Ist das Christentum integrierbar?
20.06.2010: Eine Satire über eine der bekanntesten religiösen Strömung.
In Deutschland leben über 57 Millionen Menschen, die sich als Christ_innen verstehen. Für einige von ihnen spielt ihre Religion keine große Rolle, doch viele fühlen sich der christlichen Tradition noch immer eng verbunden, gehen regelmäßig in die Kirche und richten ihren Alltag nach religiösen Vorschriften aus.
Immer häufiger regen sich jedoch in unserer Gesellschaft Bedenken, ob diese religiösen Eiferer_innen eine Gefahr für die freiheitlich-demokratische Grundordnung darstellen. Anlass zur Sorge geben Äußerungen von bekennenden Christ_innen und kirchlichen Amtsträger_innen, die Hinweise auf Antisemitismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit und antidemokratische Tendenzen enthalten. Die folgenden Beispiele werden dies eindeutig belegen.
Tatsächlich sollte es niemanden verwundern, dass Christ_innen solche rückständigen Überzeugungen an den Tag legen.
Der italienische Kardinal Cordero Lanza di Montezemolo bezichtigte 2008 die Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“, „jüdische Hetze“ zu betreiben – ein Vorwurf, der zweifelsfrei auf ein antisemitisches Weltbild schließen lässt.
Wie allseits bekannt ist, dürfen in der katholischen Kirche trotz massiven öffentlichen Drucks Frauen noch immer keine höheren Ämter bekleiden. Von allen wichtigen Entscheidungen bleibt die Hälfte der Gläubigen somit ausgeschlossen. Darüber hinaus macht der Papst, das Oberhaupt der katholischen Kirche, immer wieder durch gefährliche Aussagen auf sich aufmerksam, zum Beispiel, wenn er sich über den Kampf gegen AIDS in Afrika auslässt: „Wenn da keine Seele ist, wenn den Afrikanern nicht geholfen wird, kann das Übel nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden. Im Gegenteil, es besteht die Gefahr, das Problem zu vergrößern.“
Zudem sind sowohl Papst als auch Kirchen als extrem intolerant gegenüber modernen Lebens- und Beziehungsformen bekannt. Homosexualität und jeglicher Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe werden aufs Schärfste verurteilt – angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Situation eine unhaltbare Einstellung, die, wie bei religiösen Fanatiker_innen üblich, die Realität vollends verkennt.
Äußerungen von bekennenden Christ_innen und kirchlichen Amtsträger_innen geben Anlass zur Sorge.
Tatsächlich sollte es niemanden verwundern, dass Christ_innen solche rückständigen Überzeugungen an den Tag legen, denn schon in der Bibel, der heiligen Schrift des Christentums, sind Homophobie und Frauenfeindlichkeit verankert. So heißt es beispielsweise unter Leviticus 20,13: „Wenn jemand bei einem Mann liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Greuel ist und sollen beide des Todes sterben. Blutschuld lastet auf ihnen.“ Überrascht es da noch, dass Christ_innen Homosexualität (vor allem männliche, weil sie Frauen meistens keine eigene Sexualität zugestehen) vielfach als Krankheit bezeichnen?
Die Partei Bündnis 90/DIE GRÜNEN gilt bei einflussreichen Christ_innen übrigens als „eine kinder- und familienfeindliche deutsche Partei des linksextremen Spektrums“, die sich besonders für „die aktive Diskriminierung ungeborener Kinder und für die Leugnung ihrer Menschenrechte“ einsetzt (www.kreuz.net).
Diese Auseinandersetzung mit dem Christentum in Deutschland lässt ein düsteres Bild entstehen. Die gute Nachricht: Dieses Bild ist nur eines von vielen möglichen, willkürlich zusammengeklaubt aus kontextfreien Papst-Zitaten, Jahrtausende alten Bibelstellen und vom Verfassungsschutz beobachteten Websites – und keineswegs repräsentativ für die Mehrzahl der Christ_innen in Deutschland. Deutlich wird so vor allem eines: Wer nach Informationen sucht, um das Christentum zu diskreditieren, wird fündig – genauso wie bei den meisten anderen Religionen und Ideologien. Schwarze Schafe gibt es auch unter Bibelleser_innen. Und religiöser Fundamentalismus, ganz egal welcher Richtung, sollte in einer säkularen Gesellschaft nicht integrierbar sein.