Solarzellen statt Eurofighter
15.11.2003: Die Industrieländer verbrauchen ohne Rücksicht auf zukünftige Generationen oder auf Menschen in anderen Regionen ungehemmt Ressourcen und zerstört die natürlichen Lebensgrundlagen. Stephan Schilling und Felix Tintelnot fordern daher ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum.
Der auf pures Wirtschaftswachstum ausgerichtete Weg der Industrieländer ist langfristig nicht haltbar und taugt auch nicht als Modell für andere Länder. Aus dieser Prognose des Club of Rome in den Siebzigerjahren hat sich politisch die Wachstumskritik herausgebildet. Auch die Grünen waren in ihrer Anfangsphase starke Verfechter eines Ansatzes, der davon ausgeht, dass Wirtschaftswachstum generell zu Lasten der natürlichen Ressourcen geht. Deshalb könne ein Wirtschaftsmodell, das auf Wachstum ausgerichtet ist, per se nicht nachhaltig sein. Darum sollten die Industrieländer - notfalls auch unter teilweisem Verzicht ihres Lebensstandards - ihr Wirtschaftsmodell einem radikalen Wandel unterziehen. Später bildete sich der Begriff des qualitativen Wachstums heraus. Qualitatives Wachstum bedeutet wirtschaftliches Wachstum im Einklang mit Umwelt. Ausgangspunkt dieser Überlegung ist die Annahme, dass etwa durch den Übergang zur Wissensgesellschaft oder die Energiewende ein Wirtschaften im Einklang mit der Natur möglich wird. Hinzu kommt, dass die Bürgerinnen und Bürger, insbesondere die jüngeren Generationen, auch in Zukunft auf wirtschaftliches Wachstum angewiesen sein werden. Allein die prognostizierte demographische Entwicklung macht es notwendig, den geringeren Anteil der Erwerbfähigen durch höhere Produktivität auszugleichen, wenn der Lebensstandard nicht sinken soll.
Grün-alternative Wirtschaftspolitik orientiert sich deshalb nicht am Umfang, sondern an der Qualität des Wachstums. Kurzfristige Profite auf Kosten der Umwelt oder Kosten der Menschen in anderen Regionen der Welt stehen diesen Vorstellungen von qualitativem Wachstum entgegen.
Politik und Wirtschaft müssen also umdenken! Dafür benötigen wir unter anderem andere finanzpolitische Rahmenbedingungen. Also Geld nicht für den Bau eines Atomkraftwerkes, sondern die Förderung regenerativer Energien; nicht für den Eurofighter, sondern für Bildung und Forschung - das sind Zukunftsausgaben des Staates, die er mit dem staatlichen Defizit verrechnen sollen darf.
Eine der Haushaltskonsolidierung verpflichtete Politik, die Steuergeschenke an die Großindustrie verteilt, aber Investitionen in Bildung, Umwelt und Forschung vernachlässigt, handelt gegen die nachfolgenden Generation. Mehr Transparenz für die VerbraucherInnen durch ein neues Verbraucherinformationsgesetz ermöglicht dem oder der Einzelnen, seinen oder ihren Konsum an Qualität auszurichten. Auf dem Weg zur globalen Wissensgesellschaft müssen die Länder der Bildung endlich Priorität einräumen. Denn Bildung leistet einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung dieses Landes. In gesättigten Märkten führen gerade Innovationen zu Wirtschaftswachstum.
Stephan Schilling ist Schatzmeister der Grünen Jugend, Felix Tintelnot ist einer der beiden Koordinatoren des Fachforums Wirtschaft