Hart, nicht gerecht! - Privates Kopieren ist nicht kriminell!

28.07.2004: Anlässlich der Präsentation einer mobilen "Knastzelle" als Aktion im Rahmen der Hartabergerecht-Kampagne der deutschen Filmindustrie erklären Markus Beckedahl, Vorsitzender des Netzwerk Neue Medien, und Stephan Schilling, Sprecher der GRÜNEN JUGEND:

28.07.2004: Anlässlich der Präsentation einer mobilen "Knastzelle" als Aktion im Rahmen der Hartabergerecht-Kampagne der deutschen Filmindustrie erklären Markus Beckedahl, Vorsitzender des Netzwerk Neue Medien, und Stephan Schilling, Sprecher der GRÜNEN JUGEND:

Rettet die Privatkopie

"Die Hartabergerecht-Kampagne kommuniziert mit Slogans "Raubkopierer sind Verbrecher", dass Urheberrechtsverletzungen mit Haftstrafen "bis zu fünf Jahren" bestraft werden könnten. Gewerbsmäßiges Raubkopieren gehört geahndet, aber diese Zielgruppe spricht die Kampagne nicht an.

Hingegen zielt die Hartabergerecht-Kampagne auf eine Kriminalisierung breiter Bevölkerungsschichten, die Filme oder Musik für den privaten, nicht-kommerziellen Gebrauch kopieren oder aus dem Internet herunterladen. Dabei nutzt die Kampagne irreführende Werbung und versucht junge Menschen mit ihren peinlichen und teilweise menschenverachtenden Werbespots zu manipulieren. Der mobile "Knast" auf seiner Tour durch Schulhöfe ist ein weiterer lächerlicher Versuch, jungen Menschen zu suggerieren, dass für das private Kopierern fünf Jahre Haft drohen. Juristisch gibt es dafür keine Handhabe," so Markus Beckedahl.

"Damit Jugendliche für das private, nichtkommerzielle Kopieren und Tauschen von Musik und Filmen über das Internet auch zukünftig nicht in den Knast kommen müssen, schlagen wir eine Contentflatrate auf Basis von Pauschalabgaben auf den Internetzugang vor.

Eine Contentflatrate gewährleistet den Interessenausgleich zwischen UrheberInnen und KonsumentInnen, zwischen Zugang und Vergütung. Die massenhafte Kriminalisierung von Tauschbörsen-BenutzerInnen wäre überflüssig. Damit werden nicht nur Gerichte und Strafverfolgungsbehörden, sondern auch die RechteinhaberInnen entlastet. Außerdem ist sie sehr datenschutzfreundlich, da keine Personendaten erfasst und über Jahrzehnte vorrätig gehalten werden müssen. Pauschalvergütetes Kopieren hat sich seit Etablierung der Kassette auch bei anderen Medien, etwa bei Leer-CDs oder beim Fotokopieren, bewährt. Dass dadurch nicht ganze Industrien untergingen, hat die Geschichte gezeigt", stellt Stephan Schilling fest.

"Eine Contentflatrate ist machbar, effizient und gerecht. Man muss sich wundern, dass sie gegenüber der DRM-Lösungen in der aktuellen Urheberrechtsdebatte kaum eine Rolle spielt, obgleich sie offensichtliche Vorteile bietet", so Beckedahl abschließend.

Mehr Informationen: www.copy4freedom.de