Fakten, Fakten, Fakten ...
13.11.2009: ... über den weltweiten Genussmittelkonsum
Fakt ist, Genuss ist eine schöne Sache. Fakt ist auch, dass es gravierende Unterschiede zwischen Menschen gibt, wenn sie die Frage, was sie denn genießen würden, beantworten sollen. Es gibt Wissenschaftler_innen, die die Menschheit in vier Gruppen unterteilen wollen. Neben Couchgenießer_innen gibt es auch Geschmacks-, Erlebnis- und Alltagsgenießer_innen. Andere glauben daran, dass man entlang der Geschlechtergrenze zwischen Mann und Frau Unterschiede im Genussempfinden sehen kann. Fakt ist aber auch, dass Genussfähigkeit kaum in Zahlen messbar ist. Einige genießen die Ruhe an einem verlassenen See, andere die Schallwellen eines lauten Konzerts und wieder anderen geht es bei einer Massage am besten.
In Zahlen messen lässt sich jedoch der Genussmittelkonsum. Dazu zählen beispielsweise Drogen jeglicher Art, aber auch Schokolade, Tee und Kaffee, leckeres Essen und andere Nahrungsmittel, die nicht zur Sättigung konsumiert werden. Und dabei treten weltweit riesige Unterschiede zu Tage. Weltmeister_innen im Schokoladenkonsum sind die Schweizer_innen, gefolgt von uns Deutschen. Rund 11 kg braune Schokolade (und kaum weiße) vertilgt ein_e Durchschnittskonsument_in in der BRD jedes Jahr. In Japan und und der Niederlande wird dagegen recht wenig Schokolade gegessen (Zahlen kannst du dem Diagramm entnehmen). Dabei beinhaltet Schokolade tatsächlich viele Stoffe, die Genuss fördern und glücklich machen können. Neben Theobromin (ähnlich wie Koffein), das anregend wirkt, beinhaltet sie auch Stoffe, die als Antidepressivum wirken. Aber auch Cannabinoide lassen sich in geringen Spuren finden. Angeblich soll der Kakao dazu auch noch eine blutdrucksenkende Wirkung haben. Je höher dieser Anteil, desto gesünder und kalorienärmer ist die Schokolade.
Zu den Genussmitteln gehören auch Drogen jeglicher Form. Während hierzulande der Tabak- und Alkoholkonsum seit Menschengedenken legalisiert ist, werden Konsument_innen anderer Drogen nach wie vor kriminalisiert. Dabei kiffen weltweit etwa vier Prozent der Menschen zwischen 15 und 64. In den USA, Australien und auch in Europa liegt der Schnitt jedoch noch deutlich darüber. Alleine in Europa haben mehr als 13 Mio. Menschen im Jahre 2008 Cannabis konsumiert. Durch die teilweise strikte Verfolgung von kleinsten Delikten sitzen alleine in den USA über 800.000 Menschen im Gefängnis. Dabei gibt es auch Bundesstaaten, in denen ein Umschwenken in der Politik zu verzeichnen ist. Und die Zahlen geben diesen Staaten recht. Denn nur etwa neun Prozent der Konsument_innen werden von Cannabis abhängig. Das sind deutlich geringere Quoten, als bei Tabak oder Alkohol zu verzeichnen sind. Durch den Konsum von Cannabis kann es zu gesundheitlichen Problemen kommen, allerdings ist die gesundheitliche Belastung im Vergleich zu anderen illegalisierten Drogen, aber auch zu Alkohol und Tabak, relativ gering.
Aber neben den materiellen Genussmitteln gibt es andere Möglichkeiten, das Genuss-Verhalten aufzuzeigen. Denn auch ein Urlaub kann genussvoll sein. So sind die Deutschen trotz Finanzkrise Reiseweltmeister_innen geblieben. Vor den Niederländer_innen, den Schweizer_innen und den Französ_innen verbrachten die Bundesbürger_innen die meiste Zeit im Ausland (und ließen da das meiste Geld). Dabei verändern sich durch die Finanzkrise ein wenig die angesteuerten Ziele. Nach wie vor liegt Spanien am höchsten in der Gunst, allerdings hat sich der Trend zu immer ferneren Zielen abgebremst. Auch die aufstrebenden Wellness-Urlaube konnten dieses Jahr nicht weiter zunehmen.
Interessant ist dabei auch ein Vergleich der arbeitsfreien Tage in Europa. Da belegt Deutschland einen der letzten Plätze. Mit nur 20 gesetzlich zugesicherten Urlaubstagen gibt es einen großen Unterschied zu den Spitzenreitern Finnland, Brasilien und Frankreich (mit je 30 gesetzlichen Urlaubstagen). Dennoch bekommen viele Arbeitnehmer_innen auch in Deutschland 30 Tage zugesprochen. Davon könnten Menschen in Japan oder auch China nur träumen. Denen stehen nur elf bzw. zehn Tage zu. In den USA gibt es dagegen gar keine vorgeschriebene Regelung.
Auch ein Blick auf die Anzahl der durchgeführten sexuellen Akte ist äußerst aufschlussreich. Denn auch während diesen sollte es schließlich zu genussvollen Momenten kommen. Dabei führen die Griech_innen, bei denen es durchschnittlich über 160 Mal zur Sache geht. Die Bundesbürger_innen landen bei einem weltweiten Vergleich auf Rang zehn und kommen immerhin noch 117 Mal zu ihrem Vergnügen. Mehr als zwei Mal die Woche geht es in den Betten also (mehr oder weniger) hoch her. Das entspricht in etwa auch den Inhalten eines (absurden) alten Gesetzes, das Ehemännern diese Anzahl an Akten zusichern soll. Leider sind die meisten Menschen jedoch nicht sehr zufrieden mit ihrem Sexualleben. Ein Vorbild könnten die Menschen aus Malaysia sein, die eine der höchsten Zufriedenheitsquoten erreichen.
Felix Fischer