einem anderen Land hängen die Bildungs- und Lebenschancen so stark von der sozialen Herkunft ab wie in Deutschland. Unser Ansatz einer flächendeckenden Betreuung auch für die Kleinsten bedeutet mehr Selbstbestimmung für beide Eltern - aber vor allem auch eine ganze Menge mehr Gerechtigkeit für Kinder aller sozialen Schichten, von Anfang an!
Unsozial ist auch die durch das Elterngeld verschärfte Mittelverteilung von unten nach oben. Das Elterngeld ersetzt das Erziehungsgeld, auf das bisher nur Bedürftige Anspruch hatten - damit gibt die Große Koalition denjenigen viel mehr, die ohnehin schon finanziell beser gestellt sind. Zufall kann dies nicht sein - wohl hängt auch von der Leyen der sozialdarwinistischen Auffassung an, dass 'in Deutschland die Falschen die Kinder bekommen'. Anstatt nach dem Gießkannenprinzip Elterngeld auszuschütten, sollten vielmehr die Betreuungs-Institutionen und die wirklich Bedürftigen gestärkt werden."
Siehe auch
"Institutionen stärken": Leitantrag für den Bundeskongress der GRÜNEN JUGEND Mitte Mai in Jena