Ungeheuer ist viel - aber ungeheurer als der Mensch nichts

20.06.2010: Der Mensch ist nicht Krone der Schöpfung, er zerstört sie.

Schon lange stellen sich Menschen die Frage über ihr Verhältnis zu anderen Tieren. Denn nichts anderes ist ja der Mensch - ein Tier. Den anderen Tieren so ähnlich, dass er an ihnen Kosmetik und Medizin erprobt, ihre Organe als Ersatz für die eigenen gebraucht und ihre Muttermilch trinken kann. Woher stammt der Glaube, dass wir das Recht haben, mit Tieren zu handeln, wie es uns gefällt? Dass wir, trotz mittlerweile bestehender Gesetze zum Schutz von Tieren, immer noch die Ansicht vertreten, sie stünden weit unter uns. Wir jagen und töten, halten und missbrauchen und haben gleichzeitig so wenig Achtung vor denen, deren Fleisch wir essen und deren Haut und Fell wir als Kleidung tragen. Wir halten sie unter schlechtesten Bedingungen, verabreichen ihnen Medikamente, damit sie unseren Kauferwartungen entsprechen, wenn sie geschlachtet werden. Wir töten männliche Legehuhnküken, weil sie keine Eier legen und kaum Fleisch ansetzen. Sie werden nicht gebraucht, sie werden „entsorgt“. Aber wir schmücken uns auch mit ihnen als Symbolen, wir suchen Ostereier, die der Osterhase versteckt hat, den wir dann als Sonntagsbraten servieren, gehen in Streichelgehege, um kleine Lämmer zu sehen, die wir an Festtagen essen.

Viele halten es nicht nur für unwichtig, sondern auch für falsch, über Alternativen nachzudenken: zu unpraktisch, zu teuer, zu ungesund. Das sind oft die Argumente der Discount-Fleischkonsument_Innen. Oft sind es Unwissen und Ignoranz, die zu solchen Aussagen führen. Der Glaube daran, dass schon nicht so viel Schlimmes drin sein wird im billigen Fleisch, dass unsere Vorfahren das ja auch jahrhundertelang so gehandhabt haben, dass „einem was fehlt“ ohne Fleisch, ja, dass man Gefahr läuft, zu verhungern oder nicht mehr wächst oder Karies bekommt.

Woher stammt der Glaube, dass wir das Recht haben, mit Tieren zu handeln, wie es uns gefällt?

Doch immer wieder die Frage - dürfen wir das? Sollten wir nicht andere Zeichen setzen? Als Menschen, als geistige Individuen, als „Krone der Schöpfung“? Die Frage, die sich viele Völker und Religionen schon gestellt haben, wird immer wieder anders beantwortet. Zum Schluss stehen wir vor der Frage, was wir selbst mit unserem Gewissen vereinbaren können. So gibt es immer wieder Menschen, die sich zum Beispiel dazu entscheiden, gar kein Fleisch - oder sogar keine tierischen Produkte mehr - zu essen. Mittlerweile sind dies allein in Deutschland um die sechs Millionen. Diese leben aus den unterschiedlichsten Gründen mit dem bewussten Verzicht auf fleischliche Produkte. Sei es die Sorge um die eigene Gesundheit, die verschiedenen Fleischskandale der letzten Jahrzehnte oder eben die Sorge um die Stellung der Tiere, das Wissen um die zum Teil grausamen Bedingungen der Tierhaltung und des Schlachtens. Man kann auf die unterschiedlichsten Meinungen und Argumente stoßen, wenn man sich mit dieser Frage beschäftigt - aber mit der Frage des eigenen Umgangs mit dem Tierleiden sollte man sich beschäftigen. Sei es, um sein Wissen über die Folgen des eigenen Konsums zu erweitern, oder um etwas für seine Gesundheit oder sein Gewissen zu tun. Sei es, um ein politisches Statement abzugeben, nicht nur, aber doch vor allem in einer Partei, die viel für die Rechte von Tieren gekämpft hat. Sei es, seinen Kindern Antwort geben zu können, und ihnen im besten Fall als Vorbild zu dienen. Oder sei es auch einfach, um mehr über sich selbst und seinen Standpunkt zu erfahren in einer Welt, in der wir als Menschen zu den kleineren und neueren Tierarten gehören und uns unsere Erde mit so vielen anderen teilen, die vor uns da waren und vielleicht nach uns noch bestehen.

Zum Schluss stehen wir vor der Frage, was wir selbst mit unserem Gewissen vereinbaren können

Amber-Noel Luitjens, Fachforum Mensch & Tier