Beim ADAC kommt die Umwelt unter die Räder

05.06.2006: Der ADAC ist der beliebteste Automobilclub für AutofahrerInnen - und eine mächtige Lobbyorganisation gegen die Umwelt. Dabei gibt es gute Alternativen für alle, denen Service und Ökologie gleichermaßen wichtig sind.

Mist. Der Motor stottert. Gerade eben lief er noch, jetzt nur noch ein Knacken und Rumpeln. Und das ausgerechnet auf der Autobahn, jetzt auf der Fahrt in den Pfingsturlaub! Was tun?

Die meisten Deutschen rufen in solchen Situationen den ADAC. Genauso selbstverständlich, wie sie zum Arzt gehen, wenn sie selbst krank sind. Der Doktor hört zu und verschreibt Pillen, der ADAC schickt seine "gelben Engel": Alles wird gut. Doch die Pannenhelfer haben immer auch gleich einen Mitgliedsantrag dabei - wer bisher noch nicht im Club ist, gerät jetzt in Versuchung. Doch mit dem Beitritt unterstützt man gleichzeitig eine mächtige Lobby, die konsequent die Interessen der Autofahrer vertritt - die Umwelt kommt dabei unter die Räder. Dabei gibt es gute Alternativen zum ADAC, die ebenfalls guten Service auch bei Autopannen bieten und sich außerdem noch für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen einsetzen.

Mit seinen knapp 16 Millionen Mitgliedern ist der Allgemeine Deutsche Automobil-Club e.V. (ADAC) der größte Automobilclub in Deutschland. Bekannt ist er vor allem durch die "gelben Engel", also die Pannenhilfe des ADAC, die den Spitznamen von der gelben Farbe ihrer Wagen haben.

Der ADAC sieht sich als Interessenvertretung für alle Menschen, die Autos, Motorräder oder Boote fahren. Er nimmt nicht für sich in Anspruch, auch die Interessen der FußgängerInnen, Rad- und BahnfahrerInnen zu vertreten. Mit der großen Zahl von Mitgliedern ist der ADAC sowohl wirtschaftlich als auch politisch ein Faktor in der deutschen Mobilitätslandschaft.

Profitmaschine

Wirtschaftlich sind zwei Fakten interessant: Zum einen setzt der ADAC im Jahr rund 1,5 Milliarden Euro (2004) um, zum anderen ist seine Mitgliederzeitschrift "ADACmotorwelt" die auflagenstärkste Zeitschrift in Europa und damit eine Möglichkeit zur Mobilisierung vieler BürgerInnen für die Ziele des ADAC - also die Ziele der AutofahrerInnen.

"Ihr Partner in allen Fragen rund um die Mobilität" - diesen Leitspruch nimmt der ADAC auch politisch für sich in Anspruch. So setzt sich der Automobilclub für die Verkehrssicherheit von Tunnels, Autofähren und Straßen ein, aber auch beim Thema Tempolimit auf Autobahnen mischt der ADAC mit.

Lobby gegen Ökosteuer

In den Feldern Ökosteuer und Ausbau der Straßen bezieht er ebenso klar Stellung - und dies nicht gerade im Sinne einer nachhaltigen Verkehrspolitik. In einer ADAC-Studie zu Mobilität wird gefordert, die Straßen "bedarfsgerecht" auszubauen und endlich Schluss zu machen mit "einer Strategie der Verteuerung der Autokosten (Ökosteuer, etc.) zur Erreichung umweltpolitischer Ziele". Noch deutlicher wird die Ablehnung zentraler grüner Forderungen für eine zukunftsfähige Verkehrspolitik in der immer wieder von dem Verband verbreiteten Aussage "nirgends werden Autofahrer so geschröpft wie in Deutschland".

Alles in allem wird klar, dass dem ADAC nur wenig an einer im grünen Sinne nachhaltigen Mobilität liegt. Die "gelben Engel" sind eben keine "grünen Engel". Von dem ehemaligen Leitspruch "Freie Fahrt für freie Bürger" ist der ADAC zwar abgerückt, aber Busse und Bahnen spielen in den Augen des ADAC auch heute noch nur am Rande eine Rolle und vor allem dann, wenn es darum geht, Busse und Bahnen mit dem Autoverkehr zu verzahnen (etwa durch Park-and-Ride-Angebote).

Es gibt Alternativen

Für einen "Fairkehr" - also eine ökologische Verkehrspolitik - steht der ADAC nicht. Es gibt noch einige andere Verkehrsclubs, darunter den Automobil-Club Verkehr (ACV) und den Automobilclub von Deutschland (AvD), die aber beide mehr oder weniger dem ADAC politisch ähneln und ihren Schwerpunkt auf dem Individual- und damit vor allem auf dem Automobilverkehr haben. Der vierte Verkehrsclub im Bunde, der Auto Club Europa (ACE), ist zwar auf dem ökologischen Auge nicht blind und setzt deshalb auch unter anderem auf Spritsparen und die Strategie "Weg vom Öl", tritt jedoch wie die anderen Verkehrsclubs zu eindimensional für das Auto ein.

Der Verkehrsclub Deutschland

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), der in diesem Jahr sein 20-jähriges Bestehen feiert, deckt dagegen alle Mobilitätsbereiche ab. Im Vergleich zum ADAC ist der VCD mit seinen rund 63.000 Mitgliedern eine kleine Organisation - mit einem klar ökologischen und sozialen Credo: "Wir machen uns stark für eine umwelt- und sozialverträgliche, sichere und gesunde Mobilität!". Der VCD sieht sich als ökologische Alternative und kümmert sich nicht nur um die Belange der AutofahrerInnen, sondern auch der BahnfahrerInnen, der RadfahrerInnen und der FußgängerInnen. Bekannt ist der VCD durch seine jährlich veröffentliche Auto-Umweltliste, ebenso wie durch sein Engagement im Bereich des Fahrpreissystems der Bahn.

Das Ziel des VCDs ist eine nachhaltige Verkehrspolitik, dazu arbeitet er konkret an verschiedenen Themen und Projekten, wie der Verbesserung der KundInnenenfreundlichkeit der Bahn, weniger Verkehrslärm, der Vision Zero für Null Verkehrstote, sowie an einem Fahrradmasterplan für Deutschland, der das Fahrradnetz verbessern soll, um nur einige Aktivitäten zu nennen.

Pannen-Service

Die Konkurrenz zu den "Gelben Engeln" des ADAC ist die "Silberne Flotte", ein Zusammenschluss im Auftrag von Versicherungsunternehmen und unter anderem auch des VCD. Die Flotte hat ein flächendeckendes Netz von 450 Hilfsunternehmen mit 1.200 Fahrzeugen bundesweit. Die alternativen Pannenhelfer verpflichten sich, innerhalb einer halben Stunde vor Ort zu sein.

Zum Service des VCD gehört auch die Mitgliederzeitschrift "Fairkehr", die gut sechsmal im Jahr erscheint und neben Informationsquelle auch ein Diskussionsforum für die Mitglieder des VCD ist. Eine Mitgliedschaft kostet übrigens nicht die Welt: Studierende, Schüler und Azubis können schon für 22 Euro im Jahr Mitglied werden.

Das sagt der WDR

Das Fernsehmagazin "Servicezeit Verkehr" des WDR hat ADAC und VCD ausführlich miteinander verglichen und kommt zu dem Ergebnis: "Bei nahezu vergleichbaren Leistungen ist der VCD häufig günstiger als der größte Automobilclub Deutschlands, der ADAC. (...) Wer auf umweltfreundliche Alternativen setzt, wird wohl vom VCD besser vertreten und zu vielen Themen besser beraten – auch wenn gerade die Beratung nur telefonisch erfolgt. Dabei müssen häufige Nutzer von Bahn oder Rad auch als Gelegenheitsautofahrer keinesfalls auf die Vorzüge eines Clubs in puncto Sicherheit und Versicherungsleistungen verzichten."

ADFC, Fuß, Pro Bahn

Ähnlich wie der VCD setzen sich der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), der Fußgängerschutzverein Fuß und Pro Bahn für die nachhaltige oder sanfte Mobilität ein. Jedoch haben sich die Verkehrsclubs vor allem auf ein Verkehrsmittel spezialisiert. Der ADFC kümmert sich vor allem um die FahrradfahrerInnen, Fuß vertritt die FußgängerInnen und Pro Bahn kümmert sich um alle Kunden des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs. Eine wirklich umfassende ökologische Alternative zum ADAC ist daher allein der Verkehrsclub Deutschland.

Tilman Versch ist 20 Jahre alt und aktiv beim Fachforum Ökologie der GRÜNEN JUGEND

Das schreibt das Manager Magazin

In einem Artikel mit der Überschrift "Die Straßenmacht" schrieb das Magazin am 23. Juli 2004 über den ADAC: "Der Autofahrerclub mutiert zum Großkonzern - wird aber weiterhin geführt wie ein Schützenverein. Resultat: Verschwendung und zweifelhafte Geschäfte. (...) Mit seinen 23 Firmen macht der Club Versicherungsunternehmen, Verlagen und inzwischen sogar Banken Konkurrenz. Gesamtumsatz der Gruppe: rund 1,4 Milliarden Euro. (...) Im Verglichen mit anderen Unternehmen, die Milliarden umsetzen, ist die Autofahrervereinigung das Gegenteil von transparent. Die Geschicke des Münchener Konzerns bestimmt letztlich ein halbes Dutzend ehrenamtlicher Vereinsgranden. Die kungeln und kakeln in unzähligen Zirkeln alle wichtigen Entscheidungen aus - ohne dass sie fachlich dafür unbedingt qualifiziert wären. (...) Wo wenig kontrolliert und viel gemauschelt wird, ist der Weg frei für zweifelhafte Geschäfte. Einige Vereinsfunktionäre machen von der Möglichkeit offenbar reichlich Gebrauch. Die Grenze zwischen ADAC-Ehrenamt und privaten Geschäften scheint hier und da zu verschwimmen. (...) Lediglich auf 10 Prozent der Mitgliedsbeiträge muss der Verein Umsatzsteuer entrichten. Eine Subvention durch den Steuerzahler, die der ADAC selbst mit 20 bis 30 Millionen Euro jährlich bewertet hat. Die Vorzugsbehandlung gewährt das Münchener Finanzministerium. Die bayerische Staatsregierung unterstellt seit Anfang der 80er Jahre äußerst großzügig, dass der Autofahrerverband lediglich zu einem Zehntel gewerblich tätig ist. (...) Bislang profitiert der ADAC-Konzern von seinem Vereinsstatus. Die Rechtskonstruktion spart Steuern. Und sie erleichtert den Verkauf von Versicherungen und anderen Diensten an die Mitglieder. Doch das Gebilde bekommt Risse. Die massive Unterstützung durch den Fiskus ist nicht für die Ewigkeit garantiert. Schon morgen könnte einem Finanzbeamten auffallen, dass mittlerweile nicht nur die zahlreichen Tochterfirmen weit mehr als 10 Prozent ihrer Geschäfte profitorientiert betreiben, sondern möglicherweise auch der Verein selbst. Als Verein kassiert der ADAC zum Beispiel Provisionen für die Vermittlung von Versicherungspolicen."

Siehe auch: Volltext des Artikels (kostenpflichtig)