Strategien der Neuen Rechten

08.02.2010: Der folgende Artikel ist Teil der Artikelserie des Fachforum Demokratie und Antirassismus. Am 13. Februar findet der größte Naziaufmarsch Deutschlands in Dresden statt. Die GRÜNE JUGEND mobilisiert für die Blockaden gegen den Aufmarsch. Der folgende Beitrag von David Hellwig beschäftigt sich mit Strategien gegen Nazis.

Strategien der Neuen Rechten

Um auf die rechtsextreme Szene reagieren zu können muss man ihre Strategien kennen. Doch diese verändern sich kontinuierlich. Ein Blick auf eine oft vernachlässigte Methode der modernen Rechtsextremisten.

Die Instrumentalisierung von Musik für politische Anliegen ist kein besonders neues Phänomen. Ob nur als Untermalung oder als selbstständiger Träger von Meinungen gedacht- solch funktionale Musik begegnet uns bei Blicken in die Geschichte immer wieder. Perfektioniert wurde der eindeutige Missbrauch von Musik für politische Zwecke während der faschistischen Diktatur in Deutschland. So musste beispielsweise Wagners pathetischer Walkürenritt als Einleitung für Frontnachrichten herhalten, der musikalischen Untermalung in propagandistischen Filmen, wie zum Beispiel bei Leni Riefenstahl, wurde sehr viel Bedeutung beigemessen.

Doch auch die „neue Rechte“ will durch Musik beeinflussen. Dabei hat sich selbstverständlich der Stil geändert- das politische Lied tritt hierbei in den Mittelpunkt.

Das Projekt

Das prominenteste Beispiel für solche Agitationen ist die „Aktion Schulhof“, in der seit 2004 von der NPD in Wahlkämpfen CDs mit Kontaktmöglichkeiten zu rechtsextremen Gruppen, Veranstaltungen und Versandhäusern sowie neuerdings zusätzlich Comics vor Schulen und Jugendfreizeiteinrichtungen verteilt werden. Dabei werden besonders politisch ungefestigte Jugendliche angesprochen. Die Songs und Comics handeln von Zukunftsängsten für deren Entstehen „typische“ rechte Ressentiments zur Erklärung genutzt werden. Allein durch die scheinbare Beschäftigung mit diesen Ängsten gibt sich die Szene einen neuen, sozialen Charakter. Die ideologisch festgefahrene Hetzpropaganda, zum Beispiel gegen Immigranten, wird als Lösungsansatz präsentiert und trifft vielerorts auf unkritische Aufnahme. Echte Lösungsansätze sucht man jedoch vergeblich. Meist sind die Lieder tatsächlich so allgemein gehalten, dass dem Zuhörer ohne Vorkenntnisse kaum die Einordnung gelingt, geschweige denn die Erkennung des Gefahrenpotenzials. Damit soll ein vorsichtiges Heranführen der Jugendlichen an rechtsextremes Gedankengut erreicht werden.

Die Musik

Trotz der Häufung von bekannteren rechten Bands in diesen Musikrichtungen lässt sich die Musik der Szene entgegen vieler Vorurteile nicht auf das Metal oder Punk Genre reduzieren. Auf den „Schulhof CDs“ der letzten Jahre finden sich ebenso Rockballaden, wie die von „Faktor Widerstand“ oder Songs von Liedermachern wie Frank Rennicke, der 2009 als NPD- Kandidat in die Wahl des Bundespräsidenten zog. Musikalisch gesehen sind die meisten Lieder auf niedrigstem Niveau gehalten, um eine größtmögliche Einprägsamkeit zu erreichen. Der Text steht im Mittelpunkt, die Musik soll diesen bloß untermalen. Inhaltlich behandeln die Lieder für die rechte Szene neue Themen, wie zum Beispiel Kapitalismuskritik („Die Macht des Kapitals“) oder Ärger über Polizeiwillkür („Es lohnt sich doch“), doch auch das „Lied der Deutschen“, dessen dritte Strophe ja bekanntlich die Nationalhymne Deutschlands ist, ist auf der CD komplett vertreten, also auch mit der fehlinterpretieren ersten Strophe und wird im Booklet in dieser Form fälschlich als „Unsere Nationalhymne“ bezeichnet.

Andere Musik

Soll bei der „Schulhof-CD“ durch eine relativ große Vielzahl an vertretenen Stilen, zumeist eher populäre, und bewusst für breite Gruppen geschriebene Texte eine möglichst hohe Zahl an Jugendlichen erreicht werden, gibt es für ideologisch gefestigte Rechtsextreme auch „Härteres“. Bekannte Beispiele hierfür sind „Landser“ oder „Zyklon B“. Doch auch andere Richtungen, wie Techno findet man mit rechten Gruppen besetzt, „DJ Adolf“ unterlegt Reden von Alt- Faschistischen mit tanzbaren Beats.

Neue Rechte

Unter der „Neuen Rechten“ versteht man rechtsextreme Intellektuelle, die antidemokratisches Gedankengut, meist aus der Weimarer Republik vertreten beziehungsweise mit (pseudo-)wissenschaftlichen Methoden versuchen, das faschistische Regime in Deutschland zu verklären. So findet man Websites, deren einziger Inhalt es ist, anhand von Satellitenbildern zu versuchen, den Massenmord in Auschwitz zu leugnen. Ihr Ziel ist es, im gesellschaftlichen Diskurs Akzeptanz für ihre Positionen zu finden und mit diesem Rückhalt politische Macht zu erlangen. Ein Beispiel für solche Strategien ist die „Junge Freiheit“. Seit 1994 wöchentlich erscheinend werden in der ehemaligen Schülerzeitung antiliberale und antiparlamentarische Ideen propagiert.

Tatsächlich sind nicht alle Strategien der rechtsextremen Szene neu, so findet sich im „Materialdienst“ auf der Internetseite des NPD- Bundesverbandes ganz offen der Bereich „Propagandamaterial“. Vor die alte Ideologie wird einfach eine neue Fassade gezogen. Diese gilt es zu hinterfragen und zu durchschauen.