"Der Laden ist voll"
20.03.2007: Rassismus und Diskriminierung enden nicht vor Clubs und Diskotheken. Im Gegenteil: Vor "der Tür" zählen nur Äußerlichkeiten und Vorurteile. Erfahrungen von Ario Ebrahimpour Mirzaie.
| Ein Beitrag zur "Aktionswoche gegen Rassismus"! Unter dem Motto "Gesicht zeigen!" finden europaweit Aktionen gegen Rassismus statt. Die GRÜNE JUGEND beteiligt sich mit diversen Aktionen auf lokaler Ebene an der Woche. |
"Heute nur für Stammgäste"
Freitag abends gab es für Kölner SchülerInnen und Studierende nur einen Ort; wo das knappe Budget optimal verfeiert werden konnte: Die Live Music Hall (LMH). In zwei Stunden soviel Bier, wie man runter kriegen konnte, lautete die Devise. Der Rest des Abends war damit reine Formsache. Leider war es nicht jedem und jeder gewährt, an der freitäglichen Freibier-Party teilzunehmen. Gerade Menschen mit Migrationshintergrund waren immer wieder Opfer von Schikanen und überzogenen Kontrollen. Gründe für die Ungleichbehandlung von Minderheiten liegen oftmals in stereotypen Menschenbildern, die im meist aggressiven Türsteher-Milieu auf fruchtbaren Boden stoßen: Schwarze sind Drogendealer, Türken belästigen junge Frauen, Rastalocken heisst Kiffen und Leute mit osteuropäischer Herkunft saufen sich nur voll und sorgen für Krawall im Club.
"Versucht es später noch einmal"
Rassismus im Nachtleben ist ein großes Problem. Dabei sieht man, dass es kein Problem einiger angeblicher ostdeutscher "No Go Areas" ist, sondern ein gesamtdeutsches Problem. Besonders die Ignoranz in Bezug auf Diskriminierung an der Tür ist erschreckend. So konnte es passieren, dass man einigen Leuten zum vierten Mal erzählte, dass an der Tür in der LMH Menschen mit dunkler Hautfarbe diskriminiert werden. Die Antwort lautete in den meisten Fällen: "Ach wirklich?" Ich weiß nicht ob es an dem Kölsch lag oder am Gruppenzwang, aber irgendwie schienen alle vergessen zu haben dass ich sie über die Vorfälle informiert und zum Boykott aufgerufen habe.
"Heute erst ab 21 Jahren"
Es ist sehr wichtig, sowohl öffentlichen, juristischen als auch wirtschaftlichen Druck auf Clubs und Diskotheken auszuüben, die rassistische TürsteherInnen und MitarbeiterInnen beschäftigen bzw. einem rassistische Handlungskodex folgen. Artikel in Regionalzeitungen und der eigenen Schülerzeitung, einfache Flugblätter, die man vor dem Club verteilt und natürlich Boykott helfen schon. Am wichtigsten ist es jedoch, den privaten Freundeskreis für dieses Thema zu sensibilisieren. Im Falle der LMH in Köln bedurfte es erst einer schweren Körperverletzung bis es zu juristischem Druck und einem Inhaberwechsel kam. Soweit darf es nicht kommen: Rassismus an sich ist schon ein Verbechen!