Historischer Länderticker
01.02.2004: Seit der Ausgabe 29 existiert der Länderticker und stellt jede Ausgabe die Aktivitäten der Landesverbände vor. Anlässlich dem Jubeläum blicken die SPUNK-Redakteure Jule Engel, Benni Hammer und Sascha Bachmann in Kurzformat auf die Geschichte der Verbände.
Baden-Württemberg
Zwölf Jahre ist es her, da gründete sich die Grün-Alternative Jugend Baden-Württemberg. Zehn Jahre später kursierten ihre Aktionen schon durch ganz Deutschland. "Grün fickt besser!" hieß damals ihr populärer Slogan zur Landtagswahl 2001. Mit zahlreichen verschiedenen Postkarten, gespickt mit provokanten Sprüchen, machte sie damals auf sich aufmerksam. Heute kann sie auf eine interessante Geschichte zurückblicken. Seit vier Jahren nennen sich die BaWüler GJ, nachdem sich der Bundesverband zu diesem Namen entschlossen hat. Anfangs noch mit der Zitrone als Wiedererkennungssymbol, besitzt sie seit 2001 nun auch den Igel.
Bayern
Der Südosten trotzte lange den Verbandsbestrebungen, hielt sich als JugendKontaktstelle, kurz JuKs und fuhr gut mit fetten Wahlkampfetats und InteressentInnenverteilern von 1000 Leuten. 1998 kam dann die Wende und die Bündnisgrüne Jugend Bayern wurde offiziell Feburar 1999 gegründet. Werner Graf und Ines Eichmüller waren das erste SprecherInnenpaar. Ab dann ging es los: Innovation für das Bundesgebiet: Hanftag seit 1998 jährlich stattfindend, feste Mitgliedschaft, Mitgliedsbeitrag, Teilorga der Grünen, automatische Mitgliedschaft für junge Grüne, Altersgrenze: 30. Mitglieder: 1.100. Mitgliedszeitung: Brennessel. Exportschlager: Bayern fürs Bundesgebiet & Bundesverband.
Berlin
Aus der Gründungs-Zeit der GJ Berlin 1992 erreichen uns heute nur noch Mythen und Legenden der Alt-Vorderen wie Jens Augner oder Manuel Sahib. Vieles hat sich geändert, manches blieb gleich: Ursprünglich als parteiferner Verein gegründet ist die GJ seit 3 Jahren ihrer Mutterpartei in kritischer Distanz als ?parteiinterne Vereinigung? verbunden. Trotz dessen wagen wir uns noch in politische Gegenden vor, wo Alt-Grüne heute selten geworden sind ? ob Castor-Transporte oder Friedensdemos, BerlinerInnen sind immer dabei. Dieses Erfolgsrezept hat dazu beigetragen, dass die GJ Berlin heute wieder so erfolgreich ist, wie in Vor-Kosovo-Tagen.
Brandenburg
Mitte der Neunziger existierte das Grün-Alternative Netzwerk der Jugend (GANJ@), ein Zusammenschluss von JungdemokratInnen/Junge Linke und jungen Grün-Alternativen. Die Netzwerkarbeit schlief aber um 1997 herum ein. Am 23. Januar 2000 wurde das Grün-Alternative Jugendbündnis (GAJB) Brandenburg mit einer Hand voll Leuten in Potsdam gegründet. Ziel war es einen parteikritischen, grün-links-alternativen Jugendverband zu schaffen. Inzwischen hat der später in GJ umbenannte Verband knapp 120 Mitglieder und vier aktive Basisverbände. Er organisiert zum Beispiel seit 2001 jedes Jahr den GJ-Wagen auf der Hanfparade, veranstaltete zwei Jugendkongresse und hat die bundesweite Hanfkampagne 2002 mitvorbereitet und durchgeführt.
Bremen
Die Grüne Jugendinitiative wurde 1994 in Bremerhaven als regionale und 1995 als landesweiter Verband gegründet. Die Mitglieder waren von Anfang an sehr aktionsorientiert. So starteten sie 1998 eine Aktivität gegen Schulvergleichtests, indem sie diese aus Protest im Netz veröffentlichten. Zur Bundestagswahl 1998 schaffte es ein 18-jähriges GJI-Mitglied auf Platz zwei der grünen Landesliste, doch trotz Jugendwahlkampfs verpasste er den Einzug. Ein Jahr später hat sich der Verband in GJ Bremen umbenannt. Die letzte medienwirksame Aktion war der Druck von T-Shirts gegen die Äußerungen von Bildungssenator Lemke, wie Mädchen sollen kein bauchfreies Top tragen. Die ?Bild? hat die Aktion aufgegriffen und die T-Shirts mitvertrieben. 2003 war auch das Jahr eines anderen Erfolgs: Vier von zwölf Mitgliedern der Bremer Bürgerschaft werden seit der Neuwahl von der GJ gestellt.
Hamburg
Die Grüne Jugendinitiative gründete sich 1994 in Hamburg. Damals traf sich jeden Mittwoch ein Dutzend junger Grüner. 1997 wurde das "Initiative" im Namen gestrichen. Kreative Aktionen standen von Anfang an im Zentrum der Arbeit, die vom Ausbildungstheater, der Tagesschau mit dem Schwerpunkt "10 Jahre nach Einführung des Euros", der Aktion Straßenbesetzung "der Autowahn", der Sicherheitsdienst und zuletzt "Schill erklärt uns seine Demokratie" reichte. Der Teufel war Anfangs das Logo, der später durch den Igel ersetzt wurde. Die GJH war schon immer daran interessiert auch mit anderen politischen Jugendorganisationen im Dialog zu stehen. In jüngster Zeit begeistert die GJ Hamburg die Hansestadt mit ihren Poetry-Salms und den NightInfoständen auf dem Kiez.
Hessen
Ihr zehnjähriges Jubiläum hat die GRÜNE JUGEND Hessen schon vor zwei Jahren gefeiert. Als Keimzelle der Grünen Jugend freuen wir uns, sozusagen eine der Mütter der Bewegung, natürlich ganz besonders, dass auch der Bundesverband jetzt zu den Teenagern gehört. Die GRÜNE JUGEND Hessen hat programmatisch wie personell in den letzten zwölf Jahren eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Das Projekt "Jugend in die Parlamente", mit dem wir zur Kommunalwahl 1993 gestartet sind, hat eine ganze Reihe erfolgreicher PolitikerInnen hervorgebracht. Programmatisch hat die GJH immer wieder für Wirbel gesorgt. Zahlreiche Papiere, die aus unserem Landesverband entsprangen, hier seien nur Start 21 und das Dachbodenpapier erwähnt, haben für wichtige Debatten um die Positionierung der Grünen und der Grünen Jugend geführt.
Mecklenburg-Vorpommern
Die Grün-Alternative Jugend Mecklenburg-Vorpommern hatte bis Ende der Neunziger Jahre rund 60 Mitglieder. Doch die Verbandsarbeit schlief ein und der Verband wurde teilweise nur noch von einer Person formal am Leben gehalten. 2002 bauten Jugendliche in Güstrow, nahe Rostock, einen inzwischen 15-köpfigen Basisverband auf, der sich aber an die GJ Brandenburg anschloss. Im März 2003 verließen sie die BrandenburgerInnen wieder und gründeten zusammen mit weiteren Jugendlichen aus Schwerin und Rostock die GJ Mecklenburg-Vorpommern neu. In ihrer ersten Kampagne kämpfen sie momentan vor allem um das Wichtigste in einem Flächenland: Mitglieder.
Niedersachsen
Nach der Gründung 1994 ging es lebhaft los bei der GJ Niedersachsen (GJN), sie wuchs und wurde auch innerhalb der Grünen bekannter, stellte Anträge auf Parteitagen, veranstaltet jede Menge spannende Seminare und Ortsgruppen wurden gegründet. Einschneidend war aber auch die Regierungsbildung von SPD und Grünen im Bund, da aufgrund der Entscheidungen bezüglich Atom und Kosovo, viele aktive (auch Vorstandsmitglieder) den Grünen und der GJN den Rücken kehrten. Aus finanziellen Gründen musste die GJN Mitgliedsbeiträge einführen und wurde Teilorganisation der Grünen. Allen Bedenken zum trotz blieb die GJN auch weiterhin inhaltlich kritisch gegenüber der Mutterpartei und hat bei Bedarf ihre Ansichten zu bestimmten Themen offensiv und sachlich vorgetragen. Die aktuelle auf ein Jahr angelegte Kampagne heißt grünERleben.
Nordrhein-Westfalen
Seit der offiziellen Verbandsgründung in NRW am 27. Februar 1999 hat sich so einiges getan an Rhein und Ruhr. Nach Startschwierigkeiten führte der Landesverband im Jahr 2000 eine Satzungsreform durch und benannte sich von GAJB in "GJ NRW" um. Das Jahr darauf stand ganz im Zeichen der Kampagne "multi is kulti" für mehr Einwanderung und Integration und wurde durch die "Teilorga" bei den Altgrünen gekrönt. PISA und unser Protest gegen die Clement'schen Studiengebühren: das waren die Hauptthemen 2002, durch die wir uns viel Gehör innerhalb der Partei verschafften. Im Geburtstagsjahr 2004 steht der Igel in NRW blendend damit aktiven Mitglieder, 'ner Menge Ideen für die anstehenden Europa- und Kommunalwahlen und dem nötigen Biss, um die alternden NRW-Partei weiter anzustacheln!
Rheinland-Pfalz
Im November 1994 fanden sich 20 junge Leuten in Mainz ein, um das Grüne Jugendbündnis Rheinland-Pfalz zu gründen. Die meisten davon waren Neulinge auf dem Gebiet der Politik, also eine große Chance, vieles besser zu machen als die Parteien. In der Anfangszeit wurden Fachforen zu Drogenpolitik, Rechtsextremismus, Bildungspolitik und anderen gegründet, später auch zu Mitbestimmungsrechten. Das GJB setzte sich auch für ein "Wahlrecht ab der Geburt" und gegen Atomkraft ein. 2001 wurde mit Nils Wiechmann zum ersten Mal ein GJB-ler in den Landtag gewählt und die Kampagne "www.fly-like-an-igel.de" Aufsehen erregt. Derzeit bereitet sich die Grüne Jugend, wie der Verband inzwischen heißt, auf die Kommunalwahl am 13. Juni vor. Landesweit sollen 50 Junge auf grünen Listen kandidieren. Der Verband unterstützt außerdem als Mitinitiatorin eine Volksinitiavie zur Einführung des aktiven Kommunalwahlrechtes ab 16.
Saarland
Im August 1993 trafen sich in Saarlouis vierzehn grün-bewegte Jugendliche, um die Grün-Alternative Jugend Saar zu gründen. Die Hauptthemen der politischen Arbeit waren zu dieser Zeit Antidiskriminierung, Umwelt- und Tierschutz, Bildung, Jugendarbeit, Senkung des Wahlalters und eine neue Drogenpolitik. Nach zwischenzeitlichen Hochs und Tiefs und der Umbenennung in GJ Saar am 13.Januar 2002 befindet sich der Verband wieder im Aufwind. In den letzten Jahren lagen die Schwerpunkte der politischen Arbeit bei Bildung (aufgrund der Beschlüsse im Saarland zu Abitur nach 12 Jahren, Abschlussprüfungen, Benimmunterricht, Langzeitstudiengebühren und Mittelkürzungen an der Universität), Kampf für Frieden, Tierschutz und Nachhaltigkeit in der Politik.
Sachsen
Das Grün Alternative Jugendbündnis (GAJB) Sachsen wurde 1992 in Leipzig gegründet. In den ersten Jahren engagierte es sich hauptsächlich für Öko-Themen wie Atomausstieg und Autobahnbau. Mitte der 90-er nannte es sich in Grünes Jugendbündnis (GJB) um. Die Gruppe wurde mit Riesentransparenten bei Demos gegen Rüttgers und Kohl, Aktionen mit Fritz Kuhn oder Abgase sammeln an der Uni Dresden als linke und ökologische Jugendorganisation wahrgenommen. Zur Landtagswahl 1999 machte das GJB mit einem eigenem Jugendkandidaten erfolgreichen Wahlkampf, danach fand ein Generationenwechsel statt. Die Neuen organisierten einen internationalen Jugendaustausch und waren aktiv gegen den Elbausbau. Sie beschäftigten sich öffentlichkeitswirksam mit dem Tschetschenienkonflikt und Sozialstaatenmodellen und führten die Abschlussparade des Landesschülerrates an. Nachdem die Leipziger GJ zeitweise nicht mehr existierte, etablierte sich 2002 erneut eine starke Basisgruppe. Mit viel Engagement ist es hier gelungen aktiv den Protest gegen den Irakkrieg zu gestalten und Netzwerke zu anderen linken Jugendgruppen aufzubauen. 2003 wurden die Themen Ländliche Entwicklung und Bildungspolitik bearbeitet sowie in Netzwerken gegen Rechtsextremismus mitgearbeitet.
Sachsen-Anhalt
1992, gründeten 30 Jugendliche in Halle an der Saale einen Jugendverband, der allen alternativ Denkenden genügend Platz zur Selbstbetätigung und des Visionierens einräumen sollte. Die Jugendlichen stammten aus verschiedenen politischen Lagern, weswegen das Neue Forum (bis 1999) und B?90/Die Grünen als politische Orientierung angegeben wurden. Neben zahlreichen Lokalaktionen wie die Autofreie Innenstadt, Sommerfeste, Wahlaufrufen, Anti-Castor- und Fahrraddemonstrationen und die Belagerung von Pelztierfarmen und Legehennenbatterien wurden zusammen mit anderen Verbänden die alljährlichen Ostermärsche mitorganisiert. Der Jugendverband zählte in seinen aktivsten Zeiten 1998 und 1999 rund 150 Mitglieder in 6 Kreisverbänden. Bis 1998 konzeptionalisierten Die Bunten maßgeblich die Bildungspolitik von B 90/Die Grünen mit. Darüber hinaus bot der Jugendverband jährlich eine Auslandsfahrt in ein Nachbarland an. Letztes Jahr nannte sich der Verband auf einer Versammlung in GJ Sachsen-Anhalt um und verlegte den Sitz nach Magdeburg. Gegenwärtig versucht die GJ sich zu reformieren und sucht verstärkt Kontakt zu anderen Bundesländern.
Schleswig-Holstein
Die Grün-Alternative Jugend (GAJ) Schleswig-Holstein wurde 1988 gegründet und ist damit der älteste Landesverband. Die Gründsmotivation für viele Jugendliche war gänzlich einfach - Sie haben zu oft ihre LehrerInnen bei den Grünen getroffen. Bis 1994 wurden einige bundesweite Aktionen durchgeführt, zum Ende hin auch mit den Gruppen in Baden-Württemberg und Hessen. Eine nennenswerte Aktion waren die "Liebesgrüße nach Moskau", dabei haben sie Kondome nach Russland geschickt. Auch zum 10. Jahrestag von Tchernobyl wurden sie aktiv. Da jedes Jahr die Mitgliedschaft im Bundesverband per Antrag verlängert werden muss und dies 2002 nicht getan worden ist, musste der Bundesverband ein Jahr lang ohne die inzwischen "Junge Grüne" genannten auskommen. Zu der Zeit waren nur eine Hand voll von Menschen im Verband aktiv, inzwischen weht sie eine frische Briese aufwärts.
Thüringen
Die Grün-Alternative Jugendföderation (GAJF) Thüringen gab es wohl schon vor 1997 und die Gründungsmitglieder kamen aus der Jugendumweltbewegung. Am 9. Dezember 1997 gründeten neun Personen in Erfurt die GAJF neu. 1999 traf sich die GAJF nur noch in unregelmäßigen Abständen. In den folgenden Jahren gab es auch mit Unterstützung der Grünen immer wieder Wiederbelebungsversuche, in dem recht kleinen Grünen Landesverband gelang dies aber nicht dauerhaft. Aber es kann nur besser werden: Zurzeit gibt es wieder viele Aktive GJliche in Thüringen die aktiv an der Wiederbelebung arbeiten. Mehr Informationen gibt es bald auf www.jugend.gruene-thueringen.de - Also Daumen für Thüringen drücken!