Nie wieder Krieg!

20.06.2010: Eine kleine Geschichte des Pazifismus

Kritik am Krieg gibt es sicher schon, seit es Krieg gibt. Aber auf jeden Fall, seitdem der Mensch seine Gedanken ausführlich niederschreibt. Die antiken GriechInnen und RömerInnen stellten bereits Überlegungen an wie „der ungerechteste Friede ist immer noch besser als der gerechteste Krieg“ (Cicero, Ad Atticum, VII, XIV, 3). In der Aufklärung formulierte Kant in seinem Werk „Zum ewigen Frieden“ entscheidende Gedanken, die eine Wiederbelebung der kriegskritischen Überlegungen der Antike darstellten. Doch erst zur Wende zum 20. Jahrhundert organisierte sich der Widerstand gegen sinnlose Gewalt und Militarisierung.

Die Gründung der Grünen 1980 bezog ihre Stärke zu großen Teilen aus der Friedensbewegung

In dieser Zeit traten auch die ersten bedeutenden Köpfe hervor, die sich vor allem um die „Friedensliebe“ bemühten, wie sich der Pazifismus damals auch nannte. Die österreichische Adlige Bertha von Suttner gründete u.a. 1892 die Deutsche Friedensgesellschaft und war politisch wie schriftstellerisch aktiv. 1891 fand der erste Weltfriedenskongress in Rom statt und es keimte die Überzeugung, dass es einer soliden internationalen Vereinigung bedürfe, um den erwünschten Frieden zu erhalten, wodurch 1920 der Völkerbund entstand. Die nur an ihre Interessen denkenden Nationen milderten leider kaum die Spannungen untereinander, die in den Zweiten Weltkrieg führten.

In der Zwischenkriegszeit waren die Stimmen, die sich gegen den Krieg erhoben, zahlreich und laut geworden. Der Mathematiker und Philosoph Bertrand Russell musste bereits während des Ersten Weltkriegs für sechs Monate ins Gefängnis und verlor seine Professorenwürde, weil er sich für Frieden und Kriegsdienstverweigerung einsetzte. Der Publizist Carl von Ossietzky musste vor Gericht für die Veröffentlichung des Satzes „Soldaten sind Mörder“ von Kurt Tucholsky, der zu dem Zeitpunkt bereits ins Exil geflüchtet war. Ossietzky wurde als Herausgeber der linken „Weltbühne“, in der Tucholsky vor allem viele kriegsfeindliche Artikel veröffentlicht hatte, später im KZ umgebracht. Noch Franz-Josef Strauß (CSU) verklagte in der BRD Personen, die diesen Satz sinngemäß verwendet hatten.

Erst zur Wende zum 20. Jahrhundert organisierte sich der Widerstand

Doch die Welt ist nach den Weltkriegen nicht mehr zur Ruhe gekommen, sodass sich immer mehr Menschen veranlasst sahen, gegen die stattfindenden Kriege zu demonstrieren: Anfang der 80er gegen den NATO-Doppelbeschluss zur Stationierung von Atomwaffen in Europa während des Kalten Kriegs, dann gegen den Vietnamkrieg, den Zweiten Golfkrieg, den Kosovokrieg und zuletzt den Irakkrieg. In den 80er Jahren verselbstständigte sich auch die Friedensbewegung und Persönlichkeiten wie Wolfgang Borchert, Jean-Paul Sartre und Erich Fromm engagierten sich in der Öffentlichkeit. Die Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen führte immer mehr junge Männer in den Zivildienst. Vielleicht hat noch eine größere Wirkung auf die Menschen, dass nicht nur auf Demonstrationen, sondern auch in Musik, Film und Literatur für den Frieden geworben wird, in Picassos „Guernica“, in Antikriegsfilmen wie „Full Metal Jacket“ oder „Lord of War“, in Büchern wie „Im Westen nichts Neues“.

Die Grünen schließlich, die sich 1980 gründeten, bezogen ihre Leute zu Teilen aus der Friedensbewegung. Warum vertritt heute nur noch die Partei Die Linke bedingungslos pazifistische Positionen? Nach wie vor müssen wir alle mit Wut gegen Krieg und sinnlose Rüstung angehen!

Jacob Hildebrand